Bergsteigen ist wie ein Lebenspfad

Die täglichen 100 Stufen bis zu seinem Büro unterm Dach beim Zweckverband Wasser/Abwasser Vogtland sind für Jürgen Hadel ein Klacks. Eben kam er aus Mexiko zurück. Dort bestieg er drei Fünftausender.

Von Cornelia Henze

Plauen/Falkenstein - "Das ist ja fast gar nichts", sagt der 59-Jährige und winkt ab. Die Berge zählen, die der Falkensteiner in den letzten 30 Jahren bestiegen hat, kann er nicht. Er sammelt Berge, wie andere Briefmarken. Sein persönlich höchster Berg war der Cho Oyu in Tibet mit 8201 Metern. Das ist der sechshöchste Berg der Erde. Der Berg der Berge, den Mount Everest (8848 m), wartet noch auf den Vogtländer, der von den 14 Achttausendern bisher vier geschafft hat. 
Ob es der Everest noch wird in diesem Leben? "Mal sehen. Es gibt gute Bergsteiger. Und alte. Ich möchte mal ein guter, alter Bergsteiger sein", sagt der Alpinsportler. Da Hadel die Familie wichtig ist - inzwischen ist er auch Opa - ging es im Februar "nur" auf den Pico de Orizaba, mit 5619 Metern der höchste Berg Mexikos. Das Bergabenteuer Mexiko erlebte Hadel gemeinsam mit seinem Kletterfreund Jürgen Lorenz - einem gebürtigen Klingenthaler. Schon viele Touren haben die beiden Männer gemeistert und das Erlebnis Gipfel genossen. Vorgenommen für Mexiko hatten sich die Freunde vier Gipfel zu besteigen - am Ende war es noch einer mehr. Zum "Warm up" erklommen Hadel und Lorenz den Malinche (4450 Meter) und den Nevado De Toluca (4645 Meter) ehe es an die Fünftausender ging: den Los Rodillas (5050 Meter), auf den Izaccihuati (5216 Meter) und schließlich auf den Pico de Orizaba, dessen Gipfel irgendwo zwischen 5619 und 5749 Meter liegen soll - denn über die genaue Höhenangabe streitet sich die Fachwelt. 
Statt eines klassischen Gebirgszuges, wie es beispielsweise die Alpen sind, begegnete Hadel in Mexiko eine faszinierende, teilweise vergletscherte, Vulkanlandschaft. Mit dem Auto ging es zu den auf 2000 bis 3000 Metern liegenden Basiccamps. Rund 1600 Höhenmeter, die, jenachdem wie die Bergpfade geschaffen waren, auch mal in die Tiefe führen konnten, überwanden die Männer zu Fuß. "Bergsteigen ist wie ein Lebenspfad, es gibt Höhen und Tiefen. Bist du dann oben, überkommt dich eine Mischung aus Freude und der Bestätigung nach der Frage: "Pack‘ ich das noch?" Bergsteigen sei letztlich keine Frage des Alters. Geübte Bergsteiger verlieren auch mit höherem Lebensalter nicht an Kondition, sagt Jürgen Hadel. Mit 16 erklomm er seine ersten Berge. Darunter 45 Gipfel in der Hohen Tatra, 100 in der Sächsischen Schweiz. Hadel war in Indien, Marokko, Nepal, im Iran. An der Weltkarte, die in Hadels Büro hängt, wimmelt es von Pinnadeln, die jene Orte bezeichnen, an denen er schon Gipfel gestürmt hat. Einige weiße Flächen "quälen" Jürgen Hadel noch: Die sind in Kanada, in den Rocky Moutains, in Australien, Tasmanien, Japan. Wenn Hadel nicht auf die Gipfel der Erde steigt, hält er sich mit Ultra-Wandern fit. Bekannt ist er als Macher der 24-Stunden-Wanderungen, den Vogtlandhunderten zu Weihnachten und im Sommer. Der 33. Vogtlandhunderter steigt am 15./16. Juni, zu dem man sich jetzt schon anmelden kann: wander-hadel@t-online.de.