Bald heißt es endlich wieder Hiddensee . . .

Oelsnitz - Zu Ostern an die Ostsee? Sicher träumt nicht jeder vom nördlichen Gestade in diesen eisigen Tagen. Für Hannelore und Günter Weiß aus Oelsnitz dagegen heißt es: "Endlich wieder Hiddensee". Unter diesem Titel hat die Frau des Malers und Grafikers ein Buch geschrieben und so ihre Tagebuchnotizen vom vergangenen Herbst verdichtet. Idee und kreativer Schwung kamen mit dem Ende ihrer Berufstätigkeit als Schulsekretärin. Ihr Künstler-Ehemann steuerte die Illustrationen bei, ein treffendes zeichnerisches Pendant. Die ersten Bändchen entstanden mit Hilfe von Computer und Drucker im Atelier in der Otto-Riedel-Straße. Eigensinnig haben beide an Text und Layout gefeilt.

In dieser Woche werden die ersten Exemplare des gemeinsamen Werks die Plauener Druckerei Ott verlassen und nach Hiddensee verschickt. Dort eröffnet Günter Weiß in der Hotelgalerie "Heiderose" die neue Verkaufsausstellung "Land und Meer".  Die 25 kleinformatigen Arbeiten - Acrylbilder, Pastelle, Kaltnadelradierungen und Holzschnitte - zeigen ausschließlich Hiddensee-Motive. Seit 2004 stellt der Künstler alljährlich auf der Insel aus. Urlaub und Arbeit verbinden sich. Was Günter Weiß am Meer mit Bleistift oder Kugelschreiber skizziert und zeichnet, wird oft zu Hause im Atelier als Grafik oder Malerei ausgeformt. Nach dieser Metamorphose gehen einige der Arbeiten im nächsten Jahr mit auf die Reise nach Hiddensee. Erfreulich für den Künstler ist die gute Resonanz. "Die Bilder verkaufen sich, die Leute nehmen sie als Erinnerung mit nach Hause", erzählt Weiß.

Zum ersten Mal kam seine Frau Hannelore, die aus Aue stammt, mit 18 Jahren als Tagestouristin nach Hiddensee. "Seitdem ist meine Liebe zu dieser Insel ungebrochen", schreibt sie in ihrem Buch. Durch seine Frau hat Günter Weiß die Insel entdeckt. Seit 1995 sind sie einmal im Jahr gemeinsam hier - zu den verschiedenen Jahreszeiten "bis auf den Winter". Auch Günter Weiß ist dem Inselzauber erlegen. "Mich begeistern die freie Sicht und das besondere Licht", schwärmt der Landschaftsmaler.

"Die umständliche Anreise nehmen wir gern in Kauf", erzählt die Malersfrau. Mit dem Auto geht es über die A 72 und den Berliner Ring Richtung Norden. Auf der neuen großen Brücke über den Strelasund - auch sie hat Weiß gezeichnet - fährt das Paar auf die Insel Rügen nach Schaprode. Der mobile Untersatz muss auf dem Stammparkplatz zurückbleiben - Hiddensee ist autofrei, aber nicht ohne PS.

Mit der Fähre setzen die Reisenden nach Neuendorf über. Danach zieht der Pferdewagen die Urlauber samt ihrem Gepäck über den Deich. Nach dem Ausschlafen am nächsten Morgen werden die Rucksäcke gepackt. "Erst einmal durch die Heide zum Strand laufen - das ist ein Ritual", schreibt die Autorin in ihrem Reisetagebuch. Alles Schwere ist für sie zurückgeblieben. Ein anderes Zeitgefühl stellt sich ein. "Die Heide liegt in morgendlicher Stille, keine Menschenseele, ich atme, atme, atme", gibt sie ihrer Freude Ausdruck. Zur Fortbewegung auf der Insel steht das Fahrrad zur Auswahl, doch Hiddensee muss man zu Fuß erkunden, hat Hannelore Weiß erfahren. Nur so kann man sie genießen, "die tollen Farbspiele von Wasser und Himmel", die wunderbaren Töne des Schilfs, die Pracht des Sanddorns, die Nähe der Strandläufervögel. Hin und wieder wählt das Paar den Inselbus, um zu den kulturellen Treffs, Ausstellungen und urigen Museen zu kommen. Beider Aufenthalt ist auch eine Suche - nach dem vertrauten Alten und dem noch unbekannten Neuen, denn auch auf der Insel steht die Zeit nicht still. Doch manchmal bedeutet Veränderung nichts Gutes. So lasen beide mit Entsetzen im Vogtland-Anzeiger vom plötzlichen Abriss des Gret-Palucca-Hauses durch den privaten Besitzer, dessen Interesse der Vermarktung des Grundstücks gilt. Die weggeräumte Erinnerungsstätte an die große Tänzerin ist ein Verlust für die Insel. "Zum Lesen am Strand oder zum Erinnern an schöne Inseltage" haben Hannelore und Günter Weiß ihr mit einer Fülle an Tipps gespicktes Tagebuch "Endlich wieder Hiddensee" bestimmt. Im Vogtland ist das Werk vorerst nur über das Künstlerehepaar zu beziehen. Landschaftsbildern vom Meer kann man in der Vogtland-Sparkasse Auerbach neben vielen interessanten Arbeiten des Malers begegnen. Die große Ausstellung von Günter Weiß ist noch bis zum 17. April geöffnet. Zu seinem 70. Geburtstag im kommenden Jahr wird Schloss Voigtsberg eine umfangreiche Retrospektive seines Werks zeigen.