Automat befüllt Pfannkuchen mit Marmelade

Ulrich Weiß ist 60 Jahre Müllermeister und hat lange in der Mühltroffer Stadtmühle gearbeitet. Seine Eltern hatten sie gekauft - in schlechterem Zustand als viele der 24 anderen Wassermühlen an der Wisenta. Aber sie hatte einen Vorteil.

Mühltroff - "Sie lag an einer Fernverkehrsstraße und konnte im Winter bei Schnee und Frost erreicht werden", sagt der 79-Jährige, der bis heute in einem Teil des Gebäudes wohnt; die Mühle ist nicht mehr in Betrieb.
Gestern erhielt er dort eine "Diamantene" Ehrenurkunde - aus den Händen von Manuela Mehringer-Pöhlmann; die Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Vogtland macht "Hausbesuche" bei den fünf Vogtländern,  die vor 50, 60 und 70 Jahren ihren Meisterabschluss erlangt hatten - und die Festveranstaltung am 10. August in Limbach-Oberfrohna verpasst haben.
Die Eltern von Ulrich Weiß stammen aus Thüringen - aber er wird 1941 in Schlesien geboren, wo sein Vater in einer Mühle Arbeit gefunden hat. 1942 zieht der Vater in den Krieg und wenig später vernichtet ein Feuer die elterliche Wohnung: Die Mutter kehrt mit ihren drei Söhnen zu den Großeltern nach Nitschareuth bei Greiz zurück. "Später waren alle glücklich, dass uns bei Kriegsende die Flucht aus den Ostgebieten erspart blieb."
Nach dem Krieg pachten die Eltern die beim Schloss gelegene Stadtmühle in Mühltroff und können sie 1963 kaufen. Ulrich beginnt mit 14 Jahren beim Vater eine Müllerlehre. "Mit 19 hatte ich meinen Meisterbrief." Später holt er die zehnte Klasse nach und absolviert ein Fachschulstudium, wird Ingenieur für Lebensmittelindustrie/Getreideverarbeitung.
1985 wechselt Ulrich Weiß zur Einkaufs- und Liefergenossenschaft für Bäcker, Konditoren und Müller, ist als Geschäftsführer zuständig für Schleiz, Lobenstein und Zeulenroda. So vertreibt er republikweit die in Tanna hergestellten Pfannkuchenfüllautomaten, die mit Druckluft das Fettgebäck mit Marmelade befüllen.
Weniger lustig sind die Verteilungskämpfe in der DDR-Mangelwirtschaft um Edelrohstoffe. "Einmal gab es Erdnüsse, mancher Bäcker hat nur zwei Kilo bekommen."
Die Wende 1989 läutet große Veränderungen ein - Ulrich Weiß wird Bürgermeister von Mühltroff. "1992 kehrt unsere Stadt wie Pausa und Elsterberg aus Thüringen nach Sachsen zurück - 40 Jahre zuvor war es zwangsweise in die andere Richtung gegangen."
Elf Jahre bekleidet Weiß den Bürgermeisterposten. "2001, mit 60 bin ich in Rente - mit Knochen, die in der Mühle kaputt gegangen waren, und grauen Haaren, die ich mir im Rathaus geholt habe."
So witzig Weiß über sein Leben berichtet, so hart hatte er mit gesundheitlichen Einschränkungen zu kämpfen - bis heute. "Die Hüften und die Lunge", sagt er.
Weiß hat sich nicht nur in der Kommunalpolitik einen Namen gemacht - sondern auch in der Geflügelzucht. "Keine Ahnung, wie viele Vereins- und Kreismeistertitel ich erhalten habe, ob in Plauen oder Schleiz. Und bereits vor der Wende habe ich mehrmals Siegertiere auf DDR-Schauen in Leipzig ausgestellt." Noch heute hält er mehr als 100 Tauben und drei Dutzend Hühner, die seine Frau versorgen muss, wenn seine "Knochen" nicht können.
Weiß freut sich, dass Söhne und Enkel seine Tierliebe geerbt haben - und Ponys halten. "Ich liebe Kutschfahrten mit der Familie." ufa