Bis die Glocken wieder schwingen. . .

Das Vierer-Geläut der Jakobikirche Oelsnitz auf dem Südturm ist seit Juni 2017 stillgelegt. Glockenschwingungen gefährden die Statik. Zwei Glocken können nicht mehr saniert werden.

Von Renate Wöllner

Oelsnitz - "Anfänglich haben wir gedacht, zwei alte Glocken raus, zwei neue rein. Wo ist das Problem?", erinnert sich der 1. Oelsnitzer Pfarrer, Andreas Schlotterbeck. Das "Problem" wurde deutlich mit dem Schwingungsgutachten vom Ingenieurbüro Dr. Beirow aus Peitz. Die große, vom Stadtrat 1866 gestiftete Glocke - erkennbar an ihrem tiefen, wuchtig hallenden Ton - verursachte Bauschäden an beiden Türmen. "Sie muss in ihrem Läuterhythmus verlangsamt werden", erklärt Schlotterbeck. Er berichtet von einer entscheidenden Kirchenvorstandsitzung mit dem Gutachter und Fachleuten der Landeskirche Anfang Februar, von vielen und schwierigen Anforderungen bis hin zu einer neuen Läuteordnung. Die nun gefundene Lösung sei ein komplett neues Dreiergeläut zusätzlich zu den beiden verbleibenden Glocken. Neben der "Stadtratsglocke" gehört zu ihnen auch der kleine "Glockenfindling" unbekannter Herkunft aus dem 12. Jahrhundert, der weiterhin zu besonderen Anlässen geläutet werden soll. Ihm sei auch künftig eine Sonderrolle zum Beispiel bei Taufen und Hochzeiten zugedacht. Ausgedient haben die zwei Eisenhartguss-Glocken aus den 1950er Jahren. Mit ihnen hatte die Gemeinde 1957 das infolge von Kriegsabgaben dezimierte Geläut wieder aufgestockt.
Die drei neuen Glocken müssen um 90 Grad gedreht zur bisherigen Läuterichtung schwingen. Sie sollen einen eigenen Glockenstuhl bekommen, der über dem alten, handwerklich wertvollen Vorgänger angeordnet wird. Über ihm sichtbar sind große Durchbrüche in der Zwischendecke zur Glockenstube - verursacht werden sie vom Schwammbefall. Eine neue Decke muss nach der Sanierung des Schädlings eingezogen werden, bevor die Arbeiten am Geläut beginnen können. Fördermittelanträge seien auf den Weg gebracht. Im Kontakt stehe man mit Bundestagabgeordneter Yvonne Magwas und Landtagsabgeordnetem Andreas Heinz, beide CDU, von denen Unterstützung komme. Erleichtert ist der Pfarrer, dass es bei der Kostenschätzung von rund 350 000 Euro geblieben ist. Die Gemeinde spare seit längerer Zeit und könne zudem mit einem größeren Zuschuss der Landeskirche rechnen. Der Spendenstand ist auf 110 450 Euro gewachsen. Dazu trug das Benefizkonzert im Dezember bei, aus dem Familie Hertel 2 890, 64 Euro als Spende überwies. 
"Wenn alles gut geht, können wir im Herbst anfangen zu bauen", sagt Schlotterbeck. Für die Arbeiten müssen sämtliche Glocken abgeseilt werden. Ein solches aufwändiges Schauspiel hat die Stadt zuletzt 1957 erlebt beim Aufziehen der Hartgussglocken. Dazu muss der Südturm an einer Stelle geöffnet werden, wo bereits damals die Glocken in den Turm hineingewuchtet wurden. 
Unter dem Einfluss der Glockenschwingungen hatten sich schon im vergangenen Jahrhundert beide Turmspitzen 40 Zentimeter schräg gestellt und wurden 1939 und 1941 in atemberaubenden Aktionen wieder aufgerichtet. Dabei wurden auch je vier kleine Filialtürme auf den beiden Umgängen abgebaut, da sie baufällig waren. "Niemand konnte sich damals die Ursache erklären, heute können wir es mit großer Sicherheit auf die Glockenschwingungen zurückführen", so Pfarrer Schlotterbeck. Geplant ist, dass die erneuerte Glockenanlage zum Landeserntedankfest 2020 fertig ist. .
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Spendenkonto der Jakobi-Gemeinde für die Glocken: 
Sparkasse Vogtland, IBAN: DE28 8705 8000 3705 0008 36.