Bildungsprojekt in der Hufeland-Mittelschule Plauen

Plauen - Etwa fünf Prozent der Mittelschüler haben im vergangenen Jahr 2007/2008 in Sachsen die Schule ohne Abschluss verlassen. Mit dem Projekt ,,Produktives Lernen" soll diese Zahl reduziert und mehr Schülern zu einem Abschluss verholfen werden.

 

Ein alternativer Lernweg ist dies vor allem für abschlussgefährdete Schüler, die Bereitschaft zu einem Neuanfang und Interesse an dieser Form des Lernens mitbringen. Hauptschulabschluss, Quali oder sogar der Realschulabschluss seien am Ende als Ziel durchaus denkbar.

An drei Tagen in der Woche findet das Praktikum im jeweiligen Betrieb statt. Zwei Tage hingegen wird Unterricht beispielsweise in Mathematik, Englisch, Naturwissenschaften, Gesellschaftswissenschaften und Kommunikation gehalten. Dringend wird im Moment noch ein Lehrer gesucht. Wichtig wäre dem Team vor allem männliche Verstärkung, denn auch die Jungs wollen auf ihre Art den Rücken gestärkt bekommen. Am Freitagabend erhielten 15 Schülerinnen und Schüler ihre Aufnahmeurkunden in der Friedrich-Engels-Straße. Dort wurden Unterrichtsräume mit viel Eigenleistung errichtet, in denen zukünftig fleißig gelernt wird.

Simone Heilmann, Schulleiterin der Hufeland-Mittelschule und damit der Schule, die quasi den Hut aufhat, sieht es als Möglichkeit für die jungen Menschen, über diesen Umweg ans Ziel zu kommen. Von Anfang an habe sie das Potential das Projekts gesehen, auch wenn es in der Friedenschule vorher bereits gescheitert war. Eine Menge Zeit und Energie steckte sie in die Umsetzung und erhielt zu Recht ein Dankeschön in Form von Blumen für ihr Engagement. Den Abend und das vorbereitete Buffet gestalteten die Schüler mit Hilfe ihrer Eltern selbst. Fotos und eine PowerPointPräsentationen wurden vorbereitet, die Bibliothek und Lernwerkstatt konnten besichtigt werden.

 

Die Erleichterung war einigen Eltern anzusehen, ihre Tochter oder den Sohn endlich auf den "richtigen" Weg gebracht zu haben. Wirklich überzeugt sind die 14 bis17-Jährigen, diesmal bis zum Abschluss "durchzuziehen". So auch Saskia Merkel (17) und Michelle Stark. Beide möchten Erzieherin werden, haben aber bisher die Schule als nicht wirklich wichtig gesehen. Weit entfernt sahen sie sich von der Möglichkeit einen Abschluss zu machen, bis zum ,,Produktiven Lernen". Während Saskia von ihren Lehrern angesprochen wurde, kam die rettende Idee bei Michelle von ihrer Mutter. Auch Lehrerin Bärbel Schönknecht weiß, das ist für alle die letzte Chance. Begeistert und wirklich überzeugt ist sie von dem Projekt, von dem sie durch Zufall las und gleich Feuer und Flamme war. "Wir haben viele Freiheiten bei der Unterrichtsgestaltung.

Natürlich gibt es grobe Richtlinien, aber hier kann sich um den Einzelnen gekümmert werden. Jeder wird gehört und bekommt die Möglichkeit, sich mit seinen Fähigkeiten zu entwickeln", weiß sie. Beeindruckt ist Schönknecht, wie gut die Klasse schon zusammen gewachsen ist. Große Blätter mit Regeln wurden selbst erstellt, was die Einhaltung erleichtern wird.

So werden sich hoffentlich in den nächsten Jahren Persönlichkeiten entwickeln, die zwar auf anderem Weg, doch dafür ihren Neigungen entsprechend lernen. S. Rössel