Bekennt sich Klingenthal zum Tierpark?

Anmutig bewegen sich zwei Tiger im imposant angelegten Tiergehege auf der Richard Wagner Höhe in Klingenthal. Die Anlage, um- und angebaut für 40 000 Euro inklusive unbezahlbarer Einsatzfreude der Tierpark-Mitarbeiter, ist zentraler Punkt im etwa 2,5 Hektar großen Gelände.

 

Im vorderen Bereich lässt sich mit etwas Glück der Vielfraß entdecken. Diese große Marderart gilt als ausgesprochen scheu. Darauf steuert der Tierparkbesucher zu, bevor er auf den frisch gesandeten Wegen zu weiteren Attraktionen der liebevoll gepflegten Anlage geleitet wird. Geländer leuchten in sandigem Gelbton, die Käfige sind in dunklem Grün gehalten. "Das dunkle Grün erlaubt einen besseren Blick auf die Tiere. Ein heller Farbton ist ungeeignet", weiß Tino Richter, der sich seit gut eineinhalb Jahren an der Seite von Dietmar Dörfel für das Klingenthaler Kleinod einsetzt.

Artgerecht umgebaut wurde die Voliere, in der die stolzen Uhus ihr Reich verteidigen. Das dazu passende Turmhäuschen entstand unter den geschickten Händen von Tinos Bruder Rico Richter, der inzwischen nicht mehr im Tierpark arbeitet. Gut vermarkten lässt sich auch das bis in die Erde gesicherte Wolfsgehege am Tierparkhang, aus dem die legendäre Wölfin Bärbel 2002 ausgebrochen war. Die spektakuläre Flucht der freiheitsliebenden Wölfin sorgte monatelang nicht nur bundesweit für Schlagzeilen. Riesig war die Betroffenheit, als ein Jäger Wölfin Bärbel erschoss. Auch Grizzly Taps ist Bestandteil der Marketing-Strategie des Tierparks. Deutschlands größter Grizzly brachte 700 Kilo auf die Waage und erreichte eine Standhöhe von 2,60 Meter. Ausgestopft steht er in Chemnitz. Ein nachgebautes gesponsertes Bären-Modell grüßt die Besucher am Eingang.

Umgebaut wurde in vielen freiwilligen Stunden auch das Warmhaus. Dort lebt nicht nur Waran "Willy". Auch die Landschildkröten haben eine ägyptische Sand-Oase gefunden. Wieder zurückgekehrt sind die Aquarien mit der Farbenpracht exotischer Fische. Das mit viel Bäumen und Kleingewächsen parkähnlich gestaltete Gelände lockt mit einem Erlebnispfad und verschiedenen Stationen, an denen Kinder die Natur begreifen lernen. . . So hat Landtagsabgeordnete Andrea Roth den Klingenthaler Tierpark bei ihrer Sommertour am Mittwoch leider nicht erlebt. In dieser Form existiert er jedoch noch immer in den Köpfen der Mitarbeiter, die sich tagtäglich für die Tiere und den Tierpark aufreiben.

"Guter Wille allein reicht nicht" Andrea Roth

"Es sind meines Wissen derzeit lediglich noch drei Festangestellte. In den 90er Jahren waren es mal 17 Beschäftigte", hat sich Andrea Roth notiert. Auch vier geringfügig Beschäftigte und zwei Leute, die über EU-Mittel für die Grünlandpflege zuständig sind, können die anfallenden Arbeiten nicht allumfassend erledigen. Die engagierte Tierfreundin seufzt schwer. "Ich bin betroffen von den Problemen, die sich hier auftun", gesteht die Politikerin der Linkspartei. "Der gute Wille der Mitarbeiter ist an vielen Ecken erkennbar. Aber deren Kraft reicht nicht", schätzt Andrea Roth ein. Die Stadt Klingenthal sei gefragt. "Die Stadt muss sich bekennen, ob sie ihren Tierpark überhaupt noch will", bringt es die Politikerin auf den Punkt. Diesen Eindruck erhärte auch die in Andrea Roths Augen unkontrollierte Abholzaktion von über 50 Fichten, Buchen und Eichen im unteren Teil des Geländes.

 

Nur dem Einsatz der Mitarbeiter sei es zu danken, dass eine Fichte vorerst stehen blieb, in der ein Falkenpaar brütet. "Ich habe den Eindruck, man will den Tierpark bewusst hässlich machen", zeigt sich Andrea Roth erschüttert. Auch der vor einigen Tagen überraschend durchgeführte Abriss des Wolfsgeheges stütze diesen Eindruck. Ihres Wissens nach plante Tierparkleiter Dietmar Dörfel eine andere Wolfs-Rasse als neue Attraktion anzusiedeln, wenn das Geld dafür aufgebracht werden könnte. "Der Klingenthaler Tierpark ist ohne Wölfe gar nicht vorstellbar. Wölfe gehörten immer hier her", gibt die Politikerin zu bedenken.

Sie hoffe sehr, der offensichtliche Rückbau im Tierpark (statt 50 Tierarten beherbergt Klingenthal nur noch 30) habe nichts mit dem Internats-Neubau auf dem Amtsberg in Klingenthal zu tun. "Wenn ich hier so vom ehemaligen Wolfsgehege Richtung 60-Meter-Bahn des Sportgymnasiums schaue, wäre das offenbar die ideale Erweiterung . . .", meint die Politikerin nachdenklich.

"Die Stadt muss sich mehr um dieses Kleinod kümmern" Andrea Roth

So wie sich der Tierpark jetzt präsentiere, könne er nicht punkten. "Wenn die Stadt auf Tourismus setzen will, muss sie sich mehr um dieses Kleinod kümmern", ist Andrea Roth überzeugt. Dass es auch anders gehe, zeigten die Beispiele Falkenstein und Hirschfeld. Sie werde umgehend mit der Stadtfraktion der Linkspartei in Klingenthal Kontakt aufnehmen und sich nach dem Stand der Dinge erkundigen.

Ein Tierpark, der bei Internet-Bewertungen mit "grausam" eingestuft werde, sei wohl nicht das, was Klingenthal wolle. "Hier muss endlich ein Ruck spürbar werden, der auf einem gemeinsam getragenen Konzept beruht", findet Andrea Roth. Das sei machbar, zumal die Stadt das Glück habe, auf viele Tierparkfreunde und engagierte Mitarbeiter aufbauen zu können.  Marlies Dähn