Bayerische Staatsregierung gedenkt in "Little Berlin"

Mödlareuth - Was für ein Tag der Freude und des Glücks, der hier in Mödlareuth, im Deutsch-Deutschen Museum, in die Erinnerung zurückgerufen wird mit starken Reden und großartiger Musik: Jener 9. November 1989, als das Volk der DDR nach über 40 Jahren der Diktatur die Mauern gesprengt und das Ziel erreicht hatte - Freiheit.

 

Nun, 20 Jahre später, wird in einem Festakt der Bayerischen Staatsregierung in "Little Berlin" ein würdiger Rahmen um diesen Tag gezogen. Das kleine Mödlareuth ist genau der richtige Ort für ein solches Gedenken. Unter den 300 Gästen sind etliche Staatsminister und Staatssekretäre, Abgeordnete, Landräte und Bürgermeister aus Bayern, Thüringen und Sachsen, Diplomaten und Vertreter des kulturellen, kirchlichen und wirtschaftlichen Lebens. Ein Film führt ihnen die Grausamkeit der Grenze in dem geteilten thüringisch-bayerischen Dorf mit einer drei Meter hohen und 700 Meter langen Betonmauer vor Augen. Das Museum zeugt von den schrecklichen Zeiten; es ist Geschichtsunterricht pur, Warnung und Mahnung zugleich.

Für den Hofer Landrat Bernd Hering, Vorsitzender des Museums-Zweckverbandes, läutete der 9. November 1989 einen "epochalen Umbruch" ein und das Ende des Kalten Krieges. Der Triumph der Freiheit sei der Beginn eines Prozesses gewesen, der von mutigen Menschen ausgegangen sei. Mauerfall und Wiedervereinigung seien "ein Geschenk und ein Wunder". Hering: "Wenn das, was die Menschen in der DDR mit ihrer friedlichen Revolution erreicht haben, kein Grund zum Feiern ist, was dann!"   "Die Tränen flossen bis um 6"   Der thüringische Innenminister Professor Dr. Peter Michael Huber war am Tag, als die Mauer fiel, in München. "Ich saß stundenlang vorm Fernseher. Mir liefen die Tränen runter bis früh um 6." Der Prozess des "großen Sieges" der Wiedervereinigung sei noch nicht beendet. Es gelte, die Erfolge der Demokratie weiterzutragen. Das sei Aufgabe besonders der Schulen.

Die Mahnung, dass auf deutschem Boden nie mehr ein Unrechtsstaat entstehen möge, stellt der sächsische Kultusminister Professor Dr. Roland Wöller in den Vordergrund. "Die Hunderttausenden der Revolution haben den Weg freigemacht zu Einigkeit und Recht und Freiheit. Doch je länger der Untergang der DDR zurückliegt, desto besser wird sie mitunter gemacht. Dieser Verklärung gilt es vorzubeugen."

Eine "Gänsehaut" hat der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer bekommen, als er am 9. November 1989 in Bonn während einer Bundestagssitzung vom Mauerfall erfuhr und die Minister, Staatssekretäre und Abgeordneten sich spontan von ihren Plätzen erhoben und die Nationalhymne sangen. "Es war unbeschreiblich. Jeder hatte den Wunsch, sofort nach Berlin zu eilen und sich ein Stück Mauer zu sichern." Er habe sich schon bald die Ergebnisse des real existierenden Sozialismus anschauen und in Pflegeheimen und Krankenhäusern ein Bild davon machen können, wohin die Verheißung geführt habe, alle Menschen seien gleich.

 

Aber: "In meinen fast 40 Jahren, die ich in der Politik bin, war die Zeit bis zur Wiedervereinigung die schönste, spannendste und erhebendste. Es ist mir ein Bedürfnis, den Deutschen im östlichen Teil unseres Landes zu danken und ihnen meinen Respekt und meine Anerkennung dafür auszudrücken, mit welchem Mut, mit welcher Kraft sie sich gegen Diktatur, Terror und Schikane erhoben haben." In den vergangenen 20 Jahren habe es in den neuen Ländern "eine großartige Bereitschaft zu Veränderung und Aufbau" gegeben - begleitet von starker Solidarität im Westen. Seehofer mahnt, Wahrhaftigkeit und Wahrheit nicht nur einzufordern, sondern zu praktizieren. Er verspricht, das Museum in Mödlareuth weiter zu fördern: "Dieser Lernort hält die Erinnerung wach. Wissen schützt vor Wiederholung."

Im Gespräch mit Moderatorin Stefanie Schulze von TV Oberfranken blicken Helga Weidlich, Mödlareuth Ost, und Karin Mergner, Mödlareuth West, zurück. Auch sie konnten es zunächst nicht fassen, was am 9. November vor 20 Jahren geschah. In all den Jahrzehnten vorher musste Helga Weidlich höllisch aufpassen, bei einem stillen Gruß über die Mauer nicht erwischt zu werden. Doch am 10. November rief sie von ihrem Fenster aus laut hinüber: "Guten Morgen!", und winkte und winkte.

  Wahrhaftigkeit und Wahrheit   Von der ersten grundlegenden Auseinandersetzung mit diesem Teil der deutschen Geschichte berichten sieben Schülerinnen und Schüler von Gymnasien in Zwickau, Jena, Hilpoltstein, Neumarkt in der Oberpfalz und Weiden. Beim Festakt präsentieren sie Ergebnisse eines Seminars im Mödlareuther Museum und eines deutsch-amerikanischen Jugendseminars in Bad Alexandersbad: "Die Frage von Ost und West stellt sich nicht mehr", sagen sie. Und: "Es war interessant, zu erfahren, dass dem US-Soldaten die Gefahr eines Krieges viel bewusster war als dem deutschen Soldaten."

Einen wunderbaren musikalischen Rahmen setzen die bayerisch-sächsisch-thüringische Chorgemeinschaft Mißlareuth-Feilitzsch unter ihrem Dirigenten Stefan Feig und das Bläserquintett der Hofer Symphoniker. va