Bergretter feiern Geburtstag

Warum die Bergwacht Schöneck nicht Bergrettungsdienst heißt, weiß Konrad Popp. Er ist von Anfang an dabei. "40 Jahre Bergwacht" wird in Schöneck am Samstag mit einem Tag der offenen Tür gefeiert - hoffentlich bei Sonnenschein und Kaiserwetter, wünscht sich Popp.

Von Marlies Dähn

Schöneck - Notruf bei der Bergwacht Schöneck. Zwei Kinder sind verschwunden. Es dämmert bereits. Die Kinder sind ortsunkundig. Die Eltern, die auf dem Balkon des Vogtlandes einen erholsamen Urlaub verleben wollten, sind in panischer Sorge. "Das sind die Szenarien, die einen bewegen, die sich einprägen - immer, wenn Kinder in Gefahr sind", sagt Konrad Popp. Seit 40 Jahren ist er bei der Bergwacht Schöneck, hat sie mit auf den Weg gebracht. Und er ist froh, dass auch die Suche nach den verschwundenen Kindern vor gut vier Jahren glimpflich ausgegangen ist. "Wir sind damals los mit Stirnleuchten und drei Motorschlitten. Wir hatten keine Anhaltspunkte, wo wir suchen sollten", erinnert sich Konrad Popp. Das Gelände wurde systematisch durchkämmt. Und dann war auch ein Quentchen Glück im Spiel. Unweit der Bergrettungsstation, im nahen Wäldchen, hatten die Kinder beim Spiel die Zeit vergessen. Wohlbehalten konnten sie den Eltern übergeben werden.
 Ein glückliches Ende nahm auch eine weitere Rettungsaktion, die noch ein Stück weit länger zurück liegt. Vermisst wurde ein Junge. Eine Schulklasse war 1994 unterwegs zwischen Schneckenstein und Winselburg. Es gab Zoff, ein Schüler ließ sich immer mal wieder zurückfallen und wurde schließlich vermisst. Es wurde bereits dunkel, als die Retter in die Spur gingen. Unterkühlt, verängstigt aber weitgehend wohlbehalten, konnte der 12-Jährige schließlich zurückgebracht werden.
 Denkt Konrad Popp zurück an die Anfänge vor 40 Jahren, erinnert er sich auch an die Namenssuche. "Wir nannten uns freudig Bergrettungsdienst", schmunzelt Popp. Prompt kam das Veto vom Rat des Kreises Klingenthal mit dem Verweis auf die unzulässige Abkürzung. "Die lautete nämlich BRD - und das ging ja schon mal gar nicht", erinnert sich Popp.
So wurde aus dem Bergrettungsdienst der Bergunfalldienst und nach der Wende dann die Bergwacht.
Zur Bergwacht Schöneck gehören gut 20 Mitglieder, davon etwa acht zum harten Kern. Dank des Engagements von Kamerad Jörg Neidhardt hat die Bergwacht Schöneck auch kaum Nachwuchssorgen. Über die Abteilung Jugendrotkreuz des DRK werden die jungen Retter so frühzeitig an die verantwortungsvolle Aufgabe herangeführt. Gut zehn bis zwölf junge Sanitäter sind derzeit aktiv bei den jungen Bergrettern dabei. So früh anzufangen, lohnt sich, weiß auch Jörg Neidhardt. Die Jungen und vor allem auch die Mädchen seien engagiert und zuverlässig. Übrigens konnten Anfang des Jahres die Teens der Bergwacht Schöneck auch bei MDR um2 im Fernsehen mit ihrem Können punkten, als ein Drehteam die Skiwelt in Schöneck besuchte. Ursprünglich beginnen Bergretter erst mit 16 Jahren ihre Ausbildung.