Beckmann mit ganz viel Herz

Es ist ganz einfach glaubwürdig und entspannt, was der Talk- und Entertain-Mann auf die Bühne bringt. Statt zu golfen macht er Musik, weil er das eigentlich schon immer machen wollte. Reinhold Beckmann ist auch als Spätstarter dieser Szene längst in ihr angekommen.

Von Udo Hentschel

Lichtentanne Wo Lichtentanne liegt, wusste Reinhold Beckmann bei der Anreise nicht. Er verirrte sich zunächst in die nebenan befindliche Christuskirche. Aber seine Agentur hatte von einer kleinen, als Kulturzentrum dienenden ehemaligen Kirche gesprochen. Und St. Barbara sei mit seinen Referenzen doch irgendwie eine Hausnummer über die Region hinaus. So war dann die Kulturkirche auch bis auf den letzten Platz gefüllt, umd Beckmann zu erleben. So mancher wollte den Sportmoderator an sich kennenlernen. Andere wollten live erleben, ob der Norddeutsche und als Singer/Songwriter Angekündigte, dieses Metier auch beherrscht. Insider waren gekommen, seine Lieder und seinen Talk zu sehen und zu hören.
Vorweg - er hat gemütlich gesnackt, er hat gesungen, er hat begeistert.
Gute drei Stunden präsentierte Beckmann einen lockeren Mix aus Episoden und Liedern. Die Stücke stammten aus seinen bisher zwei erschienenen CDs. Eine dritte sei kurz vor der Fertigstellung. Daraus gabs als Vorgeschmack schon mal "Du bist alles in einem" zu hören. Zum Konzert hatte ert Johannes Wennrich mitgebracht, der sonst zu Beckmanns vierköpfiger Band gehört. Im Duett gab es so auch brillantes wie virtuoses Gitarrenspiel zu hören. Von fast klassisch konzertant über angerockte Riffs, von Legato bis hin zu Staccato mit fast mexikanischem Temperament. Es war zu sehen, dass der Erfinder von "ran" in seiner Kindheit das Gitarrespielen erlernt hatte und es inzwischen vervollkommnet hat.
Beckmann fängt fast magisch die Aufmerksamkeit ein. Es ist seine Stimme, die Tonlage, egal ob gesprochen oder gesungen. Sie legt sich regelrecht beruhigend aufs Gemüt. Wachgerüttelt lediglich durch Lieder, die zum Mitklatschen animieren und teils - nach Aufforderung - zum Mitsingen. Egal, alles ist rund. Ob Beckmann von seiner Wehrdienstverweigerung spricht, vom Che-Konterfei, das damals von überall her grüßte, vom kleinen Ort Brake, wo angeblich am Horizont schon New York zu sehen sei, dass mancher Text im Vollrausch der Liebe entstanden sein müsse, von einem 2-DM-Adenauer-Tattoo, das mittlerweile eher Helmut Kohl ähnle.
Er zeigt klare Kante gegenüber Trump und lässt den Song "Gangster" folgen. Er kritisiert das Aussterben der Buchhandlungen. Die Betonung liege auf Buch. Denn reihenweise stünden nur noch Ratgeber über angstfreies Töpfern oder Yoga fürs Baby im Regal.
Der 63-Jährige singt mit Herzblut und feinem Text-Gespür. Die Musik sei nun seine Heimat. Darum legt er auch viel Empathie in seine Lieder, ob bei "Die Zeiten sind obskur", "Reinschlagen", "Sei mein Lächeln" oder auch "Der fünfte Beatle" - alles mit dem gewissen Schuss Charme.
Der studierte Germanist und Theater-, Film- und Fernseh-Wissenschaftler singt von seiner Perle Merle, dreht am Rad der Zeit. Es gibt einen Hypochonder-Song, einen für eine ganz besondere Fleischereifachverkäuferin Charlotte und er nimmt die Zuhörer mit auf einen Streifzug durch Bremen, präsentiert "Das Beste" und hätte in der Zugabe gut und gern auch singen können: "Ich mach alles, alles nur für dich" - für euch!