Bike House trotzt Turbulenzen

Matthias Schreiber, Geschäftsführer des Bike House Plauen, registriert einen radikalen Umbau der Weltwirtschaft - und bleibt dennoch optimistisch. Denn "Biken" liegt laut einem Branchenmagazin mit Wachstumsraten um die 10 Prozent ungebrochen im Trend.

Von Marko Wild

Plauen -  Vielerorts sind die Lager leer. Hätte das Bike House vergangenes Jahr nicht frühzeitig für diese Saison bestellt, ginge es ihm jetzt wie anderen, die zu lange damit warteten oder unter dem Schock des ersten Lockdown bereits bestellte Ware in Asien wieder abbestellten. Und die jetzt zum Teil noch sehr lange auf Nachschub werden warten müssen.


Das Lager im Bike House umfasst zwei Stockwerke und ist gut bestückt. "Mal sehen, wie lange noch", sagt Schreiber und versucht, die Großwetterlage in der Branche zu skizzieren: Mit dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 sei das Produktionsniveau weltweit eingebrochen und habe seither nicht wieder den Stand von davor erreicht. Arbeiter wurden in ihre Heimatländer geschickt und durften nicht zurück kehren. Lieferketten seien zum Teil abgerissen. Reedereien mussten dicht machen. Frachtkosten für Schiffscontainer hätten sich im letzten Jahr verdreifacht. Die Lieferungen aus Asien dauerten sehr lange. Weshalb die Branche nun verstärkt auf die schnellere, aber teurere Luftfracht setze, um wenigstens an einer Stellschraube etwas gegensteuern zu können. Derweil kaufe China weltweit reihenweise ganze Häfen auf. "Da passiert gerade ein gewaltiger Umbruch, den wir in Europa total verschlafen", sagt Schreiber. Es sei das ganz große Spiel, das alle betreffe und dessen Auswirkungen man am Ende der Nahrungskette erst später voll erfassen werde.


Gleichzeitig sei im letzten Jahr die Nachfrage nach Rädern gestiegen. Zum Teil massiv. Schreiber nennt eine Größenordnung von 20 bis 50 Prozent. Einerseits, weil die Leute ökologischer unterwegs sein wollten, andererseits, weil ihnen durch die Regierungsverordnungen andere Möglichkeiten gar nicht blieben. Angesichts der gesunkenen Produktion und gestörter Lieferketten ein Dilemma. Die Branchenseite ebike-mtb.com berichtet, dass deutschlandweit Kunden wieder nach Hause geschickt wurden, weil schlicht das begehrte Gut ausverkauft war. Mittlerweile werden zum Teil Wartezeiten von anderthalb Jahren für ein Rad genannt. Früher undenkbar. Für Komponenten machen manche Hersteller überhaupt keine Lieferzusagen mehr. Planen lasse sich damit kaum.


Planen aber muss Schreiber für das Bike House. Denn die Leute stehen nicht erst seit 2020 Schlange. "Oft warten am Montag die, die sich am Wochenende einen Defekt gefahren haben, im Mittelgang von der Werkstatt bis zur Tür", erzählt Schreiber. Denn viele, die ihr Rad vom Bike House haben, hätten die Option "Service" mit dazu gekauft. "Und dann", fährt er fort, "können und wollen wir hier auch gut beraten. Wenn ich sage: geben sie lieber 200 Euro mehr aus, dann haben sie was Gescheites, zum Beispiel beim Akku, oder: für ihre Körpermaße wäre aber vielleicht dieses Modell besser, dann muss ich auch von jedem Modell drei bis vier Größen da stehen haben. Damit der Kunde am Ende wirklich das optimale Rad für sich bekommt." Für all das sei aber mittlerweile längst zu wenig Platz, das Bike House zu oft am Limit. Ab Sommer sollen die Räumlichkeiten deshalb erweitert werden.
Der Anbau soll sich auf die Freifläche an der Hammerstraße erstrecken. Bis dahin muss das Projekt jedoch laut Schreiber noch ein paar behördliche und planerische Hürden nehmen.
Wie jeder Unternehmer hofft auch Schreiber auf das Ende des Lockdowns. Mitarbeiter seien in Kurzarbeit, die Situation drücke zum Teil heftig auf die Stimmung. "Und dann sollst du aber gleich 300 Prozent bringen, wenn es weiter geht." Das sei nicht einfach. "Man sollte deshalb nicht nur ständig Negatives, sondern auch mal ein bisschen Optimismus verbreiten."