Bauernmarkt in Plauen: Flotter Auftakt mit vielen Infos

Plauen - Das gab es in der 15-jährigen Geschichte des Europäischen Bauernmarktes noch nie: Durch ein Schneegestöber mussten sich am Samstagvormittag die rund 100 Gäste aus nah und fern den Weg zum Agrarpolitischen Gesprächs, traditionell der Auftakt des Marktes im Möbelhaus Biller, bahnen.

 

Und so passte auch das Lied "Dieser Weg wird kein leichter sein", das der Chor des Lessing-Gymnasiums sang, wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. So wie der Chor unter Leitung von Kathrin Satlow schon seit Jahren für die musikalische Umrahmung sorgt, so leitete ebenso traditionell Vogtland-Radio-Moderator Bernd Schädlich die Veranstaltung. Mit der sächsischen Erntekönigin Antje Georgi, die in Werda zu Hause ist, der Bad Elsteraner Brunnenkönigin Catharina Liebold und Julia Eichhorn, Miss Weltcup in Klingenthal hatten sich gleich drei Schönheiten die Ehre geben. Da fiel es Landwirtschaftsminister Frank Kupfer nicht schwer, vom Liebreiz der Vogtländer zu schwärmen. Zum zweiten Mal hat der Minister die Schirmherrschaft für den Bauernmarkt, der in Sachsen einmalig ist, inne. "Dass zum zweiten Mal hintereinander der gleiche Minister dies tun kann, ist nicht üblich,", sagte er mit einem Augenzwinkern. In 15 Jahren Bauernmarkt ist Kupfer der fünfte sächsische Landwirtschaftsminister.

 Den Vogtländern versprach er die Versorgung mit schnellem Internet. "Wir brauchen dazu aber die Telekommunikationsunternehmen. Und die mauern noch etwas", sagte er. Auch dem Thema gen-technik wandte sich der Minister zu und mahnte eine sachliche Diskussion an. "60 Prozent der Lebensmittel, die in der EU produziert werden und in den Regalen stehen, haben irgendwann in ihrer Entstehung etwas mit Gen-Technik zu tun bekommen. Wir dürfen und wollen die Gefahr von Gen-Technik nicht aus den Augen lassen. Sächsische Lebensmittel sind sicher", betonte er.

 In seiner Eröffnungsrede hatte Vize-Landrat Rolf Keil den Landwirten für ihren Einsatz gedankt und an die Verbraucher appelliert, für super Produkte auch einen fairen Preis zu zahlen. Allein im vergangenen Jahr hätten die vogtländischen Landwirte 150 Millionen Euro in ihre Betriebe investiert.

 "Die Bauern erhalten auch im Vogtland unsere Landschaft. Und deshalb bin ich froh über den gestrigen Beschluss der Bundesregierung, zusätzlich 750 Millionen Euro für Landwirtschaft zu geben, vorrangig als Prämien für die Milch- und Grünlandbauern", sagte auch CDU-Bundestagsabgeordneter Robert Hochbaum.

 Der sächsische Europa-Abgeordneter Dr. Peter Jahr, der die Nachfolge von Dr. Lutz Goepel antrat, versicherte, "den Anker an die Basis bewahrt" zu haben. "Es gibt genügend selbstbewusste Sachsen, die sich melden, wenn etwas nicht funktioniert." Zugleich blickte er auf die neue Agenda 2014 bis 2020 für die europäische Landwirtschaft. "Seit 1990 wurden den sächsischen Landwirten viele Reformen zugemutet. Ich bin mir sicher, dass wir auch die nächste Reform meistern werden. Wir haben es geschafft, den ländlichen Raum und die sächsische Landwirtschaft zu entwickeln und sind Selbstversorger."

 Michael Bretschneider, Vorsitzender des Vereins "Vogtländischer Bauernmarkt", hob zum einen die Erfolgsgeschichte des Bauernmarktes, der wie eine große Familie sei, hervor, sprach aber von den Schwierigkeiten, den Mark europäisch zu erhalten. "Nicht wegen mangelnder Interessenten. Doch die Europäer haben meist einen langen Weg, müssen ihre Höfe in der Marktzeit weiterführen und brauchen deshalb die nötigen Einnahmen auf dem Bauernmarkt. Außer Spesen nichts gewesen, ist eine schlechte Motivation. Deshalb ermuntere ich alle Besucher, zu probieren und auch zu kaufen."

 "Auf dem Bauernmarkt bekommt die Ware ein Gesicht, damit ist der Genuss ein besonderer", wirbt auch Plauens Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer. Dass die Idee des Plauener Bauernmarkt zu einem Exportschlager wird, sagte der Österreicher Franz Mader: "Es gibt inzwischen solche Europäische Bauernmärkte in Österreich und in Bayern."

 Weil der Bauernmarkt alle Sinne ansprechen will, gehört die Kultur dazu. Seit Jahren treten Kindertagesstätten mit ihrem Programm auf. Und auch Ruth Müller-Landauer ist seit 15 Jahren mit ihren Kindergruppen dabei. Am Samstag präsentierte die Neideiteln drei junge Mädchen in vogtländische Tracht und wagte mit den holländischen Käse-Produzenten Riet und Teuni van Vliet auch einen Holzschuhtanz. Ihr durften es dann Minister Kupfer und Robert Hochbaum gleichtun. Und Dr. Jahr schlürfte in Holzschuhen auf die Bühne, um dort den Markt zu eröffnen. M. T.