Bilanz: Das war das Festival Mitte Europa 2010

Sieben Wochen lang breitete das 19. Festival Mitte Europa mit schönem Erfolg Musik und andere Künste über die Region aus. Nun ging der fränkisch-sächsisch-böhmische Kultursommer spektakulär zu Ende - und auch das Finale in der malerischen Kirche in Netzschkau bei Plauen geriet zum Triumph.

 

Über 400 begeisterte Besucher, darunter hochrangige Vertreter aus Kultur und Politik, erlebten beim ausverkauften Abschlusskonzert das Zigeuner-Ensemble "Romano Stilo". Die Truppe aus der Slowakei besteht aus Absolventen renommierter Konservatorien, die sich um den derzeit prominentesten jungen Violinisten der Tschechischen Republik, Pavel ?porcl, sammeln. Sie spielten russische, ungarische und rumänische Volkslieder und Zigeunermelodien, auch von Pablo de Sarasate (1844 bis 1908). Dabei begeisterte nicht zuletzt Franti?ek Rigo senior am Hackbrett durch sein atemberaubend schnelles Spiel. Vom 12. Juni bis zum 31. Juli 2011 geht das Festival Mitte Europa unter dem Mozart-Motto "Ihr Freunde, kommt alle zum Feste" in die 20. Runde.

Doch zunächst unterhielt sich Torsten Piontkowski mit dem Intendanten des renommierten Festivals, Prof. Thomas Thomaschke über dessen persönliches Fazit der zurück liegenden sieben Wochen.

 

Herr Professor, liegen bereits erste Gesamt-Besucherzahlen vor?

So schnell sind wir leider nicht, aber trotz Fußball-WM und Sommerhitze hatten wir kaum einen Besucherschwund zu verzeichnen. Das Auslastungsniveau dürfte wie im Vorjahr bei 90 Prozent liegen.

Was würden Sie rückblickend als die diesjährigen Höhepunkte bezeichnen?

Ich glaube, das Gesamtprogramm war recht vielfältig und wurde vom Publikum gut angenommen. Es zeichnet das Festival ja gerade aus, dass es sich nicht einseitig präsentiert, sondern unterschiedliche Schwerpunkte setzt - sei es im Bereich der Literatur oder auch den Workshops, von denen momentan ja noch einer stattfindet: der Klavierkurs in Plauen, der in das Festival integriert ist. Wir konnten Stars verpflichten, aber auch junge Künstler. Dem Publikum lange in Erinnerung bleiben werden sicher auch die Auftritte von Nils Mönkemeyer - sowohl als Solist, als auch in der Meisterklasse und gemeinsam mit Camerata Salzburg. Zudem freuen wir uns, dass wir am Abschlusstag in Netzschkau noch den tschechischen Violinisten Pavel Sporcl als einen der Stargäste des 20. Festivals gewinnen konnten.

Lassen sich für das Jubiläumsfestival bereits Erkenntnissse aus dem soeben beendeten gewinnen?

Es hat sich erneut bestätigt, dass Qualität und Vielfältigkeit stimmen müssen, eine Ausgewogenheit zwischen internationalen und regionalen Künstlern gegeben sein muss. Auch die Räumlichkeiten müssen mit der jeweiligen Darbietung harmonisieren. Ich kann beispielsweise keine Barockkirche als Ambiente wählen, wenn der künstlerische Inhalt des Dargebotenen dem entgegensteht. Auch der Anspruch, Industrie und Kultur zusammen zu führen, hat sich als richtig erwiesen. Ein kleines Beispiel: Als das Publikum im Vorjahr erstmals in den Maschinensaal von Goldbeck in Treuen kam, sagten manche "Oh, hier riecht es ja nach Öl?. In diesem Jahr sagten sie: ?Schön, dass es hier nach Öl riecht?. Ähnliche Erfahrungen haben wir in Marktredwitz gemacht. In der dortigen Weberei wurde im Vorjahr die Produktion eingestellt, daraufhin richteten wir in der nicht unbedingt bewundernswerten Maschinenhalle ein Konzert aus. In diesem Jahr wiederholten wir das und es herrschte eine tolle Atmosphäre. Viele waren der Meinung, die Halle weiterhin kulturell zu nutzen.

Die Brücke zu schlagen zwischen Tradition und Moderne scheint durchaus gelungen?

Ja, wir haben gute Erfahrungen gesammelt. Nun kommt es darauf an, neue Impulse zu finden für das Jubiläumsjahr des Festivals. Generell freuen wir uns natürlich, dass das Festival Mitte Europa noch existiert. Es gab ja unmittelbar nach der Wende zahlreiche Aktionen, leider hat kaum eine überlebt. Unser Anspruch, das Festival mit einer innerdeutschen Komponente und einer deutsch-tschechischen Komponente zu versehen, hat offenbar Früchte getragen. Drei Viertel aller Veranstaltungen fanden auch in diesem regionalen Rahmen statt.

Die Zeit rast, sagt der Volksmund. Und so zeichnet sich am Horizont auch schon die Staffelstab-Übergabe an Ihren Sohn Philipp ab...

Akut steht das allerdings noch nicht an. Da haben wir noch eineinhalb Jahr vor uns. Der Vorstand brachte einen entsprechenen Vorschlag ein und zu gegebener Zeit wird man sehen, wie sich das neue Team zusammen setzen wird. Es wird ganz sicher mit jungen Leuten weitergehen. Für das Jubiläumsfestival obliegt noch mir und meiner Frau, Ivana Thomaschke-Vondrakova, die gewissermaßen die tschechische Seite repräsnetiert, die Hauptleitung.