Bilder gegen das Vergessen

Immer wieder führt Manfred Feiler mit Freunden und Bekannten Gespräche über die Nazi-Zeit, den Zweiten Weltkrieg und die Judenverfolgung. Und er will auch darüber sprechen. "Ich kann es einfach nicht ertragen, wenn jemand sagt, das sei doch jetzt alles lange her und es müsse doch endlich mal vergessen sein", wettert der 86-Jährige, der den Russland-Feldzug miterlebt hat, an der Front schwer verwundet wurde. Die jüngere Generation könne natürlich nicht für das Schlimme, das die Deutschen der Welt angetan haben, verantwortlich gemacht werden. Aber alle trügen Verantwortung, dafür zu sorgen, dass es in Erinnerung bleibt.

"Das können wir nie wieder gut machen. Das darf nie vergessen werden", fordert er. Feiler sieht sich als einer der letzten Zeitzeugen, die die Nazi-Zeit als Erwachsene miterlebt haben. "Das ist für mich Verantwortung und Verpflichtung, gerade mit jungen Leuten immer wieder darüber zu sprechen", sagt Feiler, der ausdrücklich seine Bereitschaft bekundet, Schulklassen zu besuchen, um über die Vergangenheit zu sprechen. Erlebnisse, die noch heute sein Leben beeinflussen.

Der Künstler berichtet von Albträumen, die ihn nachts schweißgebadet aus dem Schlaf reißen: "Was ich im Krieg erlitten habe, erlebe ich dann noch einmal. Ich muss mich einfach immer wieder damit beschäftigen." Feiler tut dies mit seinen Bildern, von denen viele lange unveröffentlicht blieben.

Vor diesem Hintergrund will Feiler das Gemälde verstanden wissen. Dabei sind die schrecklichen Erlebnisse nicht mit aller Brutalität wiedergegeben. Er wolle nur andeuten und so zum Nachdenken anregen, sagt Feiler. Bilder gegen das Vergessen sind so entstanden. Er hat sich dafür entschieden, keine bestimmte Szene zu zeigen. Mehreres, was er erlebt hat, ist dargestellt. Der Betrachter entscheidet selbst, was er erkennt. Marschierende Soldaten im so genannten "geordneten Rückzug", wie es daheim im Reich aus den Radiogeräten dröhnte, sind zu sehen.

Feiler: "Es war einfach nur Chaos, alle wollten nur heim, sonst nichts." Auf dem Bild zu erkennen sind Juden, die zum Abtransport in die Vernichtungslager zusammengetrieben wurden. Die Gestalt im Vordergrund kann ein Soldat sein, aber auch ein Wachposten. Die gelben Judensterne auf den Kleidungsstücken sind angedeutet.

Feiler hat beides erlebt. Im Funkwagen fuhr er vorbei an Soldaten, aber auch an Flüchtlingsströmen. Er hat das Warschauer Ghetto gesehen und die Grausamkeit des Krieges erlebt. "Ich habe fast täglich gesehen, dass geschossen und gestorben wurde. Ich hatte Glück, dass ich nie schießen musste, als Funker nie ein Gewehr in der Hand hatte", erklärt Feiler. Damals, aber auch im Lazarett nach seiner schweren Verwundung tat er das, was er wie kein zweiter kann: Menschen beobachten.

Manfred Feilers Bild ist düster, traurig und hoffnungslos. Erst wenn man genauer hinschaut, erkennt man die vielen Gestalten. Zusammengeballte Menschenmassen. Man sieht die Helme auf den Köpfen der Soldaten und eben auch die gelben Judensterne. Erst einen und dann immer mehr. Und doch gibt es einen Funken Hoffnung, einen hellen Lichteinfall am oberen Ende des Bildes. Daneben zu erahnen eine helle Gestalt, ein höheres Wesen, das seine Hand über alles hält.