Ausstellung mit Werken von Gerhard Oßmann

Oelsnitz - Mit offenem Herzen und sehenden Auges hat Gerhard Oßmann (1910 bis 1990) das Vogtland durchwandert. Eindrucksvolle Aquarelle in großer Vielfalt der Stimmungen sind die Frucht seiner Malausflüge. Zum 100. Geburtstag des Künstlers ist  derzeit eine umfangreiche Ausstellung im Fürstensaal von Schloss Voigtsberg zu sehen.

 

Zum ersten Mal ist das gesamte Erdgeschoss der Kernburg, ausgehend vom Foyer, einem solchen Vorhaben gewidmet. Damit wird eines weiteren herausragenden Absolventen der Staatlichen Kunstschule für Textilindustrie Plauen gedacht - möglich auch dank der Förderung durch den Kulturraum Vogtland-Zwickau.

Konzipiert und aufgebaut haben die Bilderschau aus Familienbesitz Roman Goldhahn von der Oelsnitzer Stadtmarketing GmbH und der Sohn des Malers, Professor Roland Oßmann, der auch die Laudatio hält und Autor des informativen Katalogs ist. In Begleitung der Familie wird Hilde Oßmann, die hochbetagte Witwe des Künstlers, die Ehrung miterleben. Jugend, die Oelsnitzer Nachwuchsband "Jazzy 7", umrahmt die Vernissage musikalisch.

"Gerhard Oßmann kannte nur drei Jahreszeiten zum Aquarellieren der Landschaft: Vorfrühling, Herbst und Winter", erzählt Goldhahn bei einem Ausstellungsrundgang vorab. Der Sommer mit seinem grellen Licht und starken Schatten blieb dem Malen von Blumenstillleben vorbehalten. Reizvolle Arbeiten der Ausstellung wecken die Erinnerung an Wiesen voller Wildblumen, deren Vielfalt auch schon zu Oßmanns Zeiten bedroht war. Eine weitere Facette gewinnt die Schau durch ausdrucksstarke Porträts aus dem Kreis der Familie.

Ungewöhnlich kräftig für das Aquarell malt Oßmann die vogtländische Landschaft, die vom bäuerlichen Anwesen, Teichen, Bächen, Wäldern und Alleen geprägt ist. Die typischen Ansichten des einfachen, erdverbundenen Lebens sind heute vielfach überformt oder verschwunden.

Dieser Welt fühlte er sich tief verbunden. Wie in Theaterlicht getaucht offenbaren sich seine Herbstlandschaften. Oßmann nutzte die Nass-in Nass-Technik auf stark geleimten Papieren für eine besonders körnige Struktur seiner Arbeiten. Zeitlich schlagen die Werke den Bogen vom Beginn der Schaffensperiode des gebürtigen Plaueners bis zu den letzten, zarten Aquarellen, die schon vom nahen Tod des Malers überschattet scheinen. "Mein Vater war mein Lehrer", erzählt Roland Oßmann. Früh fand so der Sohn zum Zeichnen und Malen und legte damit den Grundstein zu seinem späteren Beruf, der Architektur. Im Zeichenzirkel brachte der Vater das künstlerische Tun vielen weiteren Menschen nahe.

Freischaffend tätig war Oßmann, der 1955 aus dem Verband Bildender Künstler der DDR austrat, nur kurze Zeiten in seinem Leben. Von seiner Tätigkeit als Entwurfsgrafiker bei der Präwema in Markneukirchen legt eine Vitrine in der Oelsnitzer Ausstellung Zeugnis ab. In der Jubiläumsstadt wird im September eine weitere Ausstellung im Rahmen der 650-Jahrfeier eröffnet. Bislang sind Oßmanns Arbeiten in privaten Sammlungen zu finden. Doch die Familie plant eine Schenkung an eine öffentliche Einrichtung. Roland Oßmann spricht von einem Archiv der Aquarelle vogtländischer Künstler. Die Gedanken dazu sind noch im Fluss. Die Ausstellung auf Schloss Voigtsberg ist bis zum 15. August jeweils dienstags bis sonntags, 11 bis 17 Uhr, geöffnet. R. Wöllner