AWO plant Quartier für alte Menschen

Die Arbeiterwohlfahrt Vogtland und der Plauener Immobiliensanierer Frank Müller bauen das alte Landratsamt in der Neundorfer Straße zum Pflege- und Seniorenkomplex "Plauener Quartier" um. Müller nimmt 25 Millionen Euro in die Hand, die AWO will 140 Senioren- und Pflegeplätze sowie 150 Arbeitsplätze schaffen.

Von Cornelia Henze

Plauen Großer Bahnhof für ein großes Ding im Pflegesektor: Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wohlfahrt bekamen gestern von "Baulöwe" Frank Müller sowie der geschäftsführenden AWO-Doppelspitze Katrin Schmidt und Michael Hummel das Projekt "Plauener Quartier" vorgestellt. Eine Art Campus für alte Menschen unterschiedlicher Hilfebedürftigkeit entsteht. Niederschwellige, ambulante und stationäre Angebote finden sich wieder unter den Dächern dreier Gebäude: Errichtet wird ein Neubau an der Ecke Gutenbergstraße/Neuendorfstraße, und es wird die alte Bausubstanz zweier Gebäude saniert. Zu Teilen unter Einbeziehung des Denkmalschutzes. Letzteres betrifft das markante Eckgebäude in Gründerzeit- und teilweise Jugendstil-Architektur an der Neuendorfer Straße 96, besser bekannt als altes Landratsamt. Der Saal mit dem hohen Tonnengewölbe, in dem bis vor einigen Jahren noch Ausschuss- und Kreistagssitzungen abgehalten wurden, wird zentraler Punkt eines Pflegeheimes mit 65 Plätzen. "Der Saal ist denkmalgeschützt und unantastbar", erläutert Architekt Georg P. Müller vom Kölner Büro mga consult GmbH. Drumherum entstehen auf drei Etagen Ein- und Zweibett-Zimmer, im Keller technische Räume, wie Wäscherei und Küche. Die großzügigen Treppenhäuser und Flure, die imposanten Türen im Jugenstil bleiben im Kontext erhalten. Die weitläufigen Gänge sollen auch dem großen Bewegungsdrang Demenzkranker entgegenkommen. Zielgruppe sind demente und pflegebedürftigen Menschen um die 80plus. Im Dachgeschoss hält die Awo Intensivpflegeplätze mit Sauerstoffzufuhr vor.
"Im Quartier sollen die Menschen nicht nur existieren, sondern residieren", sagt Architekt Georg Müller in Hinsicht der erhaltenswerten Charmes des über 100jährigen Gebäudes. Sein Vertrauen hat der Plauener Projektplaner Frank Müller seinem Kölner Nach-Namensvetter ausgesprochen, weil dieser sich seit zig Jahren auf die Planung vonKrankenhäusern spezialisiert habe. So habe der Kölner schon für Putin eine Klinik in Sotschi geplant, auch Projekte in Shanghai, Afrika und ganz Deutschland stehen auf Müllers Visitenkarte.
Teil zwei des Senioren-Quartiers spielt sich in der "Alten Kommandantur" (ehemals ebenso genutzt von Kreisverwaltung und Sparkasse) vis á vis ab: Dieses wird barrierefrei für eine Tagespflege mit 18 Plätzen, zwei Demenzwohngruppen zu je acht Personen, eine Palliativpflege für sechs Menschen (Dachgeschoss) sowie einen ambulanten Pflegedienst. Haus drei existiert bisher nur auf den Plänen: Hinter der "Kommandantur" an der Gutenbergstraße 8 entsteht ein Neubau mit 33 Ein- und Zwei-Personen-Wohnungen, einem Gemeinschaftsraum mit Küche, Technikräumen, Empfang und Lobby im Erdgeschoss. "Kommandantur" und Neubau werden durch einen Verbindungsgang gekoppelt. Für Bewohner als auch Gäste, Anwohner, Passanten soll der den Gebäudekomplex umgebende Garten sowie ein Café offen stehen. Man wolle Teil des Quartiers werden und Begegnung schaffen zwischen Heimbewohnern und Anwohnern, so der Wunsch von AWO-Chefin Katrin Schmidt. Der Bau des Pflege-Quartiers ist das erste Großprojekt der fusionierten Arbeiterwohlfahrten Auerbach und Plauen. Mit 700 Mitarbeitern, sieben stationären Heimen, zahlreichen Seniorenwohnungen, drei Kitas, neun stationären Kinder- und Jugendheimen ist die AWO einer der größten Wohlfahrtsträger in der Region.
Auch Häusersanierer Frank Müller begibt sich mit dem Projekt für einen Pflegekomplex auf völlig neues Terrain. In den letzten 27 Jahren sanierte Müller 1650 Wohneinheiten in Plauen auf insgesamt 100.000 Quadratmetern. "Eigentlich gehöre ich zu den Leuten, die Dinge weitermachen, die sie bisher immer gemacht haben. Für mich ist das jetzt Neuland", so Müller.