AWG Plauen: Leerstandsquote bei 15 Prozent

 

Während die Wohnungsbaugesellschaft Plauen (WbG) in diesem Jahr erstmalig einen Elfgeschosser mit 127 Wohnungen dem Erdboden gleichmacht, geht die Wohnungsgenossenschaft (AWG) der Spitzenstadt einen anderen Weg, denn: "Jetzt ist Schluss mit dem Abriss bei der AWG!", unterstrich der Vorstandsvorsitzende, Roland Mehlhorn, im Gespräch mit Vogtland-Anzeiger.

 

Das bis 2010 geplante Abrissprogramm der Genossenschaft konnte bereits im letzten Jahr mit dem Schleifen der Gebäude Margarethe-Naumann-Straße 23 bis 27 beendet werden. Nicht zuletzt dank des Abrissprogramms der beiden großen Wohnungsvermieter habe sich, nach Einschätzung Mehlhorns, die Marktsituation in der Spitzenstadt - im Vergleich zum Jahre 2000 - verbessert. Allein die AWG riss 2178 Wohnungen weg, was knapp 30 Prozent des Wohnungsbestandes des Unternehmens entspricht. Politik läuft Markt hinterher "Ich kenne nur wenige Wohnungsunternehmen in Sachsen, die einen solch hohen Anteil ihres Wohnungsvermögens vernichteten", stellte der AWG-Chef klar und beleuchtete dabei auch einen anderen Punkt: Der Kampf dem Leerstand ist das eine, doch der Abriss von Häusern bedeute auch einen erheblichen Wertverlust für diese Firmen. Wenn auch nicht zuletzt durch diese Maßnahme die Leerstandsquote der AWG gedrückt werden konnte, von 18,5 auf 15 Prozent. 125 neue Mitglieder im Vorjahr Den politisch angeschobenen Stadtumbau sieht Roland Mehlhorn in einer Sackgasse. Dies zeige auch der Vorschlag des CDU-Landtagsabgeordneten Frank Heidan über eine kostengünstige Einmietung junger Menschen in kommunale Wohnungen, um so den Leerstand zu reduzieren und den Wegzug Jugendlicher zu bremsen. Der AWG-Chef hält wenig davon und kritisiert, dass die Politik dem Markt orientierungslos hinterherlaufe. Trotz vieler Probleme im Zusammenhang mit Gebäudeabrissen konnte die Genossenschaft 2009 einen Jahresüberschuss von 2,3 Millionen Euro erwirtschaften, des Weiteren die Reserven für liquide Mittel um 450 000 Euro aufbessern. Ebenso verzeichnete die Geschäftsführung auch ein Plus an Genossenschaftsmitgliedern. Allein im letzten Jahr habe es 125 Neuaufnahmen gegeben. Damit beschleunigte sich sogar der positive Trend im Vergleich zu 2008. Derzeit registriert das Wohnungsunternehmen rund 4000 Mitglieder.

Dank der guten Zahlen für das Vorjahr sieht Mehlhorn optimistisch in die kommenden zwölf Monate. Für Instandsetzung und Modernisierung gibt das Unternehmen in diesem Jahr 3,9 Millionen Euro aus. Ganz oben auf der Investitions-Agenda steht der Anbau von Balkonen an die AWG-Domizile, der mit 1,25 Millionen Euro zu Buche schlägt. So können sich beispielsweise die Bewohner der Häuser Windmühlenstraße 19 bis 25, Bärenstraße 10 und 12 oder Marienstraße 8 bis 14 über neue Balkone freuen. Mit den erwähnten Häusern an der Marienstraße beginnt die Balkonnachrüstung im Dörffelgebiet. In der Suttenwiese soll heuer der Balkonanbau in den Gebäuden Adolf-Amelung-Weg 10, 12, 13 und 14 abgeschlossen werden. Ein Ende findet die Balkonnachrüstung im Lindentempel mit den Domizilen Alte Reichenbacher Straße 29 und 31. An den Gebäuden Straße der Deutschen Einheit 2 bis 10 und am Giebel der Nummer 12 verschwindet ein Schandfleck, dank neuer Balkone. "Wir wollen damit auch die Fassade der drei Häuser in einen ansprechenden Zustand versetzen", so der Gesprächspartner.

Große Freude dürfte der Einbau eines Aufzugs im Inneren des Gebäudes Stauffenbergstraße 49 im Seehaus auslösen. Die zumeist älteren Bewohner hätten diese Erleichterung gewünscht. Im späten Frühjahr sollen die Arbeiten beginnen. Weitere Investitionsschwerpunkte sind die Instandsetzung von Flachdächern und die Beseitigung der Algenbildung an Außenfassaden, so beispielsweise an einem Gebäude an der Luisenstraße. Dabei werde ein "selbstreinigender Oberflächenanstrich" benutzt. Hohe Kosten bei Umzug Ein großer Ausgabenblock für die Genossenschaft seien Kosten für den Wohnungswechsel. Dahinter verbergen sich das Herrichten leer gezogener Wohnungen und das Vorbereiten auf den Neubezug. Mehlhorn hofft auf erfolgreiche Mund-zu-Mund-Propaganda bei der Werbung der Neumitglieder. Dafür gebe es fünf Musterwohnungen. Der AWG-Vorstandsvorsitzende unterstützt den WBG-Chef Hellfried Unglaub in seinem Engagement, eine differenzierte Betrachtung der Kosten für Wohnunterkunft für Hartz-IV-Empfänger durch die Arge zu erreichen. Bisher zahle die Arge jeweils nach getrennten Vorgaben bis zu Obergrenzen zum einen Heizkosten und zum anderen Brutto-Kaltmieten. Doch durch die Sanierung vieler Gebäude in den letzten Jahren lägen dort die Brutto-Kaltmieten durch die Sanierungsaufwendungen mitunter leicht über den tabellarischen Obergrenzen.

 

Mehr Flexibilität erforderlich Aber gerade in diesen Gebäuden würden die zulässigen Maximalwerte der Heizkosten weit unterschritten. Dennoch verlange der Gesetzgeber ein Senken der Brutto-Kaltmiete oder gar den Umzug. "Beide Wohnungsunternehmen wünschen sich an dieser Stelle eine höhere Flexibilität und sind deshalb im Gespräch mit dem Vogtlandkreis", ergänzt abschließend Roland Mehlhorn.

 

Von B. Walther