Bäume gefällt - gefällt nicht

Der Elsterradweg in Plauen wird ausgebaut - auf 1435 Metern zwischen Hammerplatz und Friesenbrücke. Doch Naturfreunde sind entsetzt: Warum müssen so viele gesunde Bäume dafür weichen?

Plauen - Stümpfe säumen den Weg, Stämme - manchmal zerteilt - liegen daneben, Äste und Gesträuch türmen sich. Auf hunderten Metern sieht es aus wie Kraut und Rüben: Ungezählte Bäume wurden Ende Februar umgesägt entlang eines intakten, wenn auch schmalen Rad- und Wanderweges neben der Elster.
"Ein vorhandener Tip-Top-Rad- und Wanderweg wurde geopfert", sagt Rudolf Rannacher, Ornithologe und ehrenamtlicher Naturschutzhelfer; er spricht von Steuergeld-Verschwendung. "Es war ein idyllischer Weg mit Blätterdach. Gleich daneben hätte man einen alten Fahrweg nutzen können für den Neubau, wenigstens auf einem Teil der Strecke."
Rannacher und andere Naturfreunde befürchten, dass die vor der Brutsaison ab März erfolgte Fäll-Aktion erst der Anfang ist: Demnächst werden Baumaschinen wie Lkw und Planierraupen durch die Natur donnern, weil das Holz abtransportiert wird und weil Erdarbeiten erfolgen - nicht zuletzt, weil vermutlich auch ein Damm aufgeschüttet wird. "Dann werden Seltenheiten wieder aufgeschreckt wie Eichelhäher und Heckenbraunelle, Zaunkönig und Wasserfledermaus."
In der Stadt gebe es manchen Fußweg in schlechtem Zustand. Das Geld, was hier an der Elster verbaut wird, sollte man Rannacher zufolge in solche Fußwege investieren. "Oder noch besser: in Projekte für den Naturschutz."
Die Umweltfreunde setzen sich ausdrücklich für Radwege ein - aber Bäume in Größenordnungen dürften dafür nicht unnötig geopfert werden. "Bundeslandwirtschaftsministerin Glöckner hat gerade den schlechten Zustand des deutschen Waldes beklagt", sagen die Naturschützer - und ärgern sich, dass sie wieder mal nicht eingebunden waren bei einer Baumaßnahme in der Natur. "Die Naturschutzbeauftragten und -helfer engagieren sich ehrenamtlich. Wir haben keinen Anspruch auf Geld - aber einen Anspruch, ernst genommen zu werden", sagt Rannacher.
Was sagt der Bauherr, was sagt der Vogtlandkreis? Naturschutzgebiete seien von der jetzigen Maßnahme nicht betroffen, auch Arten nicht gefährdet. Das Umweltamt des Landkreises und andere Naturschutzbehörden seien eingebunden - und es erfolgen Ausgleichsmaßnahmen in Zusammenarbeit mit dem Staatsbetrieb Sachsenforst. Es seien Ersatzpflanzungen vorgesehen, zum Beispiel Hecken, Nistkästen für Vögel und Fledermäuse sowie Stein- und Holzhaufen für Reptilien in Bahndammnähe.
Weiter teilt das Landratsamt mit: Der Bau des 71 Kilometer im Vogtlandkreis langen Elsterradweges hat 2009 begonnen - ein Ende ist nicht abzusehen: Baurecht zu bekommen sei schwierig und zeitaufwendig.
Die im Bau befindlichen 1435 Meter in Plauen zwischen Hammerplatz und Friesenbrücke kosten gut 618.000 Euro. Der Radweg wird 2,50 Meter breit zuzüglich zweier 0,5 Meter breiter Bankette: Ab Hammerplatz parallel auf dem Damm der Weißen Elster entlang der Schneider Textilveredlung GmbH bis nach der Hammerbrücke unter der B92 entsteht ein 440 Meter langer Abschnitt in Asphaltbauweise. Auch der 315 Meter lange Endabschnitt nach der Bauwerksunterführung bis Bauende Friesenbrücke ist so geplant. Und die 680 Meter dazwischen? Der Abschnitt, für den eine Waldumwandlung erfolgte auf dem Damm der Weißen Elster, wird in ungebundener Bauweise ausgeführt.
Den Bau führt die Fachcenter Garten+STL-Bau GmbH aus Hauptmannsgrün aus. An der Ausschreibung hatten sich zehn Firmen beteiligt.
Hätte es Möglichkeiten gegeben, den Weg zehn Meter vom Ufer entfernt verlaufen zu lassen, dort, wo sich der Fahrweg befindet - um den Baumbestand zu schützen? Der Staatsbetrieb Sachsenforst hat laut Landratsamt genehmigt, 2310 Quadratmeter Wald "umzuwandeln" in für den Radweg. Linienführung abseits des Dammes der Weißen Elster hätte mehr Wald beansprucht. Außerdem werde der fertige Radweg genutzt: Von der Landestalsperrenverwaltung, um den Elsterdamm zu pflegen, und vom Zweckverband Wasser und Abwasser ,Vogtland' (ZWAV), um die zentrale Abwasserleitung der Stadt Plauen zu warten.
46 Kilometer (gleich 65 Prozent) des im Vogtland 71 Kilometer messenden Elsterradweges sind bisher "saniert", wie das Landratsamt schreibt. Der Weg sei im Vogtlandkreis durchgängig - mit Ausnahme des gesperrten Abschnittes südlich Adorf - befahrbar.
In diesem Jahr wird zwischen Hammerplatz und Friesenbrücke gebaut, in den folgenden Jahren habe man die Abschnitte Neudörfel-Elsterberg und Dürerbrücke-Leuchtsmühlenweg über Panzerbrücke im Blick sowie Jugendherberge Dobeneck bis Staatsstraße Taltitz und Weischlitz-Pirk. ufa