Ausstellung "Ersten Grades"

Mit "Ersten Grades" titelt nicht nur die am Mittwoch im Ellefelder Schloss eröffnete Ausstellung. Die Ausstellenden verbinden auch verwandtschaftliche Bande "Ersten Grades", welches wiederum dazu führt, dass alle drei das der Familie eigene künstlerische Gen in sich tragen.

Von Cornelia Henze

Ellefeld - Das Resultat: Susanne Fränkel ist die Malerin in der Familie, ihr Bruder Klaus-Peter Hirthe der Dichter - und die Tante der beiden, Christina Prägler, hält es ebenso mit Leinwand, Pinsel und Farbe.
Malerei ist eine stumme Poesie und Poesie eine blinde Malerei - so hat es ein kluger Leonardo da Vinci gesagt, eine Weisheit, die die drei gebürtigen Plauener für sich in Anspruch nehmen. Zusammen bilden Malerei und Lyrik eine Einheit. Susanne Fränkel, 1954 in Plauen geboren, liebte schon immer Farbe, Dekoration und Mode. Nach der Schule lernte sie in der Plauener Gardine Textilzeichnerin, entwarf später in den Oelsnitzer Teppich-Halbmondwerken und danach Schnittmuster beim "Verlag für die Frau" in Leipzig. Als die Wende kam und die Textilindustrie zum Erliegen kam, wurde die Plauenerin aus ihrer künstlerischen Berufswelt herauskatapultiert. "Für mich eine traurige Zeit", reflektiert sie. So begann sie, ihr Talent im Privaten auszuleben. Landschaften und Stadtansichten, teils in kräftigen expressiven Farben, teils in zarten, lichtdurchfluteten Tönen des Impressionismus gehalten, sind entstanden. Da nimmt sie die Betrachter mit in ihre maritimen Landschaften, an Strände und Dünen der Ostsee, in ein blühendes Lupinenfeld oder sie lässt sie in eine stimmungsvolle Gasse der Prager Altstadt schauen. "Der Kopf lenkt meinen Pinsel", verrät Christina Prägler dem Publikum im Schloss. Acryl, Aquarell und vor allem Öl sind ihre bevorzugten Techniken. 
Auch Christina Prägler, die ins vorletzte Kriegsjahr hineingeboren wurde und ihre Kindheit inmitten der Ruinen und Trümmer Plauens verbrachte, liebt kräftige, lebensbejahende Farben. Das saftige Grün der Wiesen, das satte Blau des Himmels, die erdigen Töne von kräftigem Baumgeäst. Aber mit den Jahren widme sie sich auch tragischeren Themen, die sie im Leben erfahren habe und die man sich nicht übers Sofa hänge, weist die frühere Lehrerin auch auf Schattenseiten hin. Ein ganzer Kerl, dessen Welt Betonteile und Eisenbewährung ist, das ist Klaus-Peter Hirthe. Ingenieur bei der Landestalsperrenverwaltung. Seine Seele hingegen ist voller Poesie und fantasievoller Worte. Hirthe, Jahrgang 1967, und heute in Kirchberg lebend, liebt Literatur, Kunst, Musik. Er liest viel. "Er malt mit Worten", sagt Christina Prägler über ihren Neffen. "Beim Wandern geht mir immer viel durch den Kopf", sagt der Poet, der einmal den Gedichtwettbewerb von Weltbild gewann - unter 7000 Teilnehmern und im sechsten Anlauf.
Öffentlich Zugang hat ein jeder zur Ausstellung "Ersten Grades - Wortmalerei & gemalte Poesie" an diesem Wochenende zum Ellefelder Schlossfest. Danach ist das Schloss nur zu Trauungen und auf vorherige Anfrage geöffnet - die Ausstellung bis September zu sehen.