Backtröge und handverlesener Whisky

Hochbetrieb herrschte zum Kunsthandwerkermarkt an zwei Tagen überall im Landwüster Museumsgelände. Selbst die Regenschauer am Samstag beeinflusste die gute Laune der Besuchern kaum. Es wurde geschlemmt, gekauft und geschnuppert.

Von Helmut Schlangstedt

Landwüst - Wo ist hier das Nest? Wahre Völkerscharen bewegten sich am Sonntag zu Fuß in Richtung Museum, um dort den nunmehr fünften Kunsthandwerkermarkt zu stürmen, der von der Agentur marktwert in Berga veranstaltet wird. Und dort gab es wirklich eine ganze Menge zu entdecken. Kaum war man im Gelände angelangt, umwehten die Nase erst einmal aromatische Düfte von etwas Essbarem verschiedenster Art. Dazwischen Stände mit allerlei Handwerkskunst wie Weidenkörbe oder Gartendeko, die vorbeugend gleich mal mit "Fotografieren verboten"-Schildern versehen war. 
Doch auch Essen und Trinken ist irgendwie eine Kunst. So sah man hier Simone Magdeburg aus Leipzig, die dort einen kleinen Gewerbehofladen hat, meist aber auf Märkten wie diesem unterwegs ist. Bei ihr gab es u.a. Heumilchkäse. Heumilch stammt von Kühen, die nur mit Heu gefüttert werden, wenn sie nicht auf der Weide stehen. Heumilch sei ein zertifiziertes Produkt, das auch überprüft wird. Das Ergebnis sei beispielsweise ein Käse mit besonderer Konsistenz, was Kenner schmecken würden, erläutert sie. 
Auf dem Markt fand man auch Bekannte, wie die Keramikwerkstatt Janoud aus Auerbach, wo man allerlei Tassen, Krüge, Kannen, Butterglocken, Tierfiguren und vieles andere erwerben konnte und die man eine Woche zuvor auf dem Ökomarkt in Markneukirchen sah. Wie etliche andere Händler lobt der Chef die Veranstalter geradezu über den grünen Klee, die nicht jeden für ihre Märkte, die sie in verschiedenen Orten veranstalten, zulassen würden. Eine Voraussetzung sei etwa ein Gewerbe. Lobend spricht sich ebenfalls Tristan Rosenkranz aus Gera aus, der das erste Mal in Landwüst ist und zu Hause die Firma Outbird betreibt, eine "Agentur + Verlag für alternative (Genuss)Kultur". Hier offeriert er rund 30 handverlesene Whisky-Spezialitäten, worunter er die persönliche Überprüfung von Herkunft und Qualität versteht. Und so findet man hier allerlei ausgefallene Sorten in kleineren Flaschen, die sehr beliebt als kleines Geschenk oder Anhängsel sind, erläutert der Firmeninhaber. Flóki aus Island oder finnischen PRKL sieht man hier und sogar aus dem Gurkenland, dem Spreewald, kommt Whisky. Außerdem im Angebot sind diverse Liköre mit jeweils 25 Umdrehungen der Marke O'Donnel aus Berlin in einer Art Marmeladenglas, für die es einen speziellen Ausgießer gibt. "Bitter Rose" oder "Harte Nuss" heißen diese, letzterer mit einem einmaligen Nussgeschmack.
Echtes Handwerk präsentierte der Muldenhauer Olaf Schubert aus Kriebstein. Aus dem Ganzen fertigt er aus Pappelholz etwa Schalen oder Backtröge in unterschiedlichen Größen. Auf dem Markt arbeitet er gerade an einem kleineren Backtrog. Den Stamm höhlt er wie einen Einbaum mit verschiedenen Werkzeugen aus, wie Axt und Stemmeisen, und schlichtet die Oberfläche mit einem Dexel, ein Werkzeug mit querstehender Klinge, so dass die Oberfläche zum Schluss, das heißt nach ca. einem Tag, glatt ist wie ein Kinderpopo. Die Backtröge können aber auch größer sein, meint der Meister, und zeigt auf ein Modell, bei dem einem der sechste Streich von Max und Moritz einfällt. An seinem Stand findet man außerdem Deko-Schalen aus verschiedenen Hölzern wie Ahorn oder Apfel mit schöner Maserung. 
Natürlich fehlte auf dem Markt zum Entspannen das Kulturelle nicht. Hierfür sorgten am Sonntag "Blues'n Grass" aus Zwickau, auch bekannt als die Kneipensymphoniker. Na, da konnte ja dann nichts mehr schief gehen…