Bio-Geflügel muss länger leben

Mechelgrün - "Kommt man ins beschauliche Mechelgrün, wird man eigentlich auf den ersten Blick mit viel Natur, Tieren und frischer Landluft konfrontiert. Dazu trägt auch der Bauernhof der Familie Bartsch bei. Auf rund 20 Hektar Land haben Gänse, Enten, Fleischhähnchen, Puten, Hasen, Legehennen, Schweine und Angusrinder ausreichend Platz, gemeinsam aufzuwachsen und, weil es so heimisch ist, auch Nachkommen zu zeugen. Doch auch hier macht das Verwaltungswesen nicht Halt. Weil sich Volkmar und seine Frau Elvira 2001 entschlossen haben, mit der Firma "Vogtländisches Bauerngeflügel Bio-Geflügelaufzucht" Nutztiere rein ökologisch auf ihrem Hof in Mechelgrün zu beherbergen und zu vertreiben, ist das Büro des Inhabers Volkmar Bartsch voller Aktenordner.

"Durch das Bio-Siegel unseres Geflügelhofs muss alles ordentlich abgeheftet werden, denn kontrolliert wird immer ganz genau", so der "Vater" von weit über 2000 Tieren auf dem Hof. Die nächste Kontrolle der Bioqualität steht mit dem Besuch der Öko-Kontrollstelle aus Jena ins Haus und "Gäa", der Anbauverband und Öko-Zertifizierer, prüft und zertifiziert Hof, Tier und Futter, jedes Jahr aufs Neue. "Würde eine Rechnung oder ein Lieferschein fehlen, gäbe es Probleme und unser Bio-Siegel wäre in Gefahr", erklärt Bartsch das Bürokratie-Gewühl im Landidyll.

Der Ursprung des Bio-Bauernhofes nimmt seinen Anfang im Jahre 1986 mit der Übernahme des großelterlichen Anwesens in Mechelgrün. "Der Platz war da und meine Großeltern hatten immer ein paar Tiere, um sich herum, die gleichzeitig den Eigenbedarf an Fleisch und Wurst deckten. Das führten wir einfach weiter. Ganz natürlich, so wie es früher gemacht wurde. Ohne irgendwelche Hilfsstoffe, die die Tiere nur allzu schnell groß und fett werden lassen."

Naturgemäße Tieraufzucht findet man also noch heute auf dem Bauernhof, die Zahl der Tiere ist nur im Laufe der Jahre auf mehr als 2000 angestiegen, die dann nach der Schlachtung zum Verkauf stehen. Als "gewerbliche Vermarktung des Schweins", wie es fachlich richtig heißt, gibt es einmal im Monat im hofeigenen Kaufladen frisch geschlachtete Fleisch- und Wurstwaren. "Jörg Schneider aus Ellefeld, seit vielen Jahren unser befreundeter Fleischer, hilft dabei. Bis nach Hamburg liefern wir unsere Waren", sagt der Bauernhofinhaber stolz.

Auf dem Bartsch-Hof in Mechelgrün lebt und wächst alles durch die Hand der Mitglieder der Familie. Vier der fünf Kinder leben mit auf den Gehöft und alle kommen zusammen und helfen mit, wenn die Ernte des eigens angebauten Getreides ansteht. Mit eigenem Traktor, Mähdrescher und eigener Presse wird dann die Ernte eingefahren, das Futter für mehrere Wochen der Tiere gesichert. Ländliches Idyll mit Erfolg: "In der Landwirtschaft spüren wir keine Krise. Gegessen wird immer", so Bartsch. Bis zu Schlachtung haben die Tiere jedoch ein glückliches Leben. Rudi, der Eber, kann mit seinen zwei Sauen täglich im Dreck wühlen, gleich nebenan die Gänse und Enten Landluft schnuppern und frisches Gras fressen. So werden die Tiere ganz natürlich groß. "Bio ist zwar teurer als konventionelles Fleisch, aber wir schmecken auch den Unterschied" so Bartsch. Den höheren Preis für Bioprodukte erklärt der Landwirt so: "Fleischhähnchen halten wir 65 Tage, bevor sie verkauft werden. Bei konventioneller Haltung reicht ein Monat aus, dann verlangsamt sich das Wachstum und die Tiere kommen zum Metzger. Bei Bio geht das nicht", weiß Bartsch. Die Biorichtlinien verlangen, ein Auswachsen des Tieres, und um einiges mehr. Das bedeutet aber auch, dass die Tiere länger an der frischen Luft sind, entspannt aufwachsen und gutes Futter vorgesetzt bekommen.

Triticale (eine Züchtung aus Roggen, Gerste und Weizen), zusätlich Gerste und Weizen, frisches Gras sowie biologisches Starterfutter für die Jungtiere fressen die Tiere täglich. Da das Futter in keiner Art und Weise gespritzt ist, ist die Ausfallquote höher, die Ernte also niedriger. "Nun müssen wir aber sozusagen doppelt so lange füttern, pflegen und den Platz zur Verfügung stellen, als bei nicht Bio-Höfen. Daraus ergibt sich der höhere Preis."

An den Auslauf, der den Tieren großzügig zur Verfügung steht, gewöhnen sich die Tiere auch. Selbst beim Regen der letzten Tage gefällt es zum Beispiel den Gänsen draußen wohl so gut, dass Ehefrau Elvira Bartsch die Tiere ins Trockene eintreiben musste. "Die haben eben auch ihren eigenen Willen, aber ohne Tiere könnten und wollen wir hier auf dem Land nicht mehr sein." Umgeben von unzähligen Tieren machen drei Bernhardiner-Wachhunde den Bauernhof perfekt - bis zu dem Zeitpunkt, wenn sich die Enkelkinder vom nächsten tierischen Nachwuchs nicht mehr trennen können. Es ist immer was los auf dem Bauernhof. Der nächste Termin für den Verkauf des Bio-Schlachtgutes im Hausladen in Mechelgrün findet am Freitag, 3. Juli, ab 8 Uhr, statt.     niseki