Baden trotz Blaualgen

Gut, dass es die Rettungsschwimmer, Bootsführer und Notfallsanitäter gibt: Auf der Talsperre Pirk und fünf Kilometer rings um den Stausee sind sie im Einsatz, um das Schlimmste zu verhüten.

Oelsnitz/Taltitz - "Seit 1997 ist keiner ertrunken", sagt Jens Weigel, der Leiter der DRK-Rettungswache an der Pirk. Mit zehn Kollegen (immer zwei haben Dienst) wartet er am Rettungsturm auf seinen Einsatz - von Mai bis September, wochenends von 9.30 bis 18 Uhr und in den Sommerferien täglich. Bemerkenswert ist, dass alle Helfer ehrenamtlich arbeiten - in ihrer Freizeit und im Urlaub. "Dafür bekommen wir eine Aufwandsentschädigung."
Im Fall der Fälle rücken die Helfer mit dem Motorboot aus oder dem Audi A6, der wie ein Notarztauto ausgerüstet ist. "Im Schnitt haben wir zwei Einsätze pro Tag, aber auf der Talsperre passiert am wenigsten: Mal helfen wir, weil ein Boot gekentert ist, oder weil sich einer beim Schwimmen überschätzt hat und keine Kraft mehr hat. Nicht selten ist jedoch Alkohol im Spiel", erklärt der 52-jährige Weigel.
Und was sind die Gründe für die Einsätze am Land? Nach seinen Worten handelt es sich dann oft um Schlaganfälle, Herzinfarkte, allergische Reaktionen (nach Insektenstichen oder falschen Medikamenten) und Stürze.
Weigel, der auch die DRK-Rettungswache Falkenstein leitet, ist ein alter Hase: Seit 1984 - seinerzeit war er 16 - macht er Dienst als Rettungsschwimmer. Damals wie heute leiste das DRK keine Badeaufsicht, sondern Wachdienst. "Bei einem Notfall werden wir gerufen."
Mit Falten auf der Stirn sieht Weigel den sinkenden Wasserspiegel der Pirk: "Es regnet nicht und die Talsperre gibt mehr Wasser ab, als ihr zufließt." Deshalb habe man den Steg schon zweimal verlegen müssen, an dem die beiden Rettungsboote vertaut sind. Das Sinken des Wasserspiegels gehe nicht ewig, sagt Weigel. "Es werden bald die Felsnasen auftauchen, ein Brückenlager von früher, der alte Bahndamm und die Vorsperre. Dann kann man nicht mehr mit dem Boot fahren." Nach seinen Angaben verlief der Saisonstart in diesem Jahr schleppend - vor allem wegen Corona. "Aber 14 Tage vor den Ferien ging es dann richtig los."
In den Urlaub fährt Familie Weigel nach eigenem Bekunden im Sommer nicht. Vor- und Nachsaison sind angesagt. Im Apri waren wir schon öfter in Ägypten und im Oktober geht es weiter weg - in die Karibik oder Südostasien. Dort kann ich meinem Hobby frönen: Tauchen." ufa