Bergfried-Bau geht ins Finale

Auch im Alter kann man noch wachsen. Der meterdicke Bergfried von Schloss Voigtsberg - ältester Zeuge der mittelalterlichen Burg aus dem 13. Jahrhundert - soll bis zum Herbst auf stolze 30 Meter Höhe aufgestockt werden.

Oelsnitz Besuchern wird sich seit Urzeiten erstmals wieder eine umwerfende Aussicht bieten. OB Mario Horn hatte mit einer Runde von Baufüchsen Dienstag zum Pressegespräch eingeladen.
Es herrscht Winterpause nach monatelanger Sanierung des Mauerwerks hinter Gerüst und Planen. Von unten betrachtet, dem ehemaligen Dorf Voigtsberg, und von oben, dem Schlossfelsen, lugt der Bergfried ein wenig kläglich aus dem Schlossensemble, denn sein Kegeldach hat er verloren, vorerst. Denn hinter den Kulissen werden Ausschreibungen vorbereitet für die neue Bauphase. Spätestens Anfang April wird weiter gebaut. Dafür haben Experten dem Gemäuer auf den Zahn gefühlt, berichtete Planer Harald Schneider.
"Denn nichts wäre so verhängnisvoll, wie das falsche Baumaterial zu verwenden", sagt er. Aus seinem Büro Bau-Consult stammen die Pläne für die Sanierung der historischen Bausubstanz sowie die Erhöhung des Bergfrieds um je ein Ausstellungs- und Aussichtsgeschoss. Für die Bereiche mit unterschiedlichen Förder- und Geldquellen führen jeweils der Schlossförderverein und die Stadt Oelsnitz Regie.
Gute Nachricht, die Gründung des Turms auf dem abfallenden Burgfels ist so solide, dass keine statischen Bedenken für den Weiterbau bestehen, berichtete der Planer. Material des Bergfrieds ist sehr fester Kalkstein. Das hatten langwierige trockene - und deshalb staubige und lärmintensive - Probebohrungen ergeben. Damit grenze sich der Turm deutlich von den restlichen Burgmauern ab, die aus Phyllit und Grünstein bestehen.
Die beiden großen Risse sind kein neuer Befund. "Schon die Vorgänger im Bau haben immer wieder repariert", befand Schneider. Sie werden mit Pressmörtel gesichert, eine Empfehlung von Professor Sobot aus Naumburg. Das zweischalige Mauerwerk - ein Untersuchungsergebnis der Restauratorenwerkstatt Langestammlange - ist mit vielen Hohlräumen und Störungen durchzogen. Das klare Bild verweise auf die vogtländischen Schwarmbeben. "Mit den Arbeiten ist ein Grundstock geschaffen, jetzt kann der Aufbau beginnen", resümierte Schneider. Mit moderner Technik, schwerem Stahlbau - Ringanker, Deckenplatte und zwei Zylindern - soll der Turm einschließlich seines Daches auf 30, 7 Meter (bisher 25 Meter) in die Höhe wachsen und sich dabei nach außen mit Streben und angedeuteten Zinnen ins historische Bild einfügen. Das hölzerne Kegeldach von 1910 wird mit Teilen der vorhandenen, aber schadhaften Konstruktion und Verschieferung rekonstruiert. Das hatte der Denkmalschutz zur Bedingung gemacht. Das letzte Turmgeschoss bleibt - eine Neuerung - zum Dach hin offen. "Wir liegen sehr gut im Plan. Mitte September wollen wir fertig werden", formulierte Schneider Fazit und Ziel.
"Ohne den Schlossförderverein wären wir nicht an diesem Punkt", erklärte Stadtbaumeisterin Kerstin Zollfrank. Eine Förderzusage aus dem städtebaulichen Denkmalschutz von 80 Prozent der Kosten liege der Stadt für die Aufstockung des Bergfrieds vor.
Der Förderverein mit seinem Vorsitzenden Thomas Lehniger hatte 2017 die Initiative zum Projekt ergriffen, das lange als Idee durch die Oelsnitzer Lokalpolitik gegeistert war, Planung und Finanzierung angeschoben. In der ebenfalls vom Verein in Gang gesetzten und jetzt erfolgreich abgeschlossenen Spendenaktion über die Crowd-Funding-Plattform der VR Bank Hof e.G. "Treppenstufen für den Bergfried" spendeten Privatleute, Gewerbetreibende und Firmen rund 27 500 Euro, berichtete Lehniger. In der Summe enthalten sei auch der Anteil der Sparkasse Vogtland von 3400 Euro. Die geplante, brandschutzgerechte Gittertreppe, die ausgeschrieben wird, soll auf ihren 100 Stufen die Namen ihrer Stifter verewigen. Den Löwenanteil stellen Oelsnitzer. Aber auch viele Plauener und ehemalige "Sperken" haben sich beteiligt, gab der Vereinschef erfreut bekannt. Insgesamt bleibe es beim Kostenrahmen von 750.000 Euro für den Bergfried.
Die wechselhafte Geschichte der Schlossanlage will der Chef der Oelsnitzer Kultur GmbH, Daniel Petri, auf der neuen Ausstellungsplattform des Bergfrieds zeigen, von dem der Blick einst auf die alte Handelsstraße Leipzig-Eger fiel. Langfristig hat er ein anspruchsvolles Ziel. Wie sich Mensch, Landschaft und Burg im Lauf der Jahrhunderte veränderten, soll eine 3-D-Videoinstallation bewusst machen, die mit einem kompetenten Partner produziert wird. OB Horn freute sich "auf den tollen Rundblick bis zur Pirker Brücke". Das bisher gewohnte Bild von Schloss Voigtsberg werde einem neuen Platz machen. Mit dem Turmbau entstehe ein außergewöhnliches Gebäude, welches das Stadtbild aufwerte.