"Bin im Grunde der Junge von damals"

Günther Fischer gilt als einer der bedeutendsten Komponisten von Filmmusik in Deutschland und einer, der mittlerweile im internationalen Geschäft "dicke" dasteht. Was Wunder, dass der Künstler den Lebensmittelpunkt im irischen Cork gewählt hat. Der sei, so Fischer, nah an Großbritannien, den USA und den Aufträgen.

 

Für über 250 Kino- und Fernsehstreifen (dazu gehören auch Serien wie "Der letzte Zeuge" oder "Lehrer Doktor Specht) lieferte der in Teplice geborene und in Plauen aufgewachsene Günther Fischer mittlerweile die Melodien und Arrangements. Gerade arbeitet Fischer mit Armin Müller-Stahl an einem neuen Musikprojekt.

Doch bleibt stets auch Zeit, Livemusik darzubieten, wieder mal in Plauen zu gastieren, wie am Freitagabend im Vogtland-theater. Fischer weilt gern hier, sagt er, ob zum Spitzenfest oder zu solch einem Konzert. Fischer fand auch Gelegenheit, durch seine Heimatstadt zu streifen und seinen Gedanken über die Jugendzeit freien Lauf zu lassen. "Ich gebe gern zu, ich bin immer noch der Junge von damals." Fischer taucht aus der Garderobe auf, beginnt sogleich zwanglos das Gespräch. Man glaubt ihm das Gesagte, trotz ergrauter Haare, dem väterlichen Blick über die Brille und den nicht mehr ganz so jugendlich wirkenden Gesten und Bewegungen. Mit dem "Jungen" meint er die Sicht auf die Dinge, den Humor, die erhalten gebliebene Unbekümmertheit der früheren Jahre. "Ach was, von wegen älter und weiser. Man bleibt doch, wer man ist und will gar nicht einsehen, dass das alles so lange schon her ist", philosophiert er.

Da schneit ein anderer älterer Herr ins Foyer: "Na, erkennste mich gar nicht?" Klar, Fischer erkennt ihn, den Burschen aus der Gustav-Freitag-Straße. Damals in Haselbrunn war es. Dieter Sterl heißt er, hat sich extra ins Theater begeben und vorab dem berühmten Jugendfreund geschrieben, ihm ein paar Schwarz-Weiß-Bilder gesendet. Hin und her wogen die Erinnerungen. Die Rückertschule. Chor. Die Mädchen, die man kriegen wollte. Die Telefonnummern sind zwischen Sterl und Fischer schnell ausgetauscht. "In Haselbrunn habe ich meine schönste Zeit gehabt. Streiche inklusive. Mal haben wir bald den nahen Wald beim Kokeln abgebrannt", gesteht Fischer mit schelmischem Blick.

Schelmig, froh und leger bleibt Fischer auch abends auf der Bühne. Wie zu Hause fühlt es sich an. Und den Besuchern ruft er zu, weil der große Saal nicht ausverkauft ist: "Auf der Autobahn war mehr los wie hier im Saal." (Knapp 200 Fans kamen.) "Doch wir machen es uns auch so gemütlich", feixt er und erntet Beifallszustimmung. Seine Band arbeitet locker und entspannt mit.

 

Sein langjähriger Kollege und Weggefährte Wolfgang (Zicke) Schneider streichelt, schlägt und zaubert an den Drums, Detlef Bielke spielt Piano, Tom Götze zupft und schlägt den Bass und Youngster Rüdiger Krause steht an der Gitarre. Heimspiel Plauen. Fischer bläst sein Saxofon souverän. Jeder Ton sitzt, die Soli - locker, federleicht, die Melodien ausgewogen, einprägsam. Im schicken Anzug wirkt er etwas wie der Mann von der Tagesschau, aber im Reden und Spielen ist er der weiser gewordene und doch jung gebliebene Junge aus Haselbrunn. Der Abend wird zur musikalischen Zeitreise - wie wenn man um den Küchentisch sitzt und die alten Nummern noch mal hört. Aus Plauen zog Günther Fischer mit 16 fort, nach Zwickau erst, um Musik zu studieren, dann nach Berlin und dann in die weite Welt, die richtig weit nach der Wende wurde.

Plauen. Die Abreise naht. Fischer hat seinen Koffer schon wieder im Auto verstaut. Die nächste Aufgabe wartet. In Berlin. "Ich werde wieder mit Andreas Dresen arbeiten." (Dresen drehte u.a. "Sommer vorm Balkon", "Halbe Treppe"). 2009 lieferte Fischer für den Regisseur die Musik zu dessen Streifen "Whisky mit Wodka". Nun geht es wieder ans Komponieren. "Oft bin ich in der Schweiz oder in München oder Berlin, wenn ich nicht in den USA weile." Fischer hält inne. "Ich fahre immer wenn ich an Plauen vorbeikomme von der Autobahn runter. Dann suche ich die alten Gassen und Straßen auf und verweile gern in Plauen." va