Bahnhofstraße in Plauen wird Konzertsaal

Die Bahnhofstraße war Samstagabend ungewöhnlicher Schauplatz eines Klassikkonzertes, bei dem Balkone und Terrassen von Wohnhäusern als Bühne, die Straße als "Publikumssaal" dienten. Die "Wassermusik" von Georg Friedrich Händel wurde gespielt. Ein absolutes Novum für die Stadt.

Besonders fühlte es sich an, mit vielen anderen Leuten unterschiedlicher Generationen auf der Bahnhofstraße im Klappstuhl zu sitzen, auf die zur Bühne gewordene, beleuchtete Hausfassade eines- WbGBlocks zu schauen und dem Orchester des Vogtlandtheaters bei einem Klassikkonzert zuzuhören.

Ältere, jüngere Pärchen standen auch neben den Stuhlreihen, manche sich umarmend, um die Aufführung genießend. Kleine Kinder wuselten auf den freien Flächen der Szenerie, aus Picknickkörben wurde Proviant ausgepackt und zum Musikgenuss Brotzeit gehalten. Aus Fenstern wurden Bowle, Fruchtspieße und Brezeln mit Wiener Würstchen gereicht. Das Freiluftkultureignis war absolut erstmalig.

Musikalisch untermalt wurde die besondere Stunde um so mehr, als dass die Klänge des Händel?schen Werkes nicht laut tönten - fein dosiert brachte das Orchester Note um Note akustisch zu den Menschen, fast vorsichtig und rücksichtsvoll, um den schönen Abend zu einem gelungen zu machen.

Laut sind heutzutage Feste ja oft, auf der Bahnhofstraße wurde diese Mondscheinserenade geradezu zelebriert. Herunter gedimmt war die Hektik des Alltags, der Mond schaute in fast voller Gestalt zu und der Regen hatte sich Stunden zuvor verabschiedet. Erdmut Philipp, Waldhornbläser, stand mit einigen Kollegen auf den Balkonen mit Blick auf die Zuhörer und das Kino. "Das hatte schon was", meinte er später, "so besonders aufzuspielen.

Ich habe mich, zugegeben, auch bissel einsam gefühlt. Doch es klang so fein und der Beifall hörte sich wunderbar von da oben aus an", sagte Erdmut Philipp. Beifall gab es nach jedem gelungenen Abschnitt des Konzerts und zum Abschluss mit viel Herzlichkeit von den Plauenern.

"Ich bin glücklich, ich kann gar nichts sagen, es ist so schön", fand Manuela Buchta, die Frau, die die Idee mit dem Konzert auf der Bahnhofstraße hatte und sie mit zahlreichen Mitstreitern in die Tat umsetzte. "Da ist unser Team vom Verein Wohn- und Lebensräume, von der Wohnungsbaugesellschaft, den Mietern, den Musikern, den Leuten vom Theater, den vielen anderen Helfern und Mitwirkenden - das hat alles so entspannt und gut geklappt", schwärmte sie ergriffen.