Besonderheit im Schloss Voigtsberg

Rund ein halbes Jahr lang stellte Restaurator Hans-Jörg Brasche aus Lengenfeld die ursprüngliche Schönheit der Decke mit ihrer aufwändigen Bemalung, die 2008 entdeckt worden war, wieder her. Die Flächenornamente des Bandelwerks auf den fischgrätartig gelegten Brettern wurden gereinigt und vorsichtig ergänzt.

 

Zur jüngsten Ausstellungseröffnung erlebte das Prachtstück seine Premiere vor viel Publikum. Von der historischen Inneneinrichtung der Burg ist durch die Umbauten zum Gefängnis im 19. Jahrhundert wenig erhalten geblieben, umso wertvoller erscheint die alte Zimmerdecke.

Mit dem Raum, der durch eine Zwischenwand zweigeteilt war, zur Hälfte als Amtsraum beziehungsweise als Wohnraum des Amtsschössers diente, hat Hausherr Eckardt Scharf viel vor. Er soll als Barockzimmer auf der Burg gestaltet werden. Anlass dazu gibt die Entstehungszeit der 66 Quadratmeter großen Holzdecke, die von Experten in die Aufbauphase um 1640 - in die Zeit des Barock - datiert wird. Nach dem Überfall von General Holk, der 1632 mit seiner Soldateska das Schloss verwüstete und es 1633 erneut heimsuchte, brannte die Voigtsburg bis auf wenige Gebäude ab.

Im künftigen Barockzimmer soll das Tizian-Gemälde "Katharina von Habsburg" einen dauerhaften Platz finden - dabei handelt es sich um eine Schenkung des Unternehmerehepaars Meiser. Doch warum soll das Bild überhaupt im Schloss ausgestellt werden - weder Maler noch Modell haben Bezug zum Ort? "Es war der Wunsch des Spenders", sagt Scharf. Edmund Meiser wurde 2008 zum Ehrenbürger von Oelsnitz ernannt. Inzwischen haben er und seine Frau Ursula der Stadt noch weitere drei kleinere Gemälde mit sakralem Hintergrund geschenkt. Dabei soll es sich um Werke flämischer Meister beziehungsweise von Lukas Cranach handeln, bezeugt durch eine Expertise. Ob sie im Barockzimmer oder in der Burgkapelle in Vitrinen ausgestellt werden, sei noch offen. Dazu müssen noch Gespräche mit der Versicherung geführt werden, berichtet Scharf. Anfang September nimmt Brasche die Restaurierungsarbeiten im Barockzimmer wieder auf. An der Reihe sind dann die Wände, deren originale Farbfassung mit weiteren historischen Malereien wieder hergestellt wird.

Eine Finanzspritze der Ostdeutschen Sparkassenstiftung im vergangenen Jahr ermöglicht die Erhaltung der Denkmalsubstanz - zusammen mit dem Eigenmittelanteil der Stadt eine Summe von rund 100 000 Euro.  R. W.