Belegschaft von Philips Plauen zeigt Gesicht

Plauen - "Jeder Arbeitsplatz hat ein Gesicht" macht eine Fotowand am Eingang der Philips/Narva Plauen auf den Kampf der 440-köpfigen Belegschaft gegen die Verlagerung der H4-Lampenproduktion nach Polen und den damit drohenden Abbau von 150 Arbeitsplätzen optisch eindrucksvoll aufmerksam.

 

In den frühen Morgenstunden hatte am Mittwoch der Betriebsrat mit Helfern die rund 500 Fotos, Kinderzeichnungen und handgefertigte Plakate am Betriebstor angebracht, so dass sie auch Manfred Kwade, Generalmanager von Global Business Unit Automotive Lamps, nicht übersehen konnte.

 Der Generalmanager aus Aachen, der sich gestern zu Gesprächen bei der Narva-Geschäftsleitung angekündigt hatte, wurde mit einem Pfeifkonzert der Belegschaft, die sich zu einer Betriebsversammlung traf, aufgefordert, alle Verlagerungspläne zu streichen oder dem Plauener Standort mit einer Ersatzproduktion Zukunftssicherheit zu garantieren. Kwade wiederholte unter dem lautstarken Protest der Versammelten die Notwendigkeit der Verlagerung, "weil bei den H4-Lampen der Konkurrenzdruck durch Billiganbieter weiter gewachsen ist."

 

Die Pfiffe wurden noch mächtiger als Kwade sagte, "ob wir eine attraktive Produktion hierher nach Plauen bringen können, wissen wir noch nicht." Mit "Pfui Teufel"- und "Schäm? dich"-Rufen wurde seine Aussage "wir werden gucken, ob wir vielen Mitarbeitern attraktive Arbeitsplätze in Aachen anbieten können", von der Plauener Belegschaft quittiert. Betriebsratschef Andreas Rother rief dem Generalmanager zu, sich die ehrliche Mühe zu machen, eine Lösung für Plauen zu finden, damit alle Mütter und Väter, die in der Narva in Lohn und Brot stehen, aber auch ihre Kinder hier in der Region vernünftig weiterleben können und nicht als Hartz IV-Empfänger als Bittsteller auftreten müssen.

 Stefan Kademann von der IG Metall hatte bereits vorher an die soziale Verantwortung des Philips-Konzerns appelliert. "Es gibt keine vernünftige Begründung, warum die H4-Fließlinien aus Plauen weg sollen. Der einzige Grund den ich sehe, ist die Differenz der Löhne, die in Polen bei umgerechnet monatlichen 300 Euro liegen, den Aktionären in den Rachen zu werfen."

 CDU-Stadtrat Hansjoachim Weiß, langjähriger Betriebsrat bei der Narva, erinnerte daran, dass Philips bereits vor gut zehn Jahren davon sprach, die Standorte zu minimieren. Generalmanager Kwade und der Plauener Philips-Werkleiter Gerhard Liebscher trafen sich anschließend mit Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer und Landrat Dr. Tassilo Lenk sowie dem Wirtschafts-Staatssekretär Helmut Fiedler im Rathaus. Die IG Metall ruft zu einem Sternmarsch am 22. Juni 14 Uhr durch Plauen auf, der unter dem Motto "Arbeit, Leben, Zukunft" steht und die ganze Region vereinen soll. M. T.