Bleiben noch "dicke Bretter" übrig

"Wir wollen die bisherige Anzahl Sitze im Stadtrat behalten. Einer mehr wäre schön, gibt sich die Spitzenkandidatin der Partei "Die Linke", Claudia Hänsel, kämpferisch.

Plauen - 15 Kandidaten füllen die Nominierungsliste der Linken für den am 26. Mai zu wählenden Stadtrat - fast liest sie sich wie ein Handzettel der Demokratie. Männliche und weibliche Bewerber, Ältere und Jüngere, Erfahrene und solche, die erstmals ins Rennen gehen, sich hre Sporen aber schon bei anderen Projekten erwarben. Es sei ein gegenseitiges Aufeinander-zu-gehen gewesen, sagt die bisherige Fraktions-Chefin, die auch im neuen Parlament als Frontfrau agieren soll. Die "Spielregeln" beherrscht sie ebenso gut wie die freie Rede, ein langes Manuskript vorm Pult wird man bei ihr selten suchen. Und dass sie an den Problemen der Leute, vornehmlich auch der Jugend, hautnah dran ist, nimmt man ihr spätestens ab wenn man weiß, dass sie Lehrerin an der Friedensschule ist. 

Viele der Dinge, die ihre Fraktion in den vergangenen Wochen und Monaten in Form von Anträgen angeschoben hat, werden auch im neuen Stadtrat eine Rolle spielen. Es handelt sich um die sprichwörtlich "dicken Bretter". Was sie auf der Haben-Seite verbucht? "Wir haben uns stark gemacht für Müllvermeidung beziehungsweise -trennung an den Schulen, was das Aufstellen verschiedener Behälter voraussetzt." Ein weiteres Thema, das Ende vorigen Jahres im Stadtrat zu einem fast "historischen" Abstimmungsergebnis führte, weil CDU und Linke sich gemeinsam gegen die Verhandlungsergebnisse in Sachen Theater aussprachen, scheint nun in etwas trockeneren Tüchern. Die in der Zukunftskommission des Theaters Plauen-Zwickau vertretenen Gremien, die Anfang Mai erstmals tagte, sprachen sich einheitlich für ein produzierendes Mehrspartenhaus über die Vertragslaufzeit von 2022 hinaus aus. Das Kleingartenentwicklungskonzept, sagt Hänsel, habe ihre Partei mit auf den Weg gebracht, wie auch das Grünflächenkonzept und den Verzicht auf Glyphosat auf öffentlichen Plätzen. Und auch dass die Falknerei Herrmann am Standort bleibt, schreiben sich die Linken mit auf ihre Fahnen. 

"Erst ging's gar nicht, auf einmal geht's, stellt Claudia Hänsel pragmatisch hinsichtlich der Schaffung von Park&Ride-Flächen im Bereich der Plamag und der Festhalle fest. Als besagtes "dickes Brett" sieht die Fraktions-Chefin das Gewerbegebiet Oberlosa. "Die Bürger brachten zwar ihre Widersprüche ein und nun verläuft die Zufahrt anders als geplant, aber die Unzufriedenheit der Bürger sitze noch tiefer, konstatiert Frau Hänsel.

Auch wenn einiges angeschoben ist und quasi der Vollendung harrt - zu tun bleibe noch genug. Aus eigener Erfahrung als Pädagogin weiß die Linken-Politikerin, wie wichtig ein Sozialarbeiter an jeder Schule, beginnend in den Grundschulen, ist. "Die Bedingungen müssen stimmen, das Interesse ist schon gegeben", sagt sie und meint damit entsprechende Räumlichkeiten an den Schulen. Die Kosten? Die "Kosten müsste der Vogtlandkreis tragen, wenn sich gar nichts ruckt, sollte sich die Stadt in der Pflicht fühlen." Stichwort Kinderbetreuungsplätze. Genug müsse es geben und bezahlbare, fordert sie. Der Bedarf lasse sich doch anhand der Geburtenstatistik relativ leicht ausrechnen und das Argument der unbekannten Zu- und Wegzüge lässt sie so pauschal auch nicht gelten. "Die werden doch nicht gleich alle auf einmal wegziehen", spielt sie auf die vermeintliche Unwägbarkeit an, wie viele neue Mitbürger ihre Kinder betreuen lassen wollen. Vor allem aber müsse man zeitlich flexiblere Llösungen finden, immer mehr Mütter und Väter arbeiten nicht mehr während der klassischen Zeiten. Und ja, da bedürfe es dann auch mehr Betreuungspersonal. Noch "offen" sei das Installieren eines multifunktionalen Klettergerüstes am Markuskirchplatz, und auch die Entscheidung über einen kostenfreien Fahrdienst für Behinderte wurde erstmal auf den Herbst verschoben. Daran "hängt" auch ein weiterer Linken-Antrag: Menschen mit entsprechendem Behinderungsgrad sollten ein Mal monatlich freien Eintritt in Museen und andere Einrichtungen haben. Wenn das Geld fließt, das Plauen als künftige "Modellkommune" erwartet, dann sollte ein Teil dem Arboretum und der Entschlammung des Stadtparkteiches zugute kommen, nennt Claudia Hänsel zwei vergleichsweise kleinere "Brocken". Auf dem Areal der ehemaligen "Gardine" an der Schönherr-Straße könnten sich die Linken nach Abriss der Brache eine Blühwiese und/oder einen Bolzplatz vorstellen. "Schön wäre es auch, für eine Eislaufbahn in der Stadt einen Betreiber zu finden", ergänzt die Fraktions-Chefin. Und das in keinem Wahlprogramm fehlende Thema Ordnung und Sicherheit? Mit dem Alkoholverbot wurden die Probleme verschoben, jetzt wird eben vor dem Rathaus getrunken, habe sie beobachtet. 

Wie es die Linken mit den Rechten im künftigen Stadtrat halten wollen? "Es gibt durchaus Bürger, die sehen ihre Rechte durch die AfD vertreten und zum Teil ist die Wut der Leute ja auch verständlich. Eine sture Verweigerungshaltung macht da im Sinne der Menschen und der Stadt wenig Sinn." T. Piontkowski