Berggeschrey: Flussspat-Abbau geht in neue Runde

Berggeschrey erklingt im Vogtland. Standorte des Altbergbaus werden wieder interessant, so auch die Schönbrunner Flussspat- Grube. Hier soll wieder aufgefahren werden.

Schönbrunn - Für das stillgelegte Flussspatbergwerk in Schönbrunn bei Oelsnitz - im Volksmund die "Kunst" genannt - gibt es einen Interessenten. Der Freistaat Sachsen, vertreten durch den Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB), führt mit ihm intensive Verhandlungen über den Abschluss eines langfristigen Pachtvertrages, gibt SIB-Pressesprecherin Andrea Krieger Auskunft. Es handle sich um ein fachkundiges sächsisches Unternehmen, sagt sie über den Investor, mit dem der Staatsbetrieb noch Vertragsverhandlungen führe.

Im Oelsnitzer Rathaus ist der Investor kein Unbekannter mehr. Es ist die Bergbaubeteiligungs- und Verwaltungsgesellschaft Sachsen mbh, informiert Stadtbaumeisterin Karin Schuberth. Das Unternehmen habe bereits vorgesprochen und will sich kommenden Mittwoch den Stadträten und dem Planschwitzer Ortschaftsrat öffentlich im Finanz- und Verwaltungsausschuss vorstellen, bestätigt Oberbürgermeister Mario Horn. Städtische Flächen sind über den Ortsteil Planschwitz von dem Bergbauvorkommen berührt. Das Unternehmen und der SIB treffen bereits Vorbereitungen für die Wiederaufnahme der Förderung.

Wie dies technisch aussieht, obliege den Planungen des Pächters genauso wie die Zahl künftiger Arbeitsplätze. Das Auffahren des Bergwerks bedürfe umfangreicher Genehmigungsverfahren. "Der SIB und das Unternehmen sind an einer zügigen Durchführung interessiert. Einen konkreten Zeitplan gibt es noch nicht", teilt die Pressesprecherin mit. In Schönbrunn lagern noch etwa 3,5 Millionen Tonnen Rohspat mit einem Fluoritgehalt von rund 1,7 Millionen Tonnen. Davon geht der SIB aus. Wie lange noch gefördert werden könne, hänge auch von der Förderintensität ab.

Wirtschaftlich wieder interessant für Investoren erscheine der Abbau aufgrund der gestiegenen Nachfrage auf dem Weltmarkt sowie modernerer Abbautechnologien. Noch keine Überlegungen angestellt worden seien zur Quelle auf der 453-Meter-Sohle. Hier sprudelten bis zur Flutung 1.200 Liter Thermal- und Mineralwasser pro Minute - eine Besonderheit der Grube Schönbrunn. Am 31. Januar 1991 verließ der letzte Hunt - geschmückt mit einem Trauerkranz - die breite Einfahrt nach untertage. "Die harten Gesetze der Marktwirtschaft hatten die Grube in die Knie gezwungen", hieß es in der Abschiedsrede von Obersteiger Werner Netzel.

Seit 800 Jahren war auf der Lagerstätte Schönbrunn Bergbau betrieben worden - zunächst auf Eisen und Kupfer. Seit 1868 wurde Flussspat gefördert und bis zur Schließung 2.065.000 Tonnen Rohspat gewonnen.