Ausflug zu "Doktor Wald"

Warum es Matthias Thoß aus Klingenthal beim Sonntagsfrühstück die Sprache verschlagen hat, ist eine Geschichte voller Überraschungen, die mit einer schönen Bescherung endet.

Von Marlies Dähn

Klingenthal Stapelweise Post sortierte das Team der Vogtland-Anzeiger Sonderbeilage "So" in den Tagen nach Silvester.
In der Weihnachtsausgabe hatten die "So"-Mitarbeiter den Zeitungslesern einen Tisch voller Gaben vorgestellt. Wer eines der Geschenke aus der Sonderausgabe am Sonntag gewinnen wollte, sollte aufschreiben, warum. Viele Briefe und Karten flatterten in die Redaktion. Unter den fröhlichen, manchmal nachdenklichen und kreativ gestalteten Zuschriften befand sich auch ein Brief aus Klingenthal.
Abgeschickt hatte ihn Matthias Thoß. Der Tischlermeister wollte keine Konzertkarten für Silbermond oder Reinhard Fendrich. Auch auf die Polaroidkamera oder das Lichtset für Fahrräder war er nicht aus. Der Klingenthaler wollte das Waldbaden gewinnen.
Gerade bei diesem Geschenk war die "So"-Redaktion reichlich skeptisch. Ob nun in Franken, Thüringen oder im Vogtland - ein Großteil der Leser hat schließlich den Wald direkt vor der Haustür. Wer könnte da wohl am Waldbaden im Thüringer Nationalpark Hainichen Gefallen finden?
Doch ausgerechnet für das Waldbaden stapelten sich die Briefe und Postkarten. Förster, Pilzesammler oder auch ehemalige Pfadfinder, die den Wald bestens kennen und lieben waren neugierig auf das Waldbaden unter Anleitung.
"Auch ich habe geschrieben", bestätigt der Klingenthaler im Gespräch mit dem Vogtland-Anzeiger. Beinahe täglich sei er im nahen Wald unterwegs. Rund um die Himmelsleiter führen die Touren, entlang der urigen Pfade in Steindöbra genießt er die heimatliche Natur in vollen Zügen. In seinem Brief hat Matthias Thoß beschrieben, wie er nach drei Minuten Fußmarsch in seinem Wald ist, welch ein Glück er dabei empfindet. Er erzählte vom Aschberg und vom Rauschen des Baches. "Am Wochenende bin ich oft mit meinem Sohn Tobias und dessen Mischlingshund Charlie unterwegs oder mit meiner Frau Ramona", erzählt Matthias Thoß und noch immer ist ihm die Freude anzuhören über das, was dann passierte. "Wir saßen gemütlich am Frühstückstisch und ich blätterte in der Zeitung als ich plötzlich in dicker roter Schrift meinen Namen las. Ich hatte das Waldbaden gewonnen", freut sich der Klingenthaler ehrlichen Herzens. Und er kann sich auch denken, was ihm zu seinem Glück verholfen haben könnte.
Einmal im Jahr trifft er sich noch mit den ehemaligen Lehrlingen des VEB Holzbau Klingenthal. "Wir hatten 1977 ausgelernt. Weil wir aus allen Himmelsrichtungen kommen, treffen wir uns immer in einem anderen Winkel. Zuletzt war das Treffen bei Schmalkalden. An einer Imbissbude entdeckte ich ein Gedicht vom Wald. Das hab ich abfotografiert und an meinen Brief fürs Waldbaden mit angehängt. Die erste Strophe des Gedichtes eines Thüringer Försters die lautet: ,Wenn ich an Kopfweh leide oder Neurose,/ mich unverstanden fühle oder alt,/ dann greife ich nicht zur Pillendose, /dann konsultiere ich den Doktor Wald.‘, war mit abgedruckt. Vermutlich hat mich das Gedicht zum Gewinner gemacht", überlegt Matthias Thoß.
Jetzt freut er sich auf das Waldbaden. Das wird im April stattfinden im Thüringer Nationalpark Hainich. Übernachtung, Frühstück inklusive. "Auch meine Frau darf mit und nun warte ich auf die Gewinnbenachrichtigung. Die kommt demnächst noch schriftlich", weiß Matthias Thoß.