Bleiben werden vor allem seine Bilder

Manfred Feiler ist tot. Im August dieses Jahres wäre er 95 Jahre alt geworden. Vor mehr als zwei Jahren starb seine Frau Erika; er lebte zuletzt in einem Plauener Pflegeheim. Mit ihm verlieren wir einen bedeutenden Künstler und streitbaren Zeitgenossen.

Plauen Es sind nicht nur die großen Worte, die sich mit Manfred Feiler verbinden: "Botschafter des Vogtlandes", Stadtplakettenträger und Ehrenbürger, Träger des sächsischen Verdienstordens; obwohl ihm all diese Ehrungen, die ihn in der zweite Hälfte seines Lebens reichlich erfreuten, nicht gleichgültig waren. Bleiben werden vor allem seine Bilder. Wer bislang "einen Feiler" sein Eigen nennen konnte, schätzte sich glücklich und hatte einiges investiert. Jetzt werden seine Arbeiten zudem an Gewicht gewinnen. Die hingetupften Landschaften, mit dem flirrenden Licht und Farbenspiel, dem Wasser, das man zu hören glaubt, dem Schnee, der da knirscht. Das war seine große Stärke - eine Stimmung zu erzeugen, die den Augenblick festhielt, aber zugleich das Wesen erfasste und ins Bild bannte. Unvergleichlich seine Aquarelle. Wer ihn je beobachten konnte, wie er mit leichter Hand, geradezu spielerisch, die Farben aufs Papier tupfte, ja hauchte, wie er durch die große Kunst des Weglassens Wirkung erzeugte, der wird das nicht vergessen. Immer wieder nahm er sich auch politische Themen vor. Setzte sich künstlerisch mit der Vergangenheit auseinander und bezog Stellung. Seine Heimatstadt Plauen bedeutete ihm viel. Hier wuchs er in der Wieprechtstraße auf, kam, vierzehnjährig, an die Kunstschule, an der er eine besondere Rolle spielte, ausgezeichnet durch ein Staatsstipendium und betreut von Lehrern wie Walther Löbering oder Kurt Geipel. Hier lernte er Erika kennen und lieben, mit der er eine Familie gründete. Der Krieg setzte ihm arg zu. Eine schlimme Verwundung zwang ihn in den Rollstuhl. Doch er überwand, auch mit Hilfe Erikas, sein Leiden. Er wurde Werbegestalter und Entwerfer für die Textilindustrie. Erste Ausstellungen folgten. Seit 1952 war Manfred Feiler freischaffend. Dann die Zäsur. 1961 stellt er in der Kunsthandlung Geyer auf der Plauener Bahnhofstraße abstrakte Gemälde aus. Die lokale Presse reagiert mit einem bösen Verriss. Zwar wird sein Name nicht genannt, aber es ist ein künstlerisches Todesurteil. Otto Dix stellt sich hinter den Kollegen, auch der Dichter Kurt Arnold Findeisen solidarisiert sich mit ihm. 1962 wird Feiler ins Künstlerlexikon des 20. Jahrhunderts aufgenommen. 2001 kaufte das Freedom Museum Washington zwei Gemälde Manfred Feilers. Er wird zum Botschafter des Vogtlandes. In seinen Bildern lebt er weiter. Wir werden ihn nicht vergessen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil er seiner Heimatstadt Plauen wichtige Arbeiten als Schenkung hinterlassen hat. Lutz Behrens