Beschäftigungsgesellschaft: Insolvenz nach 18 Jahren

Erst einmal wird weitergearbeitet! Das war dann aber auch schon die einzige positive Botschaft, die Anette Schürer, Geschäftsführerin der Beschäftigungsgesellschaft Klingenthal, ihren Mitarbeitern zur letzten Belegschaftsversammlung verkünden konnte.

 

Ansonsten blieb ihr nichts weiter übrig, als ihnen die Gründe für die Anmeldung der Insolvenz nach 18 Jahren erfolgreichen Wirkens am 23. Dezember zu erläutern. In erster Linie sei die Zahlungsunfähigkeit auf die restlose Ausschöpfung des Kreditrahmens zurückzuführen, die sie zu diesem Schritt gezwungen habe, da sie sich ansonsten der Insolvenzverschleppung strafbar gemacht hätte. Fast paradox dabei, dass die Schaumanufaktur schwarze Zahlen schreibt und gut gefüllte Auftragsbücher vorwiesen kann, worin mittlerweile zahlreiche Kunden aus dem Ausland, wie Österreich, der Schweiz, den USA und andere, zu finden sind.

Der Pferdefuß liegt allerdings darin, dass die Beschäftigungsgesellschaft seit Jahren einer der größten Maßnahmeträger für den zweiten Arbeitsmarkt ist. Neben 18 festangestellten Mitarbeitern sind rund 150 weitere, die von einigen Ausnahmen abgesehen auf dem ersten Arbeitsmarkt so gut wie chancenlos sind und kaum bei anderen Trägern unterkommen können, in den verschiedensten Einrichtungen des gesamten Vogtlands für die Dauer von sechs Monaten bis zu zwei Jahren beschäftigt. Hierzu gehören beispielsweise mehrere Gemeindeverwaltungen, etliche Museen oder der Klingenthaler Tierpark, der ohne diese Arbeitskräfte wohl schließen könnte.

Der aus Verwaltung und den Betriebskosten für das Firmengebäude resultierende Finanzbedarf konnte bis zum Jahr 2008 unter anderem durch Einnahmen aus Verwaltungsumlagen sowie verschiedene Fördermittel gedeckt werden. Doch letztere sind immer schwerer zu bekommen und derzeit so gut wie versiegt und damit mitverantwortlich für die trotz aller Einsparmaßnahmen vor allem im Verwaltungsbereich zutage getretene Finanzmisere.

Diese ist auch der Stadt als 100prozentiger Gesellschafter und dem Aufsichtsrat seit längerem bekannt. Zwar wurde die Existenz der Gesellschaft bei einer außerordentlichen Gesellschafterversammlung am 22. Dezember als sehr bedeutsam bezeichnet, über die derzeitigen geringen Zuschüsse hinaus könne die Stadt allerdings nichts tun. Über die Insolvenz, bei der es um relativ geringe Beträge geht, zeigen sich nicht nur die Kunden der Schaumanufaktur sondern ebenso die Einrichtungen als Nutznießer der Beschäftigten entsetzt. Einigkeit bestehe mit dem Insolvenzverwalter, dass die Gesellschaft erhalten bleiben solle, wofür freilich ein tragfähiges Konzept Voraussetzung sei.

Für ein solches müssten aus Sicht der Geschäftsführerin jedoch die Kosten umverteilt werden, wozu eventuell der Landkreis ins Boot geholt werden müsse. Immerhin profitierten 35 Einrichtungen des Kreises von den Arbeitskräften der Beschäftigungsgesellschaft Klingenthal. Anette Schürer sieht dabei einen Finanzbedarf von jährlich etwa 60 000 Euro. Parallel dazu machen die Beschäftigten mobil und haben eine an vielen Stellen ausliegende Petition zum Erhalt der Gesellschaft an Stadt und Landkreis verfasst, die mit entsprechenden Unterschriften übergeben werden soll. Nicht nur die Betroffenen sondern alle Bürger können diese unterzeichnen. va