Besucheransturm im Plauener Straßenbahn-Depot

Die Zubringer-Straßenbahnen waren zum Zielort nahe dem Unteren Bahnhof zeitweise rappelvoll, die Gänge, Hallen, Stände und Werkstätten dort auch - die zwei Tage der offenen Tür, am Samstag und Sonntag, haben der Plauener Straßenbahn (PSB) einen Besucheransturm beschert, der den 130 Straßenbahnern sicher ein Lächeln ins Gesicht gezaubert hat.

Anlässlich des Jubiläums "115 Jahre Plauener Straßenbahn" hatte die PSB die Tore des umgebauten und schick hergerichteten Betriebshofes für ein Wochenende seinen sonst als Gäste in den Straßenbahnen Mitfahrenden weit geöffnet. Diese ließen sich, wohl auch dank des herrlichen Frühlingswetters, nicht lange bitten: Über 5000 Besucher zählten die Organisatoren zu ihrem Fest.

Denen wurde einiges geboten: Einblicke und Führungen durch das gesamte Areal (auch mit dem Hinabsteigen in den Technikergraben direkt unter den Bahnen), Erläuterungen der Technik (früher und heute) und der langen Geschichte der Bahn inklusive Anekdoten, eine Modellbahnausstellung und für die Kinder Kurzweil satt von der Bastelstraße bis zur Mini-Eisenbahn.

Für Lothar Langhof und seine Kollegen war das Wochenende ein schöner Erfolg. "Das Interesse war sehr groß, wir haben viel erklären können", berichtete der Prokurist der Gesellschaft und Chef der Abteilung Technik. Der Diplomingenieur ist mit seiner Mannschaft für die Werkstätten, den Gleisbau, die Überleitungen und so weiter und so fort zuständig - ein großes, verantwortungsvolles Arbeitsgebiet. Hat man schon mal so eine große Garage gesehen, werden sich nicht wenige Besucher gefragt haben, die sich die lange Abstellhalle der Wagen in dem 30 000-Quadratmeter-Gelände anschauten. Die ist immerhin über 170 Meter lang, an die 20 Meter breit und sieben Meter hoch und bietet 20 Bahnen Platz. Auf den ausgestellten historischen Fotos konnte man die Faszination Straßenbahn erahnen, wenn diese (mitunter auch quietschend) durch die kurven im alten Plauen fuhr. Junge und alte Besucher testeten die neuen und die alten Wagen, nahmen auf modernen (die heißen KT4D) und auf historischen Sitzen Platz und spielten auch mal Fahrer.

 

Wie Florian Bauer. Der 5-jährige Plauener drehte begeistert an den Schaltern und Hebeln im Führerstand einer Uraltbahn. "Ich fahre gern mit der Bahn, am liebsten zur Plamag, da ist es die längste Stecke", schwor der kleine Mann. Da lag es nah, nach seinem Berufswunsch zu fragen. Er antwortete aber ganz anders als es die Vermutung nahe legte: "Ich werde Polizist." Auch die Plauenerin Hannelore Scheunert genoss den Tag im Betriebshof. Mit Freundinnen und Bekannten suchte sie alle Stationen auf und war voller Lob. "Ein wirklich schöner Betrieb. Alles top", meinte sie. Sie staunte nicht schlecht, als sie die Miniausgabe ihre Bahn bei der Modelausstellung erblickte. Die 68-jährige fühle sich überhaupt sehr mit ihrer "Straßenbahn" verbunden, sagte sie. "Ich fahre seit meiner Kindheit Bahn. Bis heute regelmäßig", erzählte die Plauenerin. Sie brauche kein Auto, dafür nutze Hannelore Scheunert ihre "Bim" - zum Bahnhof, zum Einkaufen, wenn es nach Haselbrunn geht oder nach Chrieschwitz - je nach Ziel. Die Straßenbahn gehöre einfach zu Plauen . "Ich habe immer Fahrkarten dabei", vergaß sie nicht zu erwähnen. Was ist nun KT4D, lautete eine der Fragen dieses Wochenendes. "Ganz einfach, Kurgelenktriebwagen, vier Achsen, das D steht für DDR. Und produziert wird in Prag", erläuterte Lothar Langhof.  F. Blenz