Barrierefrei dank Lego

Plauens Läden sind nicht immer ganz einfach zu betreten - für Menschen mit Behinderung. Da wurde eine Idee geboren und jetzt in der Spitzenstadt umgesetzt: Mittels Rampen aus Lego-Bausteinen gelingt die Zufahrt ins Geschäft.

Von Frank Blenz

Plauen - Großer Bahnhof gestern am Eingang einer Apotheke am Löwelplatz: an der Eingangserhöhung liegen zwei Rampen, die aus Legosteinen zusammengesteckt sind. Von drinnen wagt sich vorsichtig eine Frau mit ihrem Rollstuhl über diese kleinen Schrägen - eine Premiere. Erstmals steht eine solche "Rampe" für Menschen mit Behinderung in Plauen zur Verfügung. Rolly-Fahrerin Mandy Rauh gefällt das Ganze: "Ich habe erst gedacht, es hält nicht, aber es war gut." Weitere zur Präsentation eingeladene Rolly-Fahrer probieren die Rampe aus Legosteinen und sind ebenfalls zufrieden.
"Die Idee ist nicht neu, wir haben sie als Projekt voriges Jahr im Advent aufgenommen und als Partner die Montessori-Schule gewinnen können. Zum Plauener Frühling sollte die Premiere auf der Großen Bühne sein, aus bekannten Gründen fiel das aus, also sind wir jetzt hier am Löwelplatz", berichtet Rico Kusche vom Gewerbeverein Plauener Initiative. Kusche kennt die Befindlichkeiten der Gewerbetreibenden, Ladeninhaber und Gastronomen. Barrierefreiheit zu realisieren ist wegen Bauvorschriften und Denkmalschutz nicht immer einfach. Lego aber ist eine schlichte Alternative. Unkompliziert rollt es sich über die zwei kleinen Rampen, die schnell angelegt und wieder aus dem Eingangsbereich entfernt sind.
Wer hat die Rampen gebastelt? "Das sind vier Jungs aus der Montessori-Schule, die weitere Bestellungen erwarten können", so Kusche. Einer von ihnen ist Emil Gadsch, 14 Jahre jung. "Etwa 200 Teile sind für eine Rampe nötig, wir haben lange getüftelt, damit die halten und passen", berichtet er. Die Teile sind zusammengesteckt und verleimt. Der Untergrund ist rutschfest. Inzwischen liegen fünf weitere Bestellungen vor. Mit zur Initiative gehört Jana Richter-Wehnert von der Behinderten-Wohnstätte Syratal in Kauschwitz.
"Wir freuen uns, dass es diese Nachfrage gibt. Dafür benötigt es aber auch Material. So haben wir Sammelstellen für Legobausteine eingerichtet, mittlerweile sind es mehr als ein Dutzend im Stadtzentrum. Unter anderem können Legos abgegeben werden im Blumenladen Kreativ, bei Malzeit oder in der Hypovereinsbank", sagt Frau Richter-Wehnert