Bildgewaltiger Ritt durch die Geschichte

Einem Zeremonienmeister gleich inszenierte Dr. Holger Weiss den bildgewaltigen Ritt durch 700 Jahre Landwüster Geschichte. Unterstützt haben ihn dabei die Zwerge der Kita "Wirtsbergwichtel" und viele Helfer aus dem Ort. Am Ende gab es Standing Ovationen und einen sichtlich gerührten Autor.

Von Marlies Dähn

Landwüst - Landwüst feiert. Das Örtchen am Wirtsberg ist Freitagabend mit Fahrzeugen zugeparkt. Ein Menschenstrom füllt die Kulturtenne. Nach Grußworten, Festreden, Eröffnungzeremoniell und einem fröhlichen Auftritt der Kinder-Trachtengruppe unter Anleitung von Antje Wilfert ist die Bühne frei für die Landwüster Wirtsbergwichtel. Viel braucht es nicht, um eine lustige Dorfgeschichte um 1860 wirkungsvoll in Szene zu setzen. Mini-Tisch und vier Stühle drumherum mit zwergenkleinen Bierhumpen und einem hölzernen Weinfass als Kulisse werden zu Seilers Schankwirtschaft. Eine bunte Hühnerschar gackert, ein feuerroter Handwagen mit Rundumleuchte wird zum Feuerwehr-Löschgefährt, beherzt aufspielende Schauspieler und ein famoser junger Geschichtenerzähler, der geschickt die Handlungsfäden in Händen hält, machen die Szenerie komplett.
Aus einer Schnapslaune heraus ist die Geschichte geboren. Die Gürther, die mit den Landwüstern quasi eine "Feuerwehrehe" geschlossen haben, wollen testen, wie die funktioniert und schicken einen "Feuermelder" gen Landwüst. Die Wehr macht mobil und eilt, die Feuerwehrspritze im Schlepptau, bergab. Groß ist die Verärgerung, als das Feuer fehlt. Gelöscht wird trotzdem kräftig. Und das feucht fröhliche Trinkgelage stimmt versöhnlich. Anzeige und Bußgeld folgen dennoch wegen groben Unfugs, weiß der Geschichtenerzähler zu berichten. Köstlich amüsiert folgte das Publikum der Handlung. Die Wirtsbergwichtel spielten beherzt und frei auf, wie die Profis und überzeugten charmant auch in Mundart. Aufgeschrieben für das Fest hat das Stück Dr. Holger Weiss. Mit wahrlichem Feuereifer gingen die Wirtsbergwichtel samt Mutti, Vatis als Kostüm- und Kulissenbauer und mit ihren Erzieherinnen der Kita an die Umsetzung und bekamen verdient herzlichen Beifall.
Nach einer kurzen Umbaupause nahm Dr. Holger Weiss dann die Landwüster und Gäste, darunter auch Landrat Rolf Keil, Helmut Meißner als Chef der Kultur GmbH, Museumsleiterin Dr.Uta Karrer und Stellvertreterin Ina Skerswetat mit auf einen virtuellen Spaziergang durch 700 Jahre Landwüst. Für das mit kurzen Unterbrechungen gut zweistündige Werk durchforstete der Landwüster Archive, stöberte Aufzeichnungen auf, verarbeitete Geschichten und Fotos der Landwüster und erweckte geschichtsträchtige Epochen von der Heuschreckenplage, von Unwettern, Kriegen, Hungersnot und wundersamen Begebenheiten auf der Videoleinwand zum Leben. 
Bienen summten, Kriegsgeschrei erklang, eine Heilige zwinkerte und aus dem Tabak-Pfeifchen stieg tatsächlich Rauch auf. Erzählt wurde die Geschichte, wie der Ochse Zeus zum illegalen Grenzübertritt gebracht wurde. Köstlich dabei auch die gespielte Szene vom "Verwandtschaftsbesuch" im Gasthof Dürrengrün, von wo aus reger Pascherhandel blühte. Der "Zwickerwast'l" taucht in filmischen Szenen auf, Goethe spricht tatsächlich zum Publikum und auch Thomas Müntzer hat ein paar Worte zu sagen. Geheime Gänge oder das mit Arsen verseuchte "Giftloch" wecken Neugier. . . 
Sturzbäche eines Unwetters von 1935 reißen tiefe Gräben ins Dorf, Moosmaa und "Scheißdreck-Pumpenlied" sorgen für Lacher und nicht unerwähnt bleibt der ungeheuerliche Vorfall, als Pfarrer Zaumseils Frau im silbernen Golf die Hausecke von Bürgermeisterin Sabine Badur wegfegte und  die ansonsten doch recht resolute Person damit komplett aus der Fassung brachte, so dass sie gar eine Verschwörung vermutete.
Auf fröhlichen bewegten Bildern vom Festumzug zur 675 Jahr Feier erkannte sich so mancher Landwüster kaum wieder und dann waren die 700 Jahre auch schon rum. Für den mit allen technischen Raffinessen und passenden Klängen untermalten Vortrag gab es stehende Ovationen, einen mit lieben Aufmerksamkeiten gefüllten Präsentkorb und einen sichtlich gerührten Autor. Der bedankte sich mit einem Abspann. Dazu rührte eine unsichtbare Hand mehrere Zutaten zusammen, wie Toleranz, gute Nachbarschaft, Freude und Kinderlachen. Heraus kam am Ende ein Eierkuchen. "Friede, Freude Eierkuchen soll also die Zukunft verheißen", merkte Dr. Weiss an, dessen Erleichterung und Freude über den gelungenen Abend schon am nächsten Tag überschattet wurde durch einen Todesfall in der Familie. . .