Badewasser unter Kontrolle

Drei Hygiene-Inspektoren des Landratsamtes haben ein Auge auf Talsperren, Becken und Gewässer, in denen Schwimmen erlaubt ist. Doch zwei beliebte Teiche und der Vogtlandsee gehören nicht dazu.

Von Uwe Faerber

Plauen - "Wir kontrollieren mindestens ein Mal pro Monat sämtliche Freibäder im Vogtland sowie die Talsperren Pöhl, Pirk und Falkenstein", sagt Hygiene-Inspektorin Marion Gehring, die mit zwei Kolleginnen die 60 öffentlichen vogtländischen "Badestellen" überwacht: Hallen- und Freibäder werden nach DIN geprüft, Naturfreibäder wie das in Bad Elster nach Empfehlung des Umweltbundesamtes, die Talsperren nach Sächsischer Badegewässerverordnung.
Wie Frau Gehring berichtet, sind die Kontrollen allermeist unangemeldet. "Bei Hallenbädern sind Eigenkontrollen der Betreiber üblich."
Wie läuft eine Wasserprüfung an Talsperren und Gewässerbädern ab (die anderen sind umfangreicher)? Gehring zufolge wird je ein Viertel-Liter Wasser geschöpft: In der Talsperre Falkenstein gibt es eine Entnahmestelle, an der Pirk gibt es 2, an der Pöhl 4. "Das Wasser geht per Kurier an die Sächsische Landesuntersuchungsanstalt, wo es auf Fäkal-Keime untersucht wird. Außerdem nehmen wir eine Sichtkontrolle vor, ob es beispielsweise einen Ölfilm gibt. Und wir fahren per Boot hinaus, um die Wassertemperatur zu messen und die Sichttiefe zu bestimmen - per Secchi-Scheibe (siehe Kasten)."
Frau Gehring nennt folgende Sichttiefen (26. Kalenderwoche): Falkenstein: 2,90 Meter, Pirk: 3 bis 5 Meter, Pöhl 2 bis 3 Meter. "Alle drei Talsperren sind sehr gute Badegewässer. Die Sichttiefe ist nicht entscheidend."
Wie die 52-jährige Fachfrau weiter erklärt, sind Algen meist ungefährlich. "Die Unruhe unter der Bevölkerung hat bei Grünalgen keinen Grund. Obacht ist geboten bei der Massenentwicklung von Blaualgen, weil neben den Toxinen mit Begleitbakterien zu rechnen ist. In der Pöhl ist mir aus den vergangenen 25 Jahren nichts Kritisches in Erinnerung. Auch in der Talsperre Falkenstein ist es unwahrscheinlich, in der Pirk könnte es allerdings sein", sagt Frau Gehring im Gespräch, die einen Abschluss als Hygiene-Ingenieur hat und seit 33 Jahren im Job ist.
Zu den Prüfobjekten im Vogtlandkreis zählen ebenfalls die Schwimmbecken in zwei Kindergärten (weil sie mit Filteranlage und Pumpe betrieben werden), das Übungsbecken in Reichenbach und das Lehrschwimmbecken in der Lengenfelder Schule. Außerdem gehören Anlagen in Kliniken, Hotels und in Physiotherapien dazu.
Was kosten die Prüfungen eigentlich? An der Pöhl seien es 200 Euro, Freibäder schlügen mit Beträgen zwischen 150 und 700 Euro zu Buche (je nach Anzahl der Proben, Art des Schwimmbeckens und weil auch die "Chemie" und die Wasseraufbereitung geprüft werde). Frau Gehring zufolge muss man in natürlichen Gewässern immer mit Unwägbarkeiten rechnen. "In öffentlichen Freibädern kann jeder Badegast helfen, das Wasser sauber zu halten: Vor dem Schwimmen duschen."
Bleibt eine Frage: Warum gehören der Hauptmannsgrüner Mühlteich, der Irfersgrüner Badeteich und der Vogtlandsee nicht zu den geprüften Badegewässern. "Weil die Gewässer nicht als öffentliche Badestellen ausgewiesen sind."

 

Sercchi-Scheibe: Die Secchi-Scheibe ist benannt nach dem italienischen Universalgelehrten und Jesuitenpater Angelo Secchi, der die Scheibe 1865 entwickelt hat, um die Sichttiefe in Gewässern zu ermitteln: Im Landratsamt des Vogtlandkreises verwendet man Porzellanscheiben im Durchmesser von 30 Zentimetern, die in vier Sektoren geteilt sind - weiß, schwarz, weiß, schwarz. Mittels im Mittelpunkt befestigter Schnur wird die waagerecht hängende Scheibe ins Wasser abgelassen, immer tiefer. Wenn sie nicht mehr zu sehen ist, kann die Tiefe an Markierungen der Schnur abgelesen werden. ufa