Auszahlung des Flut-Geldes am Donnerstag?

Geld für Hochwasser-Betroffene: Das soll es ab Donnerstag in den Rathäusern geben. Order, wie das geschehen soll, gab es aus den Behörden am Mittwoch nur ungenau.

Plauen - Am Dienstag verkündete Landesvater Stanislaw Tillich Soforthilfe für Hochwasser-Geschädigte: 400 Euro für Erwachsene, 250 Euro für Kinder - und maximal 2000 Euro für einen Haushalt. Kaum verkündet, standen schon manche Hochwasser-Betroffene vor den Rathäusern am Mittwoch. So auch in Reichenbach. "Im Bürgerbüro bei uns gab es etliche Anfragen, besonders von Betroffenen aus Heinsdorfergrund", sagt Reichenbachs OB Dieter Kießling. Als Vorsitzender des Kreisverbandes Vogtland im Sächsischen Städte- und Gemeindetag (SSG) setzte sich Kießling in die Spur. Vom SSG erhielt er ein Schreiben, worin es heißt: "Landkreise und kreisfreie Städte sollen einen ersten Abschlag auf die zur Verfügung stehenden Soforthilfemittel am 6. Juni 2013 nach einem noch zu konkretisierenden Verteilerschlüssel erhalten."

Danach bekommen Betroffene die Soforthilfe, für deren Wohnort Katastrophenschutzalarm ausgelöst wurde. Laut Vize-Landrat Rolf Keil seien das die Orte Plauen, Pöhl, Jocketa, Elsterberg, Weischlitz, Bergen und Altmannsgrün - sowie die jeweiligen Ortsteile. Für alle anderen Städte, in denen es etwa "nur" Katastrophenvoralarm gab - so geschehen in Mylau, Rodewisch und Lengenfeld - sieht der SSG einen Sockelbetrag vor. Vorerst soll das Geld den Landkreisen überwiesen werden. "Wir haben dafür bereits ein Konto eingerichtet", so Rolf Keil.

Allerdings: Ob das Geld auch am Donnerstag an die Kommunen weiter gereicht wird und diese sofort auszahlen, sei noch ungewiss. Keil sieht das als möglich an. Auch das sächsische Finanzministerium bestätigt auf Nachfrage, dass Landkreise und kreisfreie Städte ab Donnerstag Abschlagsbeträge bekommen. "Die Landkreise leiten die Mittel an die vom Hochwasser in ihrem Gebiet betroffenen Gemeinden unverzüglich weiter. Dort wird das Geld unbürokratisch ausgezahlt." Anträge könnten bis 25. Juni gestellt werden. Eine Schädigung liege vor, wenn mindestens teilweise das Erdgeschoss in Wohngebäuden überflutet worden sei, so das Ministerium.

Wer wirklich von der Flut betroffen ist, soll dies in einem vorliegenden Formular bekunden. Dieter Kießling: "Wir vor Ort wissen natürlich, welche Orte, Straßenzüge und Familien betroffen sind."

Hilfe gab es beim Jahrhunderthochwasser 2002 auch bei der Sächsischen Aufbaubank (SAB) in Form von Zuschüssen und zinsgünstigen Darlehen. Auch in Plauen gibt es eine Filiale. Die Dresdener SAB-Sprecherin Beate Bartsch dazu: "Wir wissen weder was noch wann. Die sächsische Staatsregierung hat sich noch nicht positioniert." Bartsch verweist die Betroffenen darauf, wiederholt nachzufragen und verspricht: "Wenn die Richtlinien da sind, starten wir von 0 auf 100."

Ein Dutzend Betroffene suchten bereits am Dienstag Rat bei Auerbachs Verbraucherberaterin Heike Teubner. "Die wenigsten wussten, ob ihre Versicherung Hochwasserschäden abdeckt. Viele hatten eine Schmalspurversicherung und waren verzweifelt, traurig und empört, als sie merkten, dass Hochwasserschutz nicht versichert war."

Teubner rät, beim Gang zur Versicherung Beweise, wie Fotos von den Schäden, mitzubringen. Wohl dem, der noch seine Elementarversicherung aus DDR-Zeiten hat. Allianz-Berater Jens Wappler schätzt ein, dass 90 Prozent seiner Kunden, die schon zu DDR-Zeiten Haus und Grund hatten, die alte Elementarversicherung behalten haben - und somit mit Schadensersatz rechnen dürfen. Häuslebauer nach der Wende seien hingegen oft nicht gegen Hochwasser versichert.

Anfragen zur Soforthilfe geben laut Landratsamt die Kommunen sowie die Kreisverwaltung: 03741/392 44444. Cornelia Henze