Bad Elster: Vom Walddorf zum Weltbad

Die Kamerafahrt aus der Vogelsperspektive über das verschneite Bad Elster ist eine Augenweide. So kennt man den Kurort noch nicht. Montagabend war der Blaue Salon im Königlichen Kurhaus ausverkauft.

Bad Elster - Stephan Seitz, Marketingdirektor der Chursächsischen Veranstaltungs GmbH, und Helfer schafften eilends weitere Stühle herbei. Einen Abend früher als das Fernsehpublikum sehen die Gäste den neuen MDR-Film "Bad Elster". Für Seitz ist es eine "Weltpremiere". Dazu begrüßt er Filmemacherin Anna Schmidt und Fernsehredakteurin Ina Klempnow.

"Vom Walddorf zum Weltbad" heißt es auf der Leinwand. Entscheidend zum Aufstieg bei trugen Glanz und Gloria des Sächsischen Königshauses. Als König Friedrich August II. Bad Elster 1848 zum Königlich Sächsischen Staatsbad adelte, löste das einen Bauboom aus, kommt Autor Geza Nemeth zu Wort.

Die vornehme Welt will "sehen und gesehen werden", Moorbäder und Kultur genießen. 1898 entsteht das Kurtheater - gefolgt 1914 vom neuen opulenteren Bau - 1911 das Naturtheater, heute Deutschlands älteste Freilichtbühne. Das Kurorchester wird gegründet, sieben historische Spielstätten in die Neuzeit vererbt.

"Die Schönheit des Ortes konnte auch der triste DDR-Alltag nicht überdecken", sagt Altbürgermeister Christoph Flämig im Film. Das Gästebuch der familieneigenen Pension "Linde" schlägt Martin Schwarzenberg auf. Dort haben sich 1906 Gäste aus New York und Moskau eingetragen. Er lobt die weltoffene Atmosphäre heute. Grund ist die Entwicklung zur Festspielstadt - an deren Beginn der junge Dirigent Florian Merz eine Lebensaufgabe im Kurort fand.

Musik darf auch zum Filmabend nicht fehlen. Eine Vorstellung von mondänem Leben gibt Pianist Radium Vojir mit frechen Operettenmelodien. Bademädchen zu werden, war die Krönung für ein Mädchen", erzählt Zeitzeugin Marianne Sörgel. Das Gesicht der 95-Jährigen in Großaufnahme, ihr Witz und ihre Natürlichkeit, sind starke Momente des Films. Sechs Jahre lang - mit der Heirat war Schluss - hat sie als junge Frau in der Moorabteilung gearbeitet, "eine schöne schmierige Sache", findet sie.

Abgespült wurden die moorigen Leiber per Gießkanne. "Wir durften nur die Damen machen", erinnert sich Frau Sörgel - und erntet stürmisches Gelächter. Morgens Fango, abends Tango - dahin sind die Zeiten. Kurgäste - oft mit Rollator - bewegen sich heute im Umfeld der Kliniken, erzählte Dr. Klaus Hofmann. In der DDR sei Bad Elster für seine Kurschatten bekannt gewesen. Denn auch Junge und Gesunde waren unter den ganzjährig rund 30.000 Kurgästen.

Wird das Moor heute noch - wie im Film behauptet - am Ortsrand von Bad Elster abgebaut? Frischmoor ist in Bad Elster nicht mehr vorrätig, klärt sich die Frage in der Diskussionsrunde. Das verwendete Moor wird abgelagert und immer wieder rekultiviert, Frischmoor einmal jährlich aus der Gegend nördlich von Berlin zugeführt.

Acht Tage lang - nach dem Beginn der Recherche vor zwei Jahren - wurde jetzt in Bad Elster gedreht, beantwortet Anna Schmidt die Zuschauerfrage. Bewusst habe sie sich für den Winter entschieden - weil er ein so schöner Kontrast sei für die Aufnahmen in der Moorbadewanne. Als es vor zwei Wochen schneite, habe man kurz vor Film-Abnahme alle Außenaufnahmen ausgetauscht, "weil Bad Elster bei Schnee ein zauberhafter Ort ist". Wie die Menschen auf sie gewirkt haben, will ein Besucher wissen. "Herzlich, aufgeschlossen, von rauer Schale habe ich nichts bemerkt", gibt die Filmemacherin Auskunft.

In der Fernsehreihe "Der Osten - Entdecke, wo Du lebst" stellt der MDR geheimnisvolle Orte vor, erzählt ungewöhnliche Geschichten vom Leben in Mitteldeutschland und nimmt die Zuschauer mit auf Entdeckungsreisen durch ihre Heimat, informierte Regisseurin Ina Klempnow. Anlässlich des Jubiläumsjahres zu 200 Jahren Gesundheitstradition widmet sich die neue Reportage Bad Elster. Wer den Film im MDR-Fernsehen verpasst hat, kann ihn sich ein Jahr lang in der Mediathek des Senders ansehen.

"Sehr interessant", fand Kurgast Jürgen Weiß aus Aue den halbstündigen Streifen, "neben schon Bekanntem hielt er echte Überraschungen bereit". Gut gefallen hat den Pensionsinhaberinnen Angelika Windecker und Petra Gilles die Verbindung von Altem und Neuem und "dass alles gestimmt hat".

Gerhard Brunner, der Initiator des Bademuseums, lobt, "dass sich geachtete Persönlichkeiten als Gesprächspartner zur Verfügung stellten". "Eine hochwertige Werbung für Bad Elster", meinte Bürgermeister Olaf Schlott, der im Film nicht zu Wort kam, aber das nicht schlimm findet.