Auto besser als Bahn und Rad?

Thomas Hohl fährt gern Fahrrad. Zuweilen meistert er so die 39 Kilometer zur Arbeit nach Hof. Zurück geht's per Vogtlandbahn. Aber das kann sich der Vogtländer nicht immer leisten: "Das Ticket kostet fünfmal so viel wie der Sprit für meinen Wagen."

Mühltroff/Kornbach - "Wenn das Wetter passt, fahre ich mit dem E-Bike nach Hof, wo ich als Fachlehrer an der Waldorfschule arbeite: Die 39 Kilometer ab Kornbach bei Mühltroff schaffe ich in anderthalb Stunden. Am Nachmittag nehme ich gern die Vogtlandbahn. Doch eine Fahrt kostet 8,80 Euro und zusätzlich 6 Euro fürs Rad. Und ein Ticket für den Bus zum Bahnhof brauche ich auch noch."
Das findet der 55-Jährige nach eigenen Worten deftig. "Mit dem Auto käme ich billiger: Mein 41 Jahre alter Daimler mit dem H-Kennzeichen ("Historisch wertvoll") braucht sechs Liter Diesel auf 100 Kilometer. Das macht drei Euro für die Strecke Hof-Kornbach."
Auch Wochenkarte (44 Euro) oder die flexible Fünf-Tages-Karte (47,90 Euro) wären nach Hohls Angaben nicht günstiger, zumal für jede Fahrt die 6-Euro-Fahrradkarte dazu käme. "Mal zum Preis- und Entfernungsvergleich: Mit dem Quer-durch-Bayern-Ticket für 25 Euro kann ich von Hof bis München fahren, Fahrrad inklusive."
Hohl, den viele als Umweltschützer und früheren Grünen-Kreisrat kennen, hat noch mehr am vogtländischen ÖPNV zu kritisieren, dem Öffentlichen Personen-Nah-Verkehr:
"Wenn ich mit der Bahn, welche aus Thüringen kommt, nach Hof will, kann ich in Schönberg starten. Das sind zwei Kilometer von Kornbach. Das ebenfalls nur sechs Kilometer entfernte Reuth ist ungünstig, weil die Vogtlandbahnen dort täglich nur zweimal halten - und das zu Unzeiten. Ansonsten rauschen sie durch." Wer den ÖPNV stärken wolle, müsse mehr Angebote schaffen - dann entwickelten auch Bedarf und Nutzung.
Hohl sagt das nicht ohne Hintersinn: In Stelzen, zwischen Reuth und Gefell, betreibt er seine Wieselburg, ein Umweltcamp zwischen Wiesen und Wäldern - für Schulklassen, Familien und alle, die an der Natur interessiert sind. Doch wie erreicht man die Wieselburg, wenn man kein Auto hat oder nutzen will?
Kindergruppen, die per Leipziger Zug anreisen, steigen nach seinen Worten in Mehltheuer aus - "und müssen dann auf den Rufbus ewig warten. Das betrifft übrigens auch die Gruppen, die in den Pfarrgarten Reuth wollen."
Laut Hohl klappt es manchmal, dass Gäste mit dem Zug über Schleiz anreisen. "Dann können sie den Linienbus nach Stelzen nehmen oder - wenn sie Glück haben - den Schulbus." ufa

 

Kann ein altes Auto nachhaltig sein?

Thomas Hohl ist ein "Grüner" - und fährt ein altes Auto. Passt das zusammen. Ja, sagt er: Wissenschaftler raten nach seinen Worten, ein Auto so lange wie möglich zu nutzen. "Denn bei Gewinnung der zu seiner Herstellung nötigen Rohstoffe entstehen erhebliche Umweltschäden, die Herstellung ist energieintensiv und in den Produktionshallen werden viele problematische Stoffe eingesetzt", erklärt Hohl.
Für die Produktion eines Autos, das 1,5 Tonnen wiegt, würden im Schnitt 70 Tonnen Materialien und Ressourcen verbraucht. Je nach Gesamtfahrleistung entstünden 15 bis 20 Prozent der CO2-Emissionen bei der Produktion und ein Prozent beim Recycling.
Wenn ein neuer Wagen beim Verbrauch dicht beim Verbrauch des alten liegt, lohnt sich laut Hohl ein Neukauf für das Klima wohl kaum. "Dann dauert es teilweise mehr als 20 Jahre, bis die Klimabilanz des neuen Autos besser wird als die des alten." ufa