Bericht über das zweite Leben

Der Extremsportler Robby Clemens hat am Wochenende im Gemeindezentrum der Katholischen Kirche mehr als 100 Besuchern über seine spektakuläre Tour vom Nordpol bis zum Südpol berichtet - und von seinen zwei Leben.

Von Frank Blenz

Plauen In seinem zweiten Leben hat sich vergangenes Jahr eine Etappe vollendet: Von 2017 bis 2018 lief Robby Clemens vom Nordpol bis zum südlichsten Gipfel Südamerikas (also fast bis zum Südpol). Der mehr als 23.000 Kilometer lange Weg führte den Sachsen-Anhaltiner durch viele Länder. Clemens erlebte mitunter extreme Wetterbedingungen, ihn bereicherten zahlreiche Begegnungen mit interessanten Menschen und ihren Kulturen.
Am Nordpol startete Robby Clemens auf Skiern, bei minus 50 Grad, in Südamerika kam er viele Monate später nicht bis zum echten Südpol - die Reisekosten für die letzte Etappe wurden zu hoch. "Doch meinen persönlichen Südpol habe ich erreicht", sagt der Extremsportler. Die letzten Kilometer absolvierte der Abenteurer mit Kindern aus einer Schule im Zielort Punta Arenas, der südlichsten Stadt Chiles.
Es war ein spannender Abend, einer, bei dem die Besucher im großen Saal des Gemeindezentrums der Herz Jesu Kirche Plauen merkten, der Hauptakteur sprüht vor Energie, vor Informationen, Erfahrungen, Ideen, vor Willen diese weiterzugeben. Robby Clemens wirkte wie ein Athlet im Wettkampfmodus, überaus freundlich und aufgeschlossen. Währenddessen hielt ihm seine Frau Bärbel den Rücken frei, verkaufte Bücher und verteilte Handzettel, beantwortete Fragen und schaute zufrieden drein, als sie ihren Mann so emsig agieren sah. Es gab auch schon andere Zeiten … Dass Robby Clemens jetzt läuft, und zwar überaus lange Distanzen, hat was mit früher zu tun, erfuhren die Besucher des Vortragsabends. Clemens‘ Leidenschaft für das Laufen begann in den 1990er Jahren, als er sein altes Leben hinter sich lassen wollte und musste. In der DDR geboren und aufgewachsen, packte der Ostdeutsche die neue Zeit nach der Wende an, machte sich selbstständig. Doch 1995 musste er für seinen Handwerksbetrieb Insolvenz anmelden. "Wir haben nicht nur die Firma, wir haben damals unser gesamtes, gespartes Vermögen verloren", erzählt Frau Bärbel, die miterlebte, wie ihr Mann dem Alkohol verfiel, Trost, Ablenkung im Suff suchte, vergessen wollte, sich gehen ließ. Robby Clemens: "Erst mein Hausarzt hat mich aufgeweckt. Entweder Hände weg vom Alk oder Tod." Der Arzt brachte Robby Clemens dazu, es mit dem Laufen zu probieren. Es wirkte. Bis heute. "Robby hat eine Sucht, eine schlimme, durch eine andere, positive, den Sport, das Laufen, abgelöst", findet Bärbel Clemens und lächelt.
Robby Clemens lief Marathon, Benefizläufe zu guten Zwecken, unter anderem 2003 den "Extrem Street Run" von Basra nach Bagdad für im Krieg geschädigte Kinder (500 Kilometer) und 2004 den "Extrem Street Run" von Athen nach St. Michael (Österreich) zugunsten der Salzburger Kinder Krebsgesellschaft (1800 Kilometer). 2007 lief Robby beim Worldrun in 311 Tagen über 13.262 Kilometer durch 27 Länder auf vier Kontinenten. Er belässt es nicht dabei. "Mein Mann will sein Erleben weitergeben, Mut machen", so Bärbel Clemens. So ist Clemens Motivationscoach und Buchautor und hält landauf, landab Vorträge. "Wir machen das nicht so superprofessionell, es gibt normale Bilder und Filme, es ist nicht so aufwändig wie bei den Reise-Profis, aber Robby erreicht die Leute wie in Plauen", so Bärbel Clemens, deren Mann sich überaus freute: "Die Plauener haben uns sehr gut aufgenommen, wir haben ja schon eine richtige Fangemeinde."