Ben Becker als Zauberlehrling

Mit musikalischer Dichtkunst begeisterte der Schauspieler Ben Becker rund 330 Zuschauer im König Albert Theater.

Von Steffen Adler

Bad Elster - Mit rhetorischer, tiefer Stimme in betont facettenreichen Tonlagen und Gesten erweckte der Schauspieler in seiner Lesung große Werke der schöngeistigen Lyrik zu poesievoller Lebendigkeit.
Seine ausgewählten Verse stammen aus der berühmtesten Sammlung deutscher Gedichte aus acht Jahrhunderten "Der ewige Brunnen". Mit den berühmten Versen "Wer reitet so spät durch Nacht und Wind ...", eröffnete er seine musikalische Dichtkunst-Lesung, die von dem Pianisten Yoyo Röhm am Klavier mit konformen Klangfarben  begleitet wurde. Neben Goethes "Erlkönig" brachte Becker auch die Ballade vom "Zauberlehrling" zu Gehör, zu dem er sich einen Zauberlehrlings-Hut überzog und dem Dichterfürsten mit den Worten "Er konnte doch noch was anderes als Faust II" frönte. "Hoffentlich haben alle ein bisschen Zeit mitgebracht. Schließlich sind wir ganze 400 Kilometer tief in den Osten bis kurz vor die rumänische Grenze gefahren um heute hier zu sein" stimmte Becker die Zuschauer auf rund zwei poesievolle Stunden ein. Noch einmal kurz scherzend stimmt er mit seinem Pianisten überein, dass nicht nur die Royal Albert Hall sondern auch das König Albert Theater einen stimmigen Rahmen für das Programm bietet und präsentierte dann unter anderen die Gedichte "Der Heideknabe" von Friedrich Hebbel und das von Heinrich Heine weniger bekannte Gedicht vom "Ritter Olaf", der heimlich die Tochter des Königs für sich eingenommen und dafür sterben soll, aber noch die Hochzeit feiern darf. "Die hatten damals keine ‚Bild‘ und Fernsehen aber auch ihren Spaß" fügte er seinem Gedichtvortrag "Der Handschuh" von Friedrich Schiller an und erinnerte sich an ein Erlebnis aus der Kinderzeit, wenn zuhause in der Weihnachtszeit sein Vater gemeinsam mit befreundeten Schauspielerkollegen Gedichte vortrug und Gitarre gespielt wurde, bis die Familientradition ein Ende fand, nachdem ein nicht mehr ganz nüchterner Vorleser versehentlich in den Garderobenspiegel seiner Mutter gefallen war. "Heute versuche ich diese Familientradition aufrechtzuerhalten", ließ Ben Becker wissen, der teilweise fast in überschwänglichen Pathos geriet, wenn er beispielsweise "Die Goldgräber" von Emanuel Geibel oder Theodor Fontanes "John Maynard" vortrug. "Ja, ich hab's nicht geschrieben" lässt er zudem die Zuschauer wissen, wenn er besonders viel Applaus erntet, wie zum Beispiel für seine flammend vorgetragene Ballade "Nis Randers" von Otto Ernst.
"Wir haben noch Zeit!", schallt es ihm am Ende von einer Zuschauerin entgegen. Ben Becker schaut erst auf die Uhr bevor er meint: "Also entweder, ich geh jetzt mit dem Hut rum..." und erfreut schließlich die Zuschauer mit mehreren Zugaben, wie auch dem Gedicht "Meine alte Schiffsuhr" von Joachim Ringelnatz.