Billiger Sex zu einem unwürdigen Preis

Letzte Woche in Tschechien: Nur mal kurz Zigaretten holen, Tanken, mal kurz ins Kaufland in Cheb. Auf dem Parkplatz hält ein Auto, eine junge Frau wird herausgeworfen, das Auto rast davon.

 

Die junge Frau ist bewusstlos, wurde übel zugerichtet. Als sie zu sich kommt schreit sie panisch nach ihrem Kind. Wo ist es? Entführt? Der gerufene Rettungswagen kommt, aber der Notarzt nimmt die Angelegenheit nicht ernst. "Betrunken", ist sein Kommentar. Die Polizei trifft ein. Auch ihnen scheint die Sache recht egal zu sein, nichts ungewöhnliches eben. Sie nehmen die junge Frau mit, Auskunft geben sie keine mehr. Was ist passiert? Die Spur führt ins böhmische Rotlichtmilieu?..

Nightclub. Nonstop. Damit werben die Bordelle in Tschechien. Rund 80 gibt es allein in der Region As/Cheb. Riesige Schilder entlang der Straße weißen überall darauf hin. Viele fahren daran vorbei, werfen argwöhnische Blicke. Aber viele deutsche Männer nutzen den "billigen Sex". Sex zum Discountpreis?

Die wenigsten Bewohner der Grenzregion Deutschland/ Tschechien sind sich bewusst, dass man hier überall Zeuge "modernen Menschenhandels" werden kann. Junge Frauen, Kinder (!), selbst schwangere Frauen. Sie kommen großteils aus Osteuropa, aber auch aus Süd- und Mittelamerika. Fast alle werden gegen ihren Willen festgehalten, unter Drogen gesetzt und zur Prostitution gezwungen.

Der "Kunde" soll davon natürlich nicht viel mitbekommen, wer will denn schon Gewissensbisse? Er kann für sein Geld fast alles bekommen, nichts scheint unmöglich, die Perversion kennt keine Grenzen. Die "Kunden" fahren nicht selten mehrere hundert Kilometer. Für die jungen Frauen aus Tschechien alles andere als ein Vergnügen. Sex mit einem Mann nach dem anderen, schwere Misshandlungen und Gewalt. Sie tun es aus Angst vor den Zuhältern, die sie auf brutalste Weise "gefügig" machen. Selbst Kindesentführungen sind eher die Regel als die Ausnahme.

Richtet der "Freier" seine Aufmerksamkeit jedoch zur Abwechslung nicht nur auf die knapp bekleideten Damen, sollte ihm so einiges auffallen. Die misstrauischen Blicke der Zuhälter, junge Frauen, die mit dem Leben fast abgeschlossen haben, ständige Überwachung, Drogen und nicht selten Kamera überwachte Zimmer. Vielleicht ist der "Freier" ja schon bald Hauptdarsteller in seinem eigenen Internetporno?

Fakt ist: Wer einen solchen Nachtclub betritt, steckt mitten drin in den Geschäften der Mafia. Prostitution, Drogenhandel, Gewalt. Die jungen Frauen werden gehandelt wie ein Stück Fleisch an der Theke im Supermarkt. Sie haben keine Privatsphäre, keine Papiere, können nicht weg. Die Bordelle sind gesichert wie Gefängnisse, das Leben darin ist noch viel perverser.

Vereinzelt gibt es Organisationen die helfen. Hauptsächlich ehrenamtlich. So zum Beispiel der Verein KARO in Plauen. Einige Menschen die nicht wegsehen sondern helfen. Sie leisten Aufklärungsarbeit, gehen gezielt auf Prostituierte zu, helfen wo es möglich ist bei Ausstieg und Wiedereingliederung. Infos oder Spenden unter www.KARO-ev.de. Oft können aber auch sie nur Trost spenden und Tränen trocknen. Zu wenige Möglichkeiten gibt es, gesetzlich gegen diesen Sumpf des Verbrechens vorzugehen, dafür umso mehr Korruption. Und immer neue Frauen kommen nach, gehandelt wie Sklaven. Zum Verzweifeln, wie der "Kampf gegen Windmühlen".

Wirklich helfen könnte nur ein Umdenken bei den "Freiern". Sie müssen sich bewusst werden, was sie da eigentlich tun, was sie anderen Menschen antun. Es ist nichts anderes als Vergewaltigung, häufig in Kombination mit brutalen Gewaltverbrechen. Und mit ihrem Geld wächst dieser Sumpf aus Drogen, Gewalt, Prostitution und Menschenhandel unaufhörlich weiter. Aber wen interessiert das schon? Solange er nicht bis in die sauberen Vorgärten zu Hause schwappt, wo man gemütlich mit der Familie sitzt und natürlich nicht erwähnt wie das Meeting letzte Nacht wirklich aussah. -as