Blick in die Erlbacher Zukunftswerkstatt

Erlbach - Zukunftswerkstatt in Erlbach: Am Freitag und Samstag trafen sich im Alten Schloss junge Leute, um über die Zukunft ihres Ortes zu diskutieren und daraus gestalterische Vorschläge zu erarbeiten.

Im Rahmen eines Projektes zum Demografiewandel unter Regie von Dr. Hardo Kendschek, der seit 1992 über 100 Stadt- und Regionalentwicklungskonzepte betreute, hatte hierzu im Vorfeld eine Befragung junger Leute zu ihrem Ort unter dem Motto "Hierbleiben - Engagieren - Zurückkehren" stattgefunden. Bürgerbefragung 2.0, da ähnliches für Erwachsene bereits 2007 stattfand.

Interessant die Methode, mit der Dr. Kendschek die jungen Leute im Alter von etwa 14 bis 25 zu Ideen motivierte. World Café nennt er das Verfahren, das er auch anderenorts, beispielsweise in Ministerien, zur intensiven Gedankenfindung einsetzt. Wie in einem richtigen Café sitzen hier an einigen Tischen jeweils Gruppen von Leuten, und natürlich gibt es auch Getränke, etwas zu knabbern und "Caféhausmusik". Das "Tagesangebot" ist dabei für alle Tische das gleiche übergeordnete Thema, mit Unterpunkten an den einzelnen Tischen. Auf beschreibbaren Tischdecken können die Teilnehmer nun ihre Ansichten hierzu notieren, bis nach rund 20 Minuten zum nächsten Tisch und damit Unterpunkt gewechselt wird.

An jedem Tisch verbleibt aber ein Moderator, der die nachfolgende Gruppe über die Gedanken ihrer Vorgänger informiert. "Hiermit kommen viel mehr Ideen, als wenn man sich nur als eine Gruppe zusammensetzt und mit einem leeren Blatt anfängt", erklärt Dr. Kendschek und verweist am Samstag auf die auf der Bühne aufgehängten "Tischdecken" mit den Ergebnissen des Freitag-Themas: "Wie werden wir 2030 leben und was bedeutet das für mich und uns." Wellnesshotel, Freizeitpark oder Kletterwald waren hier nur einige der Ideen, wobei ein Jugendklub von Jugendlichen für Jugendliche ganz vorn anstand.

Am Samstag hieß das Tagesangebot "Welche Ideen haben wir für eine kinder- und jugendfreundliche Gemeinde" mit den vier Unterthemen Miteinander der Generationen; Wohnen und Leben in der Gemeinde; Lernen, Arbeiten, Mobilität und Kommunikation sowie Kultur, Freizeit, Sport und Tourismus. Auch an diesem Tag wurde eifrig diskutiert, wobei sich im Ergebnis einige Favoriten herauskristallisierten.

Hierzu gehörten ein Mehrgenerationenhaus, ein Jugendbeirat, ein Bolzplatz für alle, ein Kletterwald mit Baumhauscafé, bessere Einkaufsmöglichkeiten sowie eine Tauschbörse, mehr Kooperation zwischen Schulen und Firmen oder Tschechisch-Sprachkurse. "Wir möchten für alle Generationen die Angebote in Erlbach verbessern", brachten dabei etwa Robert Seidel (19), Sophie Heinze (14) und Simon Joram (14) ihr Motiv für die Teilnahme an der Zukunftswerkstatt zum Ausdruck.

Deren Ergebnis würde als nächster Schritt gemeinsam mit Jugendlichen dem Gemeinderat präsentiert, so Dr. Kendschek, der dann wiederum unter der Einbeziehung der Jugendlichen entscheiden müsse. Schließlich gehe es hier nicht um Patentrezepte aus der Retorte, sondern um Hilfe zur Selbsthilfe, die allerdings nur mit entsprechendem Engagement aller Beteiligten funktionieren könne, ergänzt der Sozialfachmann. Helmut Schlangstedt