"Bekloppte Zeiten"

Mit Wortwitz und humorvollen musikalischen Einlagen entführte der Kabarettist Christoph Brüske die Zuschauer im König Albert Theater unter dem Motto "In bekloppten Zeiten" auf eine Reise durch die Untiefen einer scheinbar aus den Fugen geratenen Gesellschaft.

Steffen Adler

Bad Elster "Kennt jemand mein Gesicht aus dem Radio?" fragt der Kölner scherzhaft, outet sich selbst als Rheinländer "mit einem schlesischen Migrationshintergrund" und betont, als Fan des 1. FC Köln, VW-Diesel-Fahrer und SPD-Mitglied gleich die "Dreifach-Arschkarte" gezogen zu haben. Dann steigt er ein in sein Programm und kommentiert mit Blick auf die größten Schlagzeilen in diesem Jahr über den Gesundheitszustand von Kanzlerin Merkel: "Lieber eine Kanzlerin die zittert, als ein Präsident der twittert". Auf den amerikanischen Präsidenten Donald Trump anspielend widmet er "dem wahrscheinlich Beklopptesten in dieser Welt", anschließend extra ein Lied mit Versen wie "Ja es gibt Menschen, die regen mich auf, wie die vom Karussell im Weißen Haus" und sorgte für viel Gelächter, als er ein großes Fotos mit einem "Trömp-Vollpfosten" von Ikea sowie eine "Symbiose" mit den Gesichtern von Trump und Merkel präsentierte.
Durchgeknallt seien eine ganze Menge Leute in verrückten Zeiten, von denen es sogar welche gäbe, die ein Lineal an den Horizont halten und meinen die Erde sei eine Scheibe oder in denen zum Beispiel Hooligans gegen Salafisten demonstrieren. "Das sollte man doch den Salafisten einfach die Ziegenbärte abschneiden und den Hooligans auf die Glatze kleben, damit es wieder anständige Leute gibt", frotzelte Brüske. "Und auch Migranten werden noch einen langen Weg vor sich haben um zu begreifen, dass wir eine Gleichberechtigung haben. Nur werden sie die Ironie eines Dschungelcamps ganz nach dem Motto "Hilfe ich hab noch Hirn, holt mich hier raus" in einem angeblich modernen Deutschland eben nie verstehen", meint Brüske.
Als Aufreger in einer völlig bekloppten Zeit nimmt Brüske auch Begriffe wie "Nafri" aufs Korn. So eine törichte "Polizei-Geheimsprache" würde womöglich auch Oelsnitzer zu "Ösis" machen, meint Brüske mit lokalem Bezug und spottete über eine "Political Correctness", die gesellschaftlich nur überfordere, wenn es zum Beispiel sprachlich nicht mehr "Weihnachtsmarkt" sondern "Wintermarkt" heißen soll. Ebenso absonderlich findet Brüske eine bekloppte Datenschutzgrundverordnung und illustriert sie mit der Sprechstundenhilfe, die im Wartezimmer nicht mehr den Namen der Patienten aufruft, sondern mit den Worten "Als nächster der Herr mit der Syphilis" die Persönlichkeitsrechte schützt.
Auf die Schippe nahm der Kabarettist auch die ewigen Großbaustellen Deutschlands mit dem Berliner Flughafen als besonderes Aushängeschild: "Ist es nicht bekloppt, wenn die Germania Airline schon pleite macht, bevor der Flughafen fertig ist ?", erntet Brüske Lachslaven. Dann schenkt er ganz speziell den deutschen Parteien Aufmerksamkeit. Als "Bekloppte aus der Mitte der Gesellschaft" wäre die AfD aufgetaucht, definierte er und erklärt sie als ausländerfeindlich, weil Deutschland mit seiner Geburtenrate gerade drohe den Vatikan zu überholen, und deshalb die Zuwanderung wichtig sei. "Ich hab schon Tinnitus weil ich nur noch Pfeifen sehe", kalauert er über Alexander Dobrindt, der von dem VW-Abgasskandal nichts gewusst haben wollte, "weil er sich da gerade mit seiner Designerbrille im Anus der Automobilmanager verklemmt hat". Aufs Korn nahm er außerdem besondere "Emporkömmlinge" wie Jens Spahn, der sich "voller Ehrgeiz schon die Haare vom Kopf gefressen hat, als er meinte Hartz IV sei keine Armut". Viel Gelächter erntete Brüske am Ende außerdem mit einer musikalischen Ode an Bad Elster als ein "noch bewohntes Gebiet hinter Plauen in Richtung Süd‘.