Bayern hält zu Flughafen Hof-Plauen

Hof/Plauen - Die ostfriesische OLT und erneut die Cirrus Airlines bieten an, vom Mai 2011 bis Ende März 2013 nach Frankfurt zu fliegen. In wenigen Tagen wird die Entscheidung über den künftigen Betreiber gefallen sein. Der bayrische Ministerpräsident Horst Seehofer hat sich direkt in die Verhandlungen über die Zukunft des Flughafens Hof-Plauen eingeschaltet. In einem Gespräch mit Vertretern der Flughafengesellschaft am Donnerstag versprach er zusammen mit Wirtschaftsminister Martin Zeil und Finanzminister Georg Fahrenschon: "Die Linie nach Frankfurt wird in jedem Fall fortgeführt." Nach Auskunft der Flughafengesellschaft wird Seehofer die "Endverhandlungen mit den beiden Bewerbern selbst begleiten, da dem Freistaat der Flughafen als Infrastrukturmaßnahme für die Region besonders wichtig ist". Seehofer habe zu einer weiteren Unterredung "um Ostern" eingeladen und die Frage aufgeworfen, ob es nicht sinnvoll wäre, "von Hof aus auch nach München oder Berlin zu fliegen". Eine solche Nord-Süd-Achse könne er sich "durchaus vorstellen". Die Flughafen GmbH sicher auch. Nach der europaweiten Neuausschreibung, deren Frist Mitte März endete, sind zwei Bewerber in der engen Wahl für die Regionalfluglinie Hof-Frankfurt: Die Ostfriesische Luft-Transport GmbH (OLT) mit Sitz im niedersächsischen Emden - und die Cirrus Airlines GmbH mit Sitz in Saarbrücken. Cirrus ist auch der aktuelle Linienbetreiber. Er hatte allerdings im Oktober vorigen Jahres seinen bis Ende März 2013 laufenden Vertrag unter Hinweis auf mangelnde Wirtschaftlichkeit vorzeitig zum 30. April 2011 gekündigt und so die neue Ausschreibung erforderlich gemacht. Die Unterlagen gingen beim bayerischen Wirtschaftministerium ein, das die Linie jährlich mit 2,3 Millionen Euro subventioniert. Weitere 600 000 Euro schießen die Stadt und der Landkreis Hof und der Kreis Wunsiedel zu, gestaffelt nach der Höhe ihrer Anteile an der Flughafengesellschaft. Anfang November 2010 hatte Zeil erklärt, die Staatsregierung stehe zu ihrem Wort: "Im Interesse der Region sind wir bereit, den Flugbetrieb auch mit einem neuen Partner zu den bisherigen Konditionen zu fördern." Über die Zahlen, die in den zwei neuen Angeboten stehen, ist öffentlich noch nichts bekannt. Wie Klaus-Jochen Weidner und Hermann Seiferth, die Geschäftsführer der Flughafen-GmbH, mitteilten, werden die Unterlagen nun geprüft, "um festzustellen, welche Finanzierung denkbar ist und welche Planzahlen realistisch sind". Die Linie sei ein wichtiger Mosaikstein für eine gute Anbindung der Region an die globalen Wirtschaftszentren. Vermutlich in der zweiten April-Hälfte, nach weiteren Gesprächen mit den beiden Bewerbern, werde klar sein, wer vom 2. Mai an bis zum 31. März 2013 auf der Frankfurt-Linie fliege. Die Cirrus hat den Vorteil, dass sie im Gegensatz zur OLT Partner der Lufthansa ist. Ein solcher Verbund ist deshalb nicht ohne Belang, weil auf diese Weise internationale Flüge von Hof aus gebucht werden können, ohne dass Passagiere in Frankfurt noch einmal einchecken oder Sicherheitskontrollen durchlaufen müssen. Auch das Gepäck geht von Hof aus direkt an den Zielort. Das alles wirkt sich günstig auf den Preis aus. Zudem werden die Fluggäste auf dem wichtigen Frankfurter Terminal 1 betreut. Möglicherweise gelingt es der OLT ja noch, eine Partnerschaft mit der Lufthansa zu schmieden, um diesen Nachteil auszugleichen. Die Gesellschaft ist in Hof nicht unbekannt: Von 1974 bis 1985 war sie mit der legendären Turboprop Twin Otter auf der Frankfurt-Linie unterwegs. Nun würde sie hier mit der 50-sitzigen Turboprop-Maschine Saab 2000 fliegen. Die Cirrus, die noch bis zum 30. April die Strecke bedient, setzt die 32-sitzige Turboprop Do 328 ein. Die Airline war wegen zahlreicher, auch technisch bedingter Flugausfälle in die Kritik geraten. Vor einigen Wochen versicherte sie den Flughafengesellschaftern, sie wolle in Zukunft "ein verlässlicher Partner" sein. Die Fortführung der Flüge nach Frankfurt ist für Hof-Plauen von existenzieller Bedeutung, weil der Regionalflughafen sonst zum Verkehrslandeplatz abgestuft würde. Und dann wäre der Weg nicht mehr weit, und in Pirk gingen die Lichter aus. Die Stadt Plauen erklärte, die Linie sei Bedingung für einen Verbleib in der Flughafen-GmbH. Andernfalls wäre ein Ausstieg aus der Gesellschaft, an der die Stadt zehn Prozent hält, unausweichlich. Am Dienstag wird der Vorstand der Flughafen GmbH tagen und über den Nachfolger auf der Linie befinden. "In Abhängigkeit dessen werde ich über eine weitere Beteiligung der Stadt Plauen sprechen und bei der nächsten Stadtratssitzung einen Vorschlag dazu machen", sagte Plauens Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer Ende März vor dem Stadtrat. Der Vogtlandkreis hingegen (Anteil: 15 Prozent) hat keine Zweifel an einer weiteren Beteiligung aufkommen lassen. Stadt Plauen wie Vogtlandkreis minderten 2010 den Betriebsverlust des Flughafens um 260 000 Euro. Dieses Defizit lag im Vorjahr neben den Unkosten der Linie noch einmal bei rund 1,3 Millionen Euro. Der Landkreis Hof hat seinen Zuschuss zum Flughafen-Betrieb 2011 vor Kurzem um 100 000 Euro auf 500 000 Euro gekürzt. Für die Fluglinie dagegen bleibt es bei einer "vorsorglichen Wirtschaftsförderung" von 322 000 Euro. T. H./M. T.