Bitex kämpft unverdrossen für "Tex"

Reichenbach - Trotz ungeheueren Zuspruchs hat die Bitex (Bürgerinititative zum Erhalt des Hochschulstandortes Reichenbach) ihr angestrebtes Ziel bisher verfehlt: "Die Staatsregierung in Dresden bleibt bei ihrem Kurs, Studienkapazitäten in der Neuberinstadt wegzusparen."

Das sagt Bitex-Chef Wolfgang Horlbeck. Die Schließung des Hochschulteils geschieht nach seiner Ansicht auf Kosten der Stadt, die seit mehr als 165 Jahren von der Textilfachschule ("Tex") geprägt ist und mit ihr einen Pfeiler der städtischen Wirtschaft verlöre.

Diese Entwicklung verfolgen die fast 4000 Mitstreiter der Bitex mit traurigem und dennoch wachem Auge. Im zu Ende gehenden Jahr haben sie erneut Briefe an Ministerpräsident Tillich und Finanzminister Unland geschrieben. Auf eine Antwort warten sie bis heute. Auch Bundesbildungsministerin Wanka, Bundestagsmitglied Ernst-Dieter Rossmann, Bauhausdirektor Osvalt und Institutionen wie die Hochschulrektorenkonferenz und das Sächsische Amt für Denkmalpflege wurden zum Anliegen der Bitex angesprochen. Alles ohne nennenswerten Erfolg.

Wolfgang Horlbeck ärgert sich. dass die Staatsregierung auf die mehrfach gestellte Forderung, die angebliche Wirtschaftlichkeit des Schließungsbeschlusses offen zu legen, nicht eingegangen sei. Und Konzepte, wie das in Reichenbach vorhandene Bildungspotential in Zukunft genutzt werden könnte, gebe es auch nicht.

Dass die Forderungen der Bitex vielen Reichenbachern und Vogtländern aus dem Herzen sprechen, zeigt die ständig wachsende Mitgliederzahl. Die liegt mittlerweile bei fast 4000. Damit ist die Bitex die größte Bürgerinitiative Sachsens und eigentlich nicht mehr zu ignorieren. Im Juni wurde sie dafür mit dem Bürgerpreis 2013 der Stadt Reichenbach geehrt, und im Oktober zum zweiten Mal (ein Novum in Sachsen) für den Sächsischen Bürgerpreis vorgeschlagen.

Auch wenn der Hochschulteil mit seinen Ausbildungsrichtungen Textil- und Ledertechnik sowie Architektur in Reichenbach nicht zu halten ist, wolle die BITex in ihrem Bemühen, Reichenbach als Bildungsstandort zu erhalten, nicht aufgeben, so Horlbeck. Man habe Kontakte eines millionenschweren Bildungsunternehmers nach Dresden vermittelt, Verbindungen zu Textilunternehmen, zu Unternehmen anderer Branchen und zu Bildungseinrichtungen geknüpft, auch über Landesgrenzen hinweg. Bei allen Überlegungen werde aber deutlich: Keine Lösung ist ohne Dresden denkbar. Deshalb werde die Bitex die Verantwortung der Landesregierung für das Reichenbacher Problem weiter einfordern.

Daneben stammt die Initiative zur Ausgestaltung des Kreisverkehrs auf der Klinkhardtstraße von der Bitex. Gemeinsam mit der Stadt veranstaltete die Bitex ein Symposium aus Anlass des 165. Jubiläums der höheren Textilausbildung in Reichenbach. Prominente Vertreter aus Wissenschaft und Wirtschaft, an ihrer Spitze der ehemalige Textilbeauftragte des Freistaates Prof. Rudolph, bescheinigten der Textilbranche in Sachsen dort eine Zukunft. Die Vernichtung von textilen Bildungspotentialen sowie das Wegsparen des international erfolgreichen Modells des Reichenbacher Studio-Prinzips der Architekturausbildung kritisierten sie nachdrücklich.

Für 2014 verspricht Wolfgang Horlbeck im Namen der Bitex: "Wir bleiben dran und präsent." Angesichts bevorstehender Kommunal- und Landtagswahlen werde es sich die Staatsregierung nicht leisten können, die berechtigten Forderungen einer solch starken Bürgerbewegung wie der Bitex Reichenbach unter den Teppich zu kehren, hofft er. ina