Berufsfeuerwehr gegen neues Schichtsystem

Plauen - Wenn der Verwaltungsausschuss am heutigen Mittwoch zusammentritt, steht nach zwei Jahren Stille ein erneuter Versuch an, den 11-Stunden/13-Stunden-Dienst bei der Berufsfeuerwehr Plauen einzuführen. Zurzeit gilt der 24-Stunden-Rhythmus laut geltender EU-Richtlinie bei der 48-Stundenwoche. Bringt heute der Ausschuss diese Beschlussvorlage auf den Weg, müsste der Stadtrat diese in seiner nächsten Sitzung nur noch bestätigen.

 

Damit würde die Wirtschaftlichkeit der Berufsfeuerwehr dann wesentlich erhöht werden - so argumentieren zumindest die Macher der Vorlage, die Fachbereichsleitung Berufsfeuerwehr in der Stadtverwaltung. Allerdings könne zu konkreten finanziellen Auswirkungen aber erst frühestens Mitte des Jahres 2011 informiert werden, ist der unserer Zeitung vorliegenden Verwaltungsvorlage zu entnehmen.

 Nach Ansicht der Befürworter dieser Schichtumstellung erreicht man dadurch neben einer wesentlichen Effizienzsteigerung bei der Auslastung der täglichen Arbeitszeit auch eine bessere Befriedigung der sozialen Belange der Mitarbeiter. Nach Angaben der Fachbereichsleitung könnte damit eine wöchentliche Arbeitszeit in durchschnittlich 62 Prozent "aktive" und 38 Prozent "inaktive" Zeit unterteilt werden. Gleichzeitig solle damit die Belastung der Mitarbeiter reduziert werden, die im bisherigen 24-Stunden-Dienst nach der vorgegebenen "aktiven" Zeit, noch zusätzlich erforderliche dienstliche Belange und Dienstleistungen für andere sicherstellten.  Als weiteres Argument wird angeführt, dass die "aktive" Zeit für eine 24-Stunden-Schicht nicht effektiv gesteigert werden könne, ohne gegen rechtliche Vorschriften zu verstoßen. Für das neue Schichtsystem sei nach Aussage des Fachgebietsleiters zudem eine spezielle Software notwendig, um entsprechend Personal planen zu können. Neben den Anschaffungskosten in Höhe von 35 000 Euro summieren sich jährliche Unterhaltskosten von jeweils 5000 Euro.

Obwohl die Schichtumstellung durch die Zahlung zusätzlicher Schichtzulagen von jährlich etwa insgesamt 70 000 Euro für Wechselschichtzulagen und zu vergütenden täglichen Arbeitspausen an die betroffenen Berufsfeuerwehrleuten quasi eine Lohnerhöhung bedeuten würde, trifft sie gerade dort auf wenig Gegenliebe. Die Kameraden der Berufsfeuerwehr machen geltend, dass die in der Vorlage getroffenen Aussagen zum derzeitigen Auslastungsgrad der Arbeitszeit fehlerhaft und unvollständig sind. Leistungen, die bereits im derzeitigen 24-Stunden-Dienst erbracht werden, wie etwa das Auf- und Abbauen von Bühne, Buden und Zelte am Markt, Baumfällungen, Gebäudesicherungen und Objektpflege. Zu den Leistungen zählen weiter das Waschen, Desinfizieren von Rettungsdienst- und Feuerwehrbekleidung sowie Reparatur-, Prüf- und Wartungstätigkeiten.

 Das sei in den vorgelegten Statistiken nicht ersichtlich, wird gleichzeitig aber für das neue Schichtsystem als Begründung für eine Wertschöpfung angeführt. Die Berufsfeuerwehrler monieren, dass der vorhandene Rahmendienstplan, der ihren Tagesablauf während eines 24 Stunde-Dienstes in der Feuerwache regelt, schon seit Jahren nicht mehr den tatsächlichen Erfordernissen entspricht.

Befürchtungen in den Berufsfeuerwehren, dass die Umstellung auf ein Zweischichtsystem für die Feuerwehrleute eher eine höhere Belastung als eine Entlastung darstellt, sind nicht unbegründet. Erfahrungen in Städten, die eine derartige Schichtumstellung vorgenommen haben, wie beispielsweise Bremen oder Neumünster, sind ernüchternd: Schichtpläne können nicht eingehalten werden, durch personelle Engpässe erhöht sich die Arbeitsbelastung der einzelnen Kameraden und Freischichten werden reduziert. In Hamburg und Berlin wurden die nach der Umstellung des Schichtsystems erarbeiteten Schichtpläne von den betroffenen Berufsfeuerwehrleuten und ihren Angehörigen als familienfeindlich und unsozial bezeichnet. In Schwerin demonstrierten Hunderte Feuerwehrmänner für den Erhalt des 24-Stunden-Dienstes.  Gewerkschaftsvertreter warnen, dass ohne zusätzliches Personal mit Zunahme der Probleme eine schleichende Ausdünnung der Besatzung der Löschzüge in Plauen erfolgen wird. Von den etwas mehr als 100 Berufsfeuerwehren in Deutschland arbeiten 70 im 24-Stunden-Dienst.