"Awerbach"-Bier bietet Corona Paroli

Der Auerbacher Schlossturm-Wirt überbrückt die Zwangspause mit einem Haustrunk. Der hat einen ungewöhnlichen Namen.

Von Hagen Hartwig

 Das Restaurant "Zum Schlossturm", hoch über den Dächern von Auerbach, kann auf eine wechselvolle Geschichte verweisen. Zu DDR-Zeiten zählte das Lokal zur ersten Adresse. Gäste mussten Schlange stehen. Ohne gute Beziehungen zum Wirt oder Kellner gab es dort kein freies Plätzchen. Nach der Wende im Jahr 1990 begann auf dem Schloss ein ständiger Gastronomie-Wechsel: gutbürgerliche deutsche Küche, griechische Spezialitäten oder italienische Feinschmeckerkost. Keiner der Betreiber hielt es lange aus.
Richtig Schwung in den Laden brachte erst Steffen Fohlert. Der 48-jährige Auerbacher pachtete im Sommer 2017 die im städtischen Besitz befindliche Lokalität und machte sie innerhalb kürzester Zeit zur gastronomischen Erfolgsgeschichte. Bis vor wenigen Wochen lief das Ganze gut, doch dann kam Corona. Der weltweite Virus zwang auch Fohlert zur Schließung seines Restaurants, aber nicht auf die Knie. "Ich versuche mich jetzt quasi mit einem speziellen Bier über Wasser zu halten. Am 8. April geht es damit los", kündigt der rührige Gastronom an.
Als langjähriger Verkaufsleiter eines in Bayern ansässigen Spirituosenherstellers hatte Fohlert in vielen Berufs-Jahren jede Menge Erfahrungen in der Gastronomie gesammelt. "Innerhalb kürzester Zeit ist es mir seit 2017 gelungen, aus dem jahrzehntelang vernachlässigten Haus ein Restaurant mit kreativer Erlebnisgastronomie zu entwickeln", so Steffen Fohlert. Die Schlossturm-Gäste loben vor allem die feinen, stets frisch zubereiteten Gerichte, das angenehme Ambiente, die liebevollen Dekorationen, den großen Biergarten und den freundlichen Service. "Ich habe ein handverlesenes und fachkompetentes Team an meiner Seite", berichtet der Chef von fünf Mitarbeitern und zwei Lehrlingen.
Bereits wenige Monate nach seinem Start als Wirt setzte Steffen Fohlert ein zunächst gewagtes Vorhaben in die Tat um. "Im Dezember 2017 habe ich begonnen, ein eigenes Bier zu brauen. Aus diesem Projekt wurde schnell ein sehr erfolgreiches." Im Gastraum wurde dazu ein Sudhaus installiert, der Haustrunk bekam den Namen "Awerbach-Bier" (tatsächlich mit "W" geschrieben). Steffen Fohlert erklärt: "Im 15. Jahrhundert nannte sich die Stadt noch Awerbach. Damals gab es einige Schankrechte rund um den Schlossberg. Wir wollen daran erinnern."
Das Sudhaus, nach eigenen Worten eine High-Tech-Gerätschaft, hat Fohlert damals in der Brau-Manufaktur Bautzen geordert. Erfahrene Braumeister machten den neuen Wirt fit für die Herstellung des Gerstensaftes.
Das unfiltrierte "Awerbach-Bier" ist nicht pasteurisiert, naturbelassen und nach alten Rezepturen gebraut. Vor der Corona-Krise kamen ausschließlich die Restaurant-Gäste in den Genuss des hopfigen Getränks. Steffen Fohlert überlegt sich, wenigstens das Bier während der durch Corona auferlegten Zwangspause anzubieten. "Doch dazu benötigte ich die notwendigen Flaschen und eine spezielle Abfüll-Apparatur. "Beides bekam ich über Thomas Frenzel aus Bautzen. Der ist dort ein bekannter Gastronom und ebenfalls ein Bierbrauer", so Fohlert.
400 nagelneue Ein-Liter-Leerflaschen hat Wirt Fohlert nun auf Lager. Mit Hilfe seiner beiden Lehrlinge Jessica und Alexander werden diese in den nächsten Tagen mit dem "Awerbach-Bier" befüllt. Selbstverständlich kümmerte sich der kreative Wirt auch um den Feinschliff: "Jede Flasche bekommt ein extra kreiertes Etikett mit Auerbachs drei Türmen, den Hinweis auf Zutaten und Haltbarkeit, die im gekühlten Zustand knapp drei Wochen beträgt", erklärt der bierbrauende Wirt, der schon jetzt eine steigende Awerbach-Nachfrage verspürt.
Sein größter Wunsch ist es aber, dass Corona so schnell wie möglich verschwindet. Trotz der angelaufenen Hilfsprogramme von Bund und Land, kann das Restaurant nicht längere Zeit betriebswirtschaftlich gehalten werden. "Ich sorge mich sehr und hoffe, dass es mit der Gastronomie bald weitergeht. Solange ist mein Bier ein Tropfen auf den heißen Stein!"