Bildungsträger und "Geburtenknick"

Wie sieht die Stickereitechnologie des Zukunftsmarktes technische Textilien aus? Dieser Frage widmet sich ein Projekt des Bundesforschungsministeriums unter dem Titel "HighSTICK". Zu den Beteiligten gehört neben 17 Stickereiunternehmen der Region, sieben Forschungseinrichtungen und zwei Bildungsträgern auch die Fördergesellschaft für berufliche Bildung Plauen-Vogtland. "Wir entwickeln hierfür die erforderlichen Lehrmodule", erfuhr unsere Zeitung von Geschäftsführerin Annett Schmidt. Die Frau ist seit 20 Jahren in der Firma und steht seit 1996 dem Bildungsträger als Geschäftsführerin mit Hauptsitz unterhalb der Friedensbrücke vor.

Ziel des Ganzen sei eine Kooperation von Firmen im Rahmen des Wachstumskerns "HighSTICK" und das Finden neuer Absatzmärkte mit neuen Produkten. Technische Textilien seien als Innovation ein viel versprechender, neuer Markt. So finde sich technische Stickerei in der Medizin, beispielsweise in Prothesen. Aber auch bei der Gebäudesanierung würden solche neuartigen Produkte eingesetzt.

Der Plauener Bildungsträger beschäftigt sich dabei mit den Fragen: Was muss für diese neuen Einsatzgebiete der Stickerei bei der Erstausbildung junger Menschen getan werden? Wie wird das Ganze didaktisch aufgebaut? Ebenso sind die Meisterausbildung und auch die Weiterbildung der Mitarbeiter den Erfordernissen dieser neuen Produkte anzupassen. "Die von uns zu entwickelnden Lernmodule fließen dann in die künftig durchgeführten Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen ein", ergänzte die Gesprächspartnerin.

Ansonsten steht die Fördergesellschaft wirtschaftlich auf mehreren Beinen. A und O ist die Ausbildung benachteiligter Menschen, insbesondere jüngerer, die von Arbeitsagentur und den beiden Argen der Region vermittelt werden. Feststeht dabei: "Der Geburtenknick ist in der Berufsausbildung angekommen", stellt die Fachfrau klar. Insgesamt 550 Teilnehmer an den verschiedenen Maßnahmen wurden im letzten Jahr gezählt. Das Unternehmen bildet derzeit ein Drittel weniger Jugendliche aus. Denn neben der sinkenden Zahl von jungen Leuten fänden auch immer mehr Lehrlinge einen Ausbildungsplatz auf dem ersten Arbeitsmarkt.

Diesen negativen Bevölkerungstrend bekommen vor allem die Berufsbildungszentren und die Berufsfachschule für Diätetik zu spüren. Das Ausbildungsspektrum des Hauses reicht von Textil/Bekleidung über Handel/Gastronomie bis hin zu Metall/Elektro sowie Diätetik und kaufmännischer Lehre.

Einen Zuwachs wusste Frau Schmidt bei der Zahl junger Leute in Verbundausbildung für regionale Firmen festzustellen. So wird hier die überbetriebliche Ausbildung für den Metall-, Textil- und Elektrobereich verstärkt angeboten. Und einen Anstieg an Weiterbildungsbedarf sei durch die wachsende Kurzarbeit zu erwarten. Hatte doch der Gesetzgeber mit finanzieller Unterstützung bei der Weiterbildung der Mitarbeiter während der Kurzarbeit geworben. Und hier werden sich die Plauener einbringen. Das Ganze sei in der Konzeption, so die Gesprächspartnerin.

Die Mitarbeiter, 85 an der Zahl - und die Lehrlinge sind hauptsächlich in den Räumen an der Dobenaustraße untergebracht. Hinzukommen die Standorte auf dem Gelände der Alten Wema an der Stresemannstraße, in dem auch die Berufsfachschule für Diätetik zu finden ist.

Weiterhin gibt es das Lehrhotel an der Auenstraße. Hier nächtigten im letzten Jahr 32 000 Frauen und Männer. "Das ist in Plauen noch immer die erste Adresse bei der Unterbringung für Azubis!", freute sich Frau Schmidt. Den weitesten Weg hatte im letzten Jahr ein Übernachtungsgast aus Mexiko. Und auch er konnte erleben, wie die Lehrlinge ihr erlerntes Wissen bei ihren Kunden im Lehrhotel anwandten, egal ob als künftiger Koch oder im Servicebereich. Die Fachfrau sieht das als einen gewollten Synergieeffekt an.

Ebenfalls zur Fördergesellschaft gehört die Volkshochschule in der Südvorstadt. 4079 Vogtländer belegten im letzten Jahr 377 Kurse der Einrichtung. Dabei waren Sprachen wiederum der große Renner.

"Mit 9000 bis 10 000 Unterrichtsstunden haben wir eine stabile Zahl in den letzten Jahren erreicht", ergänzte die Geschäftsführerin der Fördergesellschaft, die anfänglich eine der jüngsten und eine der wenigen Frauen auf einem solchen Posten war. Heute sei sie aus der Branche nicht mehr wegzudenken, unterstrich Annett Schmidt.