Biene Maja trompetet bei Musicon Valley

Auch das homogene Blech hat seine Tücken, erläuterte Kerstin Voigt in der Blechblasinstrumentenwerkstatt der Musikerlebniswelt Markneukirchen. Dort gab es Ministerbesuch im Doppelpack.

Markneukirchen  - Seine 500-jährige Industriekultur möchte Sachsen erlebbar machen und damit auch den Tourismus ankurbeln. Auf neun Stationen in zwei Tagen quer durch Westsachsen haben Wirtschaftsminister Martin Dulig und Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD) sächsische Industriekultur erkundet. Dienstagabend besuchten sie zum Auftakt die Erlebniswelt Musikinstrumentenbau von "Musicon Valley" in der Musikschule Markneukirchen. Simone von der Ohe von Musicon Valley informierte über das Erfolgsmodell der Erlebniswelt, die alljährlich Tausende Besucher anlocke. Die handwerkliche Fertigung verschiedener Musikinstrumente ist hier hautnah zu erleben. Für die Schauwerkstätten konnten erfahrene Handwerksmeister gewonnen werden. 
 Frank Bilz, Marketingleiter bei Musicon Valley, wies darauf hin, dass man mit der Erlebniswelt eine Lücke geschlossen hat. Neugierige Besucher, die in den zumeist kleinen Handwerksbetrieben des Instrumentenbaus schwierig in Arbeitsabläufe zu integrieren sind, erleben in den Schauwerkstätten dennoch mit Kompetenz erschöpfende Informationen und Vorführungen handwerklicher Techniken. Auch Reiseunternehmen nutzen die Komplett-Angebote von Musicon Valley gern und zeigen sich begeistert. Heute sei man in der Lage, 120 Leute parallel durch die verschiedenen Werkstätten zu führen. Jeden Mittwoch gibt es einen Tag der offenen Tür ab 14.30 Uhr, zu dem man auch ohne Anmeldung erscheinen kann. Hier könne man alles anfassen und ausprobieren und 15 Meister führen alles vor und erklären geduldig Arbeitsschritte.
Auch Markneukirchens Bürgermeister Andreas Rubner freute sich über den Besuch der Minister in seiner Stadt und ebenso darüber, dass Ministerin Stange wieder die Schirmherrschaft des Instrumentalwettbewerbs übernommen hat. Industrie sei nicht nur dort, wo die großen Maschinen stehen, meinten beide Besucher, weshalb es richtig sei, gerade in Markneukirchen mit seiner langen Tradition des Instrumentanbaus mit den Informationsreisen zu beginnen. Mit dem vielseitigen Instrumentenbau habe Markneukirchen ein Alleinstellungsmerkmal.
Dann ging es aufgrund des Zeitdrucks, wofür auch eine Verspätung beim Eintreffen gesorgt hatte, ab in die Geigenmachererlebniswerkstatt. Hier erläuterte Geigenbaumeister Stefan Rehms die Entstehung einer Geige und hatte Fragen zu beantworten. So etwa Duligs Frage, was denn nun eigentlich den Wert einer Geige ausmache. Es sei die Gesamtheit, so der Meister. Neben dem Holz, was jahrzehntelang abgelagert sein sollte, ist es auch die Erfahrung und das Wissen, denn jedes Holz sei anders und inhomogen, anders als Blech. Und um den Aufwand allein beim Bearbeiten des Bodens zu unterstreichen, konnten sich davon beide Gäste selbst mit einem Hobel überzeugen.
"Hier habe ich also das homogene Blech", griff dann Blechblasinstrumentenmacherin Kerstin Voigt die Anmerkung von Stefan Rehms in der Blechblaswerkstatt auf. Sie zeigte das Rohrziehen von Messingrohren auf den gewünschten Durchmesser, die aufwendige Anfertigung eines Schallstückes aus einem Stück Blech oder das Biegen von Rohren, die zur Vermeidung von Verformungen mit Blei gefüllt werden. Dabei wies sie auf ein großes Problem hin. Der Einsatz von Blei wurde verboten, sei aber zumindest in der Muster- und Einzelfertigung weiter notwendig. Auch hier legten beide Besucher bei allen Arbeitsgängen einmal Hand an.
Wirtschaftsminister Dulig hatte zum Schluss noch einen besonderen Auftritt. Da bekannt war, dass er selbst musiziert, kam er um eine Kostprobe nicht herum, wofür Kerstin Voigt in weiser Voraussicht drei Trompeten parat hatte. Darunter eine Studie mit neuartigen Ventilen, wofür sich der Minister entschied. Und da, welch Zufall, gleich ein Notenständer parat stand und verschiedene Notenhefte bereit lagen, gab es zum Schluss des Besuchs noch Trompetenklänge von Minister Dulig, darunter auch die "Biene Maja". Helmut Schlangstedt