Bei Müll hört der Spaß (nicht) auf

Franziska und Roland Küffner sind Faschingsfreunde und verstehen manchen Spaß. Beim Thema Müll hört der Spaß aber für sie auf. Deshalb machte sich das Ehepaar einen Spaß und reihte sich am Sonntag in den Plauener Carnevalsumzug mit ein. Ihre Kritik an der Müllentsorgung im Vogtland kam super beim Publikum an.

Von Cornelia Henze

Plauen - Es ist Rosenmontag. Bei Küffners steht noch alles auf Karneval. Auf dem Wohnzimmertisch kringeln sich Luftschlangen, im TV läuft eine Faschingssendung, im Gesicht hat Franziska Küffner noch die bunte Schminke. Um den Hals eine Clownsschleife. Vor der Tür in dem Acht-Parteien-Haus, das den Küffners gehört, stehen eine volle und eine fast volle Mülltonne. Das große Ärgernis der beiden seit Januar.
"Die wöchentliche Leerung unserer 240-Liter-Tonne war ein eingespieltes System. Jetzt wird nur noch 14-tägig geleert und die Tonne quillt fast über", klagt Franziska Küffner. Als klar war, dass die acht Wohnungsinhaber keine zwei Wochen mit nur einer Tonne hinkommen werden, bestellten die Hausbesitzer eine zweite. Zeitgleich baten sie in der Kreisabfallbehörde, die nicht mehr im Dezember rausgestellte alte Tonne im Januar abzuholen. Auf die E-Mails habe es keine Antwort gegeben, erst bei mehrmalige Nachhaken kam es zum Kontakt. Die zweite neue Tonne solle nun diese Woche anrollen - beantragt im Januar. Jetzt ist März. Die alte Tonne indes bekamen Küffners erst geleert, nachdem sie im Landratsamt eine Müllbanderole gekauft hatten. Auch das gestaltete sich umständlich. Ein Antrag musste gestellt, Unterschriften geleistet werden. Von einer Mitarbeiterin im Amt gings zur nächsten. "Die Bürokratie ist extrem hoch", kritisiert Roland Küffner. Davon gestresst, kam dem Bauingenieur erstmals im Abfallamt der Gedanke: "Zum Faschingsumzug müsste man mal was zum Müll machen!"
Gesagt. Getan. Eine Woche vorher schrubbte das Ehepaar die alte, eigene Biotonne mit Fit sauber. Am Sonntag nun zogen sich die beiden Bauingenieure ihre Warnwesten über und hängten sich die selbstgeschriebenen Schilder um den Hals, auf die sie geschrieben haben: "Das neue Müllkonzept: 3 Jahre 'harte' Arbeit = Müll + Mehrkosten". Im Umzug sind die Küffners dann der Hit. "Viele am Straßenrand haben uns den Daumen hoch gezeigt, sind zu uns gekommen, haben gesagt: ,Das ist Klasse, was ihr macht'", lässt Frau Küffner das Feedback Revue passieren. Mit der Tonne rollten sie vom Westbahnhof bis zum Altmarkt, begleitet von Kindern und Enkeln. Dort hätte man Küffners Privat-Tonne fast mit einer öffentlichen verwechselt. Etliche Narren waren schon dabei, ihren Plastik-Bierbecher dort hinein zu entsorgen. Schließlich sahen die Küffners gestandenen Müllmännern nicht gerade unähnlich.
Nicht zum ersten Mal ist das Ehepaar im Faschingszug mitgelaufen. Einige male nur als lustiger Clown, vor wenigen Jahren, als die Stadt wegen zu viel Schnee mit dem Winterdienst nicht nachkam, zogen sie als Schneeschipper im Zug mit und boten ihre Dienste feil. Das war die erste Spitze, die Küffners karnevalistisch verteilte. Politisch wolle man sich nicht einmischen, gesellschaftskritisch schon, so die beiden. "Es sollte mehr Carnevalsgruppen geben, die solche Missstände auf die Schippe nehmen. Die großen im Rheinland machen es doch auch. Manches sollte gesagt werden, auch wenn sich am Ende nix ändert." Ein Thema, das Küffners ärgert, ist die mangelnde Straßenreinigung nach dem Winter. Die Stadtobersten müssen sich aber nicht bangen, dass das Paar dieses Thema im Faschingszug 2020 anbringt. Denn: "Nächstes Jahr sind wir in Köln!", verraten sie.